Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Menschen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Personen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen ist vor nicht allzu langer Zeit die Rubrik „Handwritten meets…!“ entstanden, in welcher wir unter anderem mit so überaus netten Menschen wie Marcus Wiebusch und Ole Plogstedt gesprochen hatten!

Über eine Konzertankündigung bin ich zufällig auf die Rockband RANDALE gestoßen, die sich auf die Fahne geschrieben hat, Kids mit ihrer Musik zu erfreuen. Da ich mittlerweile selbst Vater von drei Kindern bin, die gerne auch den härteren Tönen frönen und ich darüber hinaus ja neulich erst hier das HipHop-Trio Deine Freunde interviewt hatte, ist es jetzt an der Zeit das Ganze mal von der rockigen Seite zu beleuchten…

… also dann viel Spaß mit „Handwritten meets… RANDALE

 

Moin… schön, dass ihr uns heute für das Interview unserer Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung steht und ein wenig euer kostbaren Zeit opfert!

Asche auf unser aller Haupt, aber wahrscheinlich habt ihr euch schon gedacht, dass die meisten unserer Leser euch noch nicht wirklich kennen und auch ich bin eher zufällig auf euch gestoßen. Seit 2004 macht ihr ja jetzt quasi schon Rockmusik „(nicht nur)“ für Kinder… erzählt doch mal kurz, wie es damals dazu gekommen ist! – Seid ihr da beruflich „vorbelastet“ gewesen, oder wie?

Also wir alle machen schon seit vielen Jahren Musik. So ca seit Mitte/Ende der 80er Jahre. Gitarrist Marc spielte bei der Bielefelder Hardcore-Band BRACE AP, Sänger Jochen bei der funky Crossover-Band THIRTY DIRTY BIRDZ, Drummer Garrelt bei der Indie-Pop-Band HOW COME HYSTERIA oder zusammen mit Bassist Christian bei SNOID. Garrelt trommelt bis heute auch bei der bekannten AC/DC-Cover-Band BIG BALLS. Wir kannten uns alle aus der Bielefelder Szene und wollten immer mal eine Band zusammen machen. Dass es dann ausgerechnet diese Band RANDALE wird und die auch das für alle erfolgreichste Ding wird, das hat damals keiner geahnt.

 

Genau wie die Jungs von Deine Freunde unterscheidet sich euer Stil ja schon sehr von anderen Künstlern, die sich mit Kindermusik beschäftigen. Hattet ihr keinen Bock mehr immer nur Rolf Zuckowski und seine Hits hören zu müssen? Oder haben euch vielleicht sogar die eigenen Kids dazu genötigt zu den Instrumenten zu greifen?

So ähnlich. Die Tochter von unserem Sänger Jochen gab den Anstoß. Die wurde 2001 geboren, Gitarrist Marc wurde auch sofort der Patenonkel und so peu à peu gab es die ersten Berührungspunkte mit „normaler“ Kindermusik. 2004 wurde es uns dann zuviel. Wir wollten Kindermusik machen, bei der man als Erwachsener, der mit Punk, Rock, Indie und Metal sozialisiert wurde, nicht schreiend wegrennt. Und seit der ersten CD wissen wir: der Bedarf ist riesig!

 

Apropos RANDALE… wie ist der Name damals eigentlich entstanden?

Wir wollten auf keinen Fall einen Namen, der erahnen läßt, dass wir Musik für Kinder machen. Also nix Niedliches oder so. Es sollte was mit Punk zu tun haben und mit jede Menge Alarm im Kinderzimmer. Da kamen wir ganz schnell auf Randale. Passt ja auch.

 

Schaut man sich eure Bühnenpräsenz und das ganze Drumherum (wie Konzert-Banner und Merchandising) an, dann erkennt man auf Anhieb eure Affinität zu Bands der härteren Gangart… welche Musik habt ihr denn früher bevorzugt, welche Platten findet man in euren Regalen – und wer ist denn der RAMONES-Fan unter euch 😉 ?

Das geht bei uns wirklich quer durch den Garten. Da findet man durchaus viel Pop und 80er Indiekram wie Cure oder Smiths, aber eben auch ganz viel Metal und Hardcore. Marc steht auf Slayer, Garrelt auf AC/DC und Queen , Christian auf Muse oder U2 und Jochen hört viel Springsteen, Beatles und…. na klar… die RAMONES!

 

Letztes Jahr habt ihr mit „Randale im Krankenhaus“ bereits euer zehntes Studioalbum heraus gebracht. Wer schreibt bei euch die Texte – oder anders gefragt, woher kommt die Inspiration immer wieder neue Nummern zu schreiben. Ich meine gerade Kids sind ja auch immer sehr aufmerksame Zuhörer, die „bespaßt“ werden wollen.

