Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Menschen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Personen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen ist ja vor nicht allzu langer Zeit bekanntermaßen die Rubrik „Handwritten meets…!“ geworden, welche unlängst mit den überaus netten Marcus Wiebusch und Ole Plogstedt gestartet war!

Heute präsentiere ich euch mal wieder eine neue Ausgabe und dieses Mal konnte ich niemand geringeren als Peter Bursch gewinnen. Für die einen ist Peter der Gitarrenlehrer der Nation, für die anderen der Erfinder des Krautrock… für mich war er aber einfach nur ein sehr liebenswürdiger Interviewpartner, der sehr ausführlich auf meine Fragen geantwortet hat und vor dem ich mich aufgrund seiner Verdienste um die Musik erführchtig verneige! 😉

Aber nun genug der großen Worte und ab in`s Vergnügen:

 

Moin Peter, schön dass du uns heute für ein Interview unserer Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung stehst und dir ein wenig auf den Zahn fühlen lässt… und das so kurz bevor du mit der BRÖSELMASCHINE nach 32 Jahren endlich wieder ein neues Album veröffentlichst und selbiges am Donnerstag im Dortmunder Musiktheater Piano im Rahmen einer Release-Party gebührend vorstellen wirst!
Da ich deine Zeit aber nicht über Gebühr strapazieren will, fangen wir doch gleich mal an, oder?!

Ja gerne… leg los!
Okay, dann mal los! Du bist damals in Duisburg geboren… hat es dich nie mal woanders hin verschlagen, oder bist und bleibst du ein „Kind des Ruhrpotts“?
Nee, ich bin hier geboren und seitdem lebe ich hier.

Du schreibst Bücher, betreibst eine Musikschule in Duisburg und trittst nun wieder regelmäßig mit deiner Band auf… über fehlende Arbeit kannst du dich scheinbar aktuell nicht beschweren. Wann hast du eigentlich damals deine Liebe zur Musik entdeckt, wie hat sich das entwickelt?
Das kam schon als Kind bzw. Jugendlicher. Ich hörte Elvis, war quasi Elvis-Fan und mein Bruder spielte Gitarre als ich noch kleiner war. Irgendwann hörte mein Bruder dann auf und dann habe ich mir seine Gitarre genommen und habe dann selber ein bisschen ausprobiert.
Als ich dann zu den Pfadfindern kam, fand ich es immer toll, wie dort dann abends am Lagerfeuer Gitarre gespielt und gesungen wurde und dann habe ich mir die Griffe abgeguckt. So ging das eigentlich los – und als die Beatles in mein Leben traten ging es erst richtig los bei mir. Als ich mein erstes Beatles Stück hörte – „I Want To Hold Your Hand“ war das – da war ich voll begeistert und dann habe ich so lange geübt, bis ich den Song spielen konnte und so ging das los. Dann die erste Schülerband und dann irgendwann die BRÖSELMASCHINE… das ist jetzt auch schon lange her. 1968 haben wir die Band gegründet und sind nächstes Jahr 50 Jahre zusammen.
Dann kam zwischendurch noch hinzu, dass ich die Sachen die ich gut spielen konnte auch noch anderen recht gut zeigen konnten… also haben mich immer alle genervt „wie spielt man dies und das?“. Es gab damals keinen Gitarrenlehrer der diese Rock’n’Roll und Rock-Sachen vorspielen konnte, alles war damals noch sehr klassisch ausgerichtet – tja, dann fing ich mit dem Gitarren-Unterricht an und dann ging es wieder weiter! Bis dann die ganzen Teilnehmer von meinen Kursen nervten und sich darüber beschwerten, dass ich immer alles an die Tafel schreiben würde und sie immer so viel abschreiben müssten. Dann sagten sie „Mensch Peter, mach doch mal so`n Heft!“ Ja und dann habe ich mich irgendwann mal dazu überreden lassen, habe dann so ein Heft gemacht und daraus ist dann das Buch entstanden.
Aus dem Heft wurde dann das Buch, dann das zweite Buch… und… und… und!?
Ja… hört sich jetzt alles so einfach an – aber eigentlich war es viel viel schwerer. Kein Verlag wollte das zuerst machen! Ich habe da damals eine andere Methode entwickelt das ganze ohne Noten zu lernen, mit Griffen und Tabulatur… so etwas gab`s damals noch nicht und als ich dann das nächste Mal mit der BRÖSELMASCHINE auf Tournee war – wir waren schon sehr populär – hatte ich überall Termine bei den Musikverlagen, aber sobald die sahen, dass auf dem Cover „ohne Noten“ drauf stand, da haben sie dankend abgelehnt… das war damals scheinbar unter deren Würde. Dann bin ich dann irgendwann bei einem kleinerem Verlag hängen geblieben… den habe ich so lange genervt, bis der gesagt hat „okay, ich riskiere das! Wir machen mal so tausend Bücher oder sowas in der Art!“ – ja, das war der Vorreiter Verlag… und heute ist das ja auch einer der großen Verlage – tja, so ist die Geschichte von dem Gitarrenbuch von Peter Bursch… mittlerweile habe ich ja schon über 1.000.000 Exemplare verkauft!
Ich wollte gerade sagen… also ich kenne kaum jemanden der einmal eine Gitarre in der Hand hatte, der sich nicht irgendwann auch mal dein Buch gekauft, geliehen oder sonst irgendwas hat!
Ja genau! Also mir passiert das dauernd, dass – gerade jetzt wo wir mit der BRÖSELMASCHINE wieder auf Festivals spielen – andere Bands zu mir kommen und sagen „Mensch, wenn dein Buch nicht gewesen wäre, dann wären wir nicht hier!“ – und das ist natürlich immer schön so etwas zu hören!
Das muss ich auch sagen… ich habe mir selbst auch quasi mit dem Buch das Gitarre-Spielen beigebracht. Ich kann keine Noten lesen, aber durch die Tabulaturen und die Griffe hat es das Ganze auch mir Laien näher gebracht… sehr gut!

