Sein experimentelles Alter Ego Harvestman hat Neurosis-Mann Steve Von Till schon länger nicht mehr aus der Versenkung gezogen. Doch nach sieben Jahren hat sich wohl ein wenig angesammelt. Wie schon das letzte Neurosis-Album präsentiert sich aus Harvestmans „Music For Megaliths“ etwas kompakter als früher. Sieben Stücke in rund 40 Minuten gibt es zu hören.

Steve Von Till ist an sich Gitarrist und Sänger. Doch hier stellt er gerade diese beiden Dinge in den Hintergrund. Die Musik ist stark Ambient-lastig. Immer wieder schlägt das Ganze auch in Richtung Post- und Krautrock aus. Synthesizer und Effektspielereien bestimmen das Bild, selbst wenn mal eine Akustikgitarre zum Einsatz kommt. Sounds werden verfremdet, moduliert und Klänge immer wieder neu zusammengesetzt, Drones übereinander gestapelt und Wiederholungen sorgen dafür, dass es etwas gibt, an das man sich krallen kann. So entsteht eine spannende, manchmal auch entspannende Klangreise, auf die man sich einlassen können muss.

Denn die Musik von Harvestman kann man sicherlich hinsichtlich Instrumentierung und Arrangements analysieren. Letztlich muss man sie aber spüren. Wenn einen bei „The Forest Is Our Temple“ die Klänge einer Drehleier umspülen und im Hintergrund schwer zu fassende Sounds vor sich hinwabern, hat das schon fast was Meditatives. „Oak Drone“ sorgt trotz eingeworfenen Gitarrensounds für eine glimmende Stimmung und „Ring Of Sentinels“ wirkt schon regelrecht entspannend.

Es bleibt aber nicht immer so. Das düstere „Sundown“ ist mit seinen Störgeräuschen das genaue Gegenteil davon. Die Stimme von Von Till gibt es lediglich in der versöhnlichen Abschlussnummer sowie in „Levitation“ zu hören. Hier wird der Mann auch noch von Neurosis-Kollege Jason Roeder am Schlagzeug unterstützt. Was dabei herauskommt, ist schon fast Postrock.

Interessante Scheibe für aufgeschlossene Geister und spezielle Stunden.

Trackliste:
1. The Forest Is Our Temple
2. Oak Drone
3. Ring Of Sentinels
4. Cromlech
5. Levitation
6. Sundown
7. White Horse

Harvestman - Music For Megaliths (Neurot Recordings, 19.05.2017)
4.0Gesamtwertung