Die komplette Grundidee und das Konzept von Randale stammt von Sänger Jochen. Der schreibt auch alle Texte und inhaltlichen Ideen. Man muss einfach die Augen und Ohren offen halten und wenn man dann wie Jochen selbst drei Kinder hat, dann kommen viele Dinge von ganz alleine. Das Konzept von „Randale im Krankenhaus“ entstand aus vielen persönlichen Erfahrungen und Begegnungen, die wir über die Jahre gemacht haben. Nach einem Workshop für die Kinder Schlaganfallhilfe stand fest, wir wollen mal ein ganzes Album machen mit Mutmachliedern für Kinder, die im Krankenhaus sein müssen. Ohne Betroffenheitslyrik, mit viel Humor und jeder Menge Stoff gegen Langeweile. Aber parallel sind auch schon wieder soooooo viele neue Lieder entstanden, dass es wohl Anfang 2019 auch schon wieder ein komplett neues Album geben wird.

Es wird doch bestimmt das eine oder andere Mal vorkommen, dass die Kids euch ihre Meinung zu den Songs kundtun… gibt es da auch ab und an kritische Töne und wie geht ihr mit einer solchen Kritik um?

Kinder sind gnadenlos ehrlich. Manchmal haben wir bei den Aufnahmen zu einem neuen Album so interne Lieblingslieder, die dann live bei den Kids total abkacken und überhaupt nicht ankommen. Die verschwinden schnell wieder von der Setliste. Und es gibt jahrelange Evergreens, die müssen wir einfach spielen, weil Kinder (und Eltern) die vehement einfordern. Und Kinder klatschen einfach nicht, wenn es ihnen nicht gefällt, schon gar nicht aus Höflichkeit.

 

Wann käme der Moment wo ihr sagen würdet „okay, das war’s… nun sind andere, vielleicht jüngere dran“? – habt ihr über diese Frage überhaupt schon einmal nachgedacht?

Wenn die Kinder mal rufen „der olle Onkel soll weggehen!„, dann haben wir den Moment verpasst…. aber im Ernst, das macht total viel Spaß, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht und wir lassen das mal ganz entspannt auf uns zukommen.

 

Neben der Musik scheint ihr ja auch noch schauspielerisch unterwegs zu sein, oder wieso stehen auf eurem Tourplan einige Auftritte bei „Dornröschen“?

Bereits 2011 haben wir mit dem Theater Bielefeld ein Stück namens „RANDALE IM TIERPARK“ konzipiert und aufgeführt. Wir wollten sowas unbedingt wieder machen. Aber das hat immer einen sehr langen Vorlauf und ist sehr viel Arbeit. Da kam die Anfrage des Theaters Gütersloh gerade recht, ob wir nicht in Kooperation mit dem Lippischen Landestheaters in Detmold nicht ein Weihnachtsmärchen im RANDALE Style machen wollen. Es sollte aber unbedingt ein klassischer Stoff sein und so viel die gemeinsame Wahl dann auf DORNRÖSCHEN. Aber keine Angst, es ist ein echt cooles Stück geworden und wird bis zum 18.3.2018 insgesamt 103 mal aufgeführt, dabei 40 mal mit uns als Band auf der Bühne. Schaupieler sind wir nicht, aber wir schneiden Grimassen und machen die Musik.

 

Schaut man sich den aktuellen Tourplan auf eurer Homepage dann noch intensiver an, dann stehen dort für 2018 schon wieder einige Veranstaltungen auf dem Zettel, bei denen ihr wieder Kids und Eltern zum kollektiven Ausflippen bringen werdet. Gab es in den letzten Jahren Events, die euch besonders positiv in Erinnerung geblieben sind?

Die Milchsalon Shows in Berlin sind immer genial. Da waren auch schon mal knapp 800 Leute morgens um 11 Uhr im ehrwürdigen Columbia Theater am Start. Großartig waren auch unsere beiden Auftritte beim SUMMER BREEZE in Dinkelsbühl. Wenn da 1500 Metaller vor der Bühne stehen und den kompletten HARDROCKHASEN HARALD mitsingen können, das ist schon echt fett. Aber ehrlich gesagt sind uns die vielen kleinen Shows in Kindergärten oder an Grundschulen oft genauso lieb.

Wenn ihr so viel unterwegs seid, lässt sich das Ganze eigentlich mit euren anderen beruflichen Tätigkeiten unter einen Hut bringen – oder konzentriert ihr euch mittlerweile komplett auf RANDALE? Wie lässt sich das Ganze mit eurem Privatleben vereinbaren? Das bedingt ja schon ein besonderes Organisationstalent, oder?!