Ja, du hast ja schon gesagt, die BRÖSELMASCHINE gibt es ja jetzt bald 50 Jahre bzw. seit ihr bald so lange Zeit zusammen und macht gemeinsam Musik… wie ist das damals entstanden? Was waren das für Leute? Ich kenne das selber von mir… ich hatte damals eine Band mitgegründet, da ging es ganz nach dem Motto, wer Geld hatte hat sich ein Instrument gekauft, ich hatte keins… also wurde ich Sänger! Wie habt ihr euch damals gefunden, waren das auch alles Freunde oder wie kam das zustande?
Ja, das hat sich aus Freunden entwickelt… aber auch mit kleinen Anzeigen in der Zeitung. Also alles Mögliche bis wir dann eine eigenständige Band zusammen hatten. Wir wollten eigene Musik machen, wollten nichts covern oder irgendwas nachspielen, sondern wir wollten selber improvisieren, selber einen eigenen Stil entwickeln und es war damals nicht leicht da Musiker zu finden, die genauso drauf waren wie wir! Aber das hat geklappt und recht schnell hatten wir die Idee zusammen zu ziehen, Wir hatten dann hier in Duisburg die erste Kommune und da haben wir dann mit allen gewohnt und versucht von der Musik zu leben. Das ging dann zum Glück direkt los… wir haben meist selber Konzerte organisiert. Damals gab`s noch kein Management und keine Veranstaltungs-Kette oder so etwas… wir haben dann halt einfach meist in Schulen gespielt. Wir haben die Schulen angesprochen, haben da auf Schulfesten gespielt… oder auf Stadtfesten, oder sonst wie – oder wir haben einfach selber mal eigene Veranstaltungen gemacht! Dann gab`s in Essen die „Internationalen Essener Songtage 1968“… das war so ein riesiges Festival in der Grugahalle und da spielten Gleichgesinnte von uns und mit denen haben wir dann eine Freundschaft entwickelt – das war so die erste Generation der Rockbands in Deutschland. Solche Bands gab es dann in München, Berlin, in Köln usw. – wir kannten uns dann alle gut, haben uns gegenseitig eingeladen und so kam das Ganze dann in Schwung. Auf einmal hatten wir einen Plattenvertrag und plötzlich waren wir richtig auf Tournee – das lief innerhalb von ein/zwei Jahren sehr gut an. Wir haben viel Glück gehabt und konnten wirklich davon leben und das hat riesigen Spaß gemacht – mit der ersten Besetzung waren wir sechs Jahre zusammen… haben sechs Jahre zusammen gelebt und dann ging das doch langsam los, dass der eine oder andere was anderes machen wollte. Zwei sind nach Indien gefahren, einer wollte auf dem Land Schäfer werden – naja, und dann musste ich wieder einen neue Band zusammen stellen. Das war früher nicht so wie heute, es gab nicht so viele gute Musiker… ich habe Schlagzeuger bis nach Berlin gesucht – aber es hat dann auch nur eine kurze Zeit gedauert und schon hatte ich die zweite Besetzung zusammen… wir haben dann direkt auch eine neue Platte gemacht und so ging das immer weiter!

Okay… Ich habe auch gehört, dass Helge Schneider mit zu den Gründungsmitgliedern gehörte?
Nee nicht in der ersten Band, Helge ist jünger… für die Erstbesetzung war er noch zu jung. Er kam erst in der zweiten Besetzung in den 70iger Jahren hinzu. Das war auch seine allererste Band und seine allererste Tournee, die er überhaupt gemacht hat. Das ging dann ein paar Jahre gut mit Helge, bis er irgendwann meinte, er müsse was anderes machen – er ist ja auch mehr Jazz-Musiker und das störte ihn auf Dauer ein wenig und dann hat er einfach seine eigenen Sachen gemacht. Wir haben einen neuen Keyboarder gesucht – aber wir sind seitdem eng befreundet, er spielt auch auf der neuen Platte von uns.
Wollte ich gerade sagen, er spielt ja Saxophon auf eurer neuen Platte.
Ja… und auf der Platte davor – das ist jetzt vor ungefähr zehn Jahren gewesen, da haben wir ein Live-Doppelalbum gemacht… da spielt Helge auch mit! Wir machen oft mit ihm Sachen zusammen – das macht Spaß!
Ja, ich habe auch versucht Helge für meine Interview Reihe auch mal an den Hörer zu kriegen… aber bis jetzt hat er sich noch nicht zurück gemeldet. Ich muss mal schauen, ich bleibe hartnäckig… vielleicht krieg ich ihn ja auch mal?!