Jochen macht das als einziger von uns wirklich hauptberuflich. Der macht aber auch das komplette Management und die Konzertorganisation, bringt die CDs heraus und ist wirklich der Randale-Motor. Garrelt ist hauptberuflich Drummer und Eisenbahnhistoriker. Bassist Christian ist Grundschullehrer und Marc ist Trainer in der Erwachsenenbildung, er macht Teambildungsseminare. Wir haben von Anfang an bei den Konzerten auf Ersatzleute gebaut. Jochen ist immer dabei, Garrelt fast immer und Christian und Marc haben bestens eingespielte SUBs, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn die nicht können. Wir haben 2017 das erste Mal über 100 Konzerte gegeben, ohne die SUBs ginge das nicht.

 

Jetzt mal unter uns, ich persönlich bin jetzt nicht so der Fitness-Guru und trage gerne auch mal ein paar Pfündchen mehr durch die Gegend. Wie haltet ihr euch für die „wilde Meute“ fit – so ein kompletter Gig schlaucht doch dann schon ein wenig, oder?!

Also wir halten uns schon alle mit Laufen und Sport fit, aber ehrlich gesagt sind wir vor zehn Jahren auch mal noch mehr rumgehüpft….

 

Zum Ende des Interviews würde ich euch gerne ein paar Sätze in den Mund legen, die ihr vielleicht liebenswürdigerweise zu Ende beantworten möchtet?!

Bielefeld ist die schönste Stadt der Welt… naja, wir leben hier sehr, sehr gerne, aber wie heißt es doch so schön „home is where your heart is“.

Durch die Arbeit mit/für Kinder hat sich mein Leben nachhaltig verändert… vor allem durch KINDER selbst hat sich unser Leben nachhaltig verändert. Egal ob bei uns allen zu Hause oder vor der Bühne.

Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe werde ich… noch mehr Randale machen.

Wenn ich musikalisch noch einmal ganz neu durchstarten könnte, dann würde ich… immer noch Randale machen, wir haben unsere Nische gefunden.

Folgende Person beeindruckt mich und ich würde daher gerne einmal kennenlernen… das sind soooo viele und auf einen können wir uns da gar nicht einigen…

Was sollen in einigen Jahren mal in der „Hall of Fame“ über RANDALE geschrieben stehen… viel lieber wäre uns, wenn in vielen vielen Jahren mal andere, die in die HALL OF FAME aufgenommen werden sagen würden: „wegen Randale habe ich mit dem ganzen Scheiß angefangen“ … das wäre toll.

 

Vielen Dank für das ausführliche und interessante Interview! Möchtet ihr unseren Lesern noch etwas auf den Weg mit geben?

Kommt vorbei und schaut euch mal eine RANDALE-Show an. Leiht euch notfalls Kinder. Ihr dürft aber auch gerne ohne kommen…

 

Titel:
1. Randale im Krankenhaus
2. Superdoppeldoof
3. Doktor Superschlau
4. 1000 Farben bunt
5. Langweilig
6. Rutsch Ping Ping
7. Fruchtalarm
8. Afrika Randale
9. Achterbahn
10. Sehr langweilig
11. Nachtschwestern ABC
12. Rock-A-Billy Röntgen
13. Kein Bock auf Waschen
14. Mega langweilig
15. Klinik Clowns
16. Und Tschüss!
17. Möhrenhemd

 

RANDALE auf Tour:

14/01/2018 – Bocholt, Theater (Dornröschen)
18/01/2018 – Lüdenscheid, Theater (Dornröschen)
25/01/2018 – Gütesloh, Theater (Dornröschen)
26/01/2018 – Gütesloh, Theater (Dornröschen)
28/01/2018 – Iserlohn, Parktheater (Dornröschen)
07/02/2018 – Ratingen, Stadttheater (Dornröschen)
11/02/2018 – Bielefeld, Zwischlingen (Kinderkarneval)
17/02/2018 – Hof/Saale, Your Stage Festival
18/02/2018 – Berlin, LIDO Milchsalon
21/02/2018 – Frankfurt, Stadtbibliothek Kelsterbach
01/03/2018 – Nienburg, Theater auf dem Hornwerk (Dornröschen)
04/03/2018 – Köln, Altenberger Hof
11/03/2018 – Siegen, Theater (Dornröschen)
18/03/2018 – Hamburg, Fabrik
20/03/2018 – Idar-Oberstein, Grundschule Idar / Kinderkulturtage
23/03/2018 – Bünde, Universum
04/05/2018 – Stemwede, Life House
26/08/2018 – Bielefeld, Wackelpeter

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