Jetzt habt ihr ja nach über dreißig Jahren ein neues BRÖSELMASCHINE Album aufgenommen. Wie kam es denn zu der langen Pause?… gut, du hast gerade gesagt es gab ein Live-Album zwischendurch, aber das offizielle letzte Studioalbum ist schon 32 Jahre her – wie kam es dazu, dass ihr erstens so lange Pause hattet, und das du zweitens gesagt hast „so, jetzt müssen wir auch mal wieder in`s Studio und etwas aufnehmen!“?
Ja… also die letzte Platte hatten wir bei der EMI gemacht und das fing ja in den 80igern schon an, dass die Plattenfirmen langsam den Bach runter gingen und das immer weniger Platten verkauft wurden. Das war ein Grund – der andere Grund war, dass die einzelnen Bandmitglieder alle noch ihre eigenen Bandprojekte aufgebaut hatten und so haben wir dann gesagt, wir wollen nicht mehr so viele Tourneen spielen. Wir wollten erst dann wieder zusammen kommen wenn sich was gutes entwickelt und wenn wir meinen, jetzt wäre wieder eine gute Zeit zusammen zu spielen. So haben wir dann diese lange Zeit überbrückt – und da jeder mit seinen Solo-Sachen bzw. Soloprojekten unterwegs war hat sich das nie ergeben, dass die BRÖSELMASCHINE eine neue Platte machen wollte. Das kam erst jetzt in den letzten Jahren, dass wir wieder verstärkt gespielt haben… wir hatten einen Auftritt im Rockpalast – vor zehn Jahren ungefähr wurde da eine Serie über Krautrock gemacht… das ist ein fürchterlicher Name, aber ist halt so. Die Amis haben den Namen geprägt – wenn wir in den USA spielen, dann werden wir da immer als Krautrock-Band verkauft, das ist da populär!
Naja, auf jeden Fall haben die Rockpalast-Leute eine Krautrock-Serie gemacht und da konnten wir ein Live-Konzert spielen, welches im Fernsehen übertragen wurde. Da ging das los, dass unheimlich viele Leute uns hören wollten… das Veranstalter sich meldeten und des dann immer konkreter wurde. Dann spielten wir immer mehr und während dieser Zeit, in der wir immer mehr probten und spielten haben wir schon an neuen Stücken gearbeitet. Das wurde dann immer mehr und dann kam die Idee auf eine neue Platte zu machen. Wir wollten die Platte anfangs eigentlich selber machen und bei unseren Konzerten verkaufen, aber die Stücke waren so gut, dass wir direkt Angebote von verschiedenen Plattenfirmen hatten. Dann haben wir mit einer Firma die uns am besten gefiel einen neuen Plattenvertrag gemacht. Ja, es läuft gut an und es macht richtig viel Spaß… und wenn du so eine Plattenfirma im Rücken hast ist natürlich manches ein bisschen leichter, als wenn du alles alleine machst. Die ganze Promotion und so… das können diese Leute viel besser! Und ja, jetzt sind wir in allen Zeitungen und bekommen immer mehr Angebote irgendwo zu spielen – Lars, den du ja kennst, der macht ja das Booking für uns und – ja, es läuft ganz gut.
Ja, das freut mich… es ist immer wieder schön zu sehen, wenn man dann nochmal Bands, die schon längere Zeit nicht so aktiv waren, das die dann wirklich nochmal den Erfolg bekommen, der ihnen dann auch zusteht!
Ja genau! Was ich noch sagen wollte, wir sind keine Band die jetzt nur diese alte Musik spielt. Wir haben uns immer in den ganzen Jahrzehnten weiter entwickelt… und so ist die Platte auch! Viele Leute, die uns von früher kennen und auch Leute die uns gar nicht kennen und bestimmte Erwartungshaltungen hatten, die sind total überrascht wie vielseitig wir sind, wie aktuell die Songs klingen und… und… und! Ich glaube daran liegt es auch, dass wir im Moment so gut im Gespräch sind.
Ja wunderbar, es gibt ja auch – wenn man mal ein bisschen zurück geht in diese Stoner und Rock bzw. Hardrock-Geschichte – im Moment auch bei jüngeren Bands eine regelrechte Welle. Es gibt ganz viele Bands, die aus Skandinavien kommen, aber auch deutsche Bands die gerade in dem Bereich seit einiger Zeit große Erfolge feiern.
Genau, wir hatten so ein Erlebnis mit den Blues Pills… ich weiß nicht ob du die kennst?!
Ja, über die haben wir auch schon berichtet!
Mit denen hatten wir auf einem Festival gespielt und die kamen dann auch zu uns und sagten „meine Güte, ist ja Wahnsinn euch zu sehen, diese Musik zu hören“ – die waren total begeistert und sie haben sogar auf deren Webseite die Platten der BRÖSELMASCHINE als Inspiration angegeben und sind totale Fans – das fand ich sehr nett!
Wir haben auch schon auf Festivals gespielt, wo der Veranstalter es gewagt hat uns zu engagieren, obwohl das eigentlich ein Heavy-Metal Festival war – der älteste Zuschauer war 25 Jahre alt! Dann haben die Veranstalter uns am Nachmittag ins Programm gesetzt, ich fing dann mit einem psychodelischen Stück an… der Sound wabberte dann so über das komplette Festival-Gelände und machte einen riesigen Sound – da flippten die Zuschauer auf einmal alle aus! So etwas hatten die vorher noch nie gehört, noch nie gesehen… und das Publikum kam dann nachher zu uns und einer von den jüngeren Leuten sagte dann „das ist ja wahnsinnige Musik, das ist ja irre!“ – also die Leute fahren schon auf solche Sachen ab, wenn man improvisiert. Wir improvisieren ja viel auf der Bühne und wollen das Publikum mitnehmen. Wir spielen nicht nur für uns auf der Bühne sondern wir spielen für das Publikum und wollen gemeinsam mit denen an dem Abend dann ein sensationelles Konzert feiern bzw. spielen… das ist eigentlich die BRÖSELMASCHINE! So war das von Anfang an… mit dem Publikum zusammen tolle Abende erleben – wir bauen auch das Publikum ein und das hat immer total gut funktioniert, also das war immer toll.
Kann ich mir vorstellen! Man ist ja auch immer wieder fasziniert was für Bands auf dem Wacken spielen, wo man dann denkt „Hähhh, das passt aber jetzt gar nicht!“ – und die Zuschauer sind dann begeistert und flippen aus!

Ähh, kurze Frage zwischendurch… da habe ich noch gar nicht nach gefragt: Wie bist du damals auf den Namen BRÖSELMASCHINE gekommen… was heißt das, was habt ihr euch dabei gedacht?
Das kannst du auf Wikipedia nachschlagen… also es gibt zwei Geschichten. Die wahre Geschichte ist, dass wir alle gerne Marihuana geraucht haben und wir haben uns dann so ein kleines Maschinchen gebaut, wo du auf der einen Seite das Haschisch rein schiebst und auf der anderen Seite kommt es dann zerbröselt raus und fällt direkt in den Joint, in das Zigarettenpapier – und das war die Bröselmaschine eigentlich!
Darf ich das auch schreiben, oder…?
Ja klar!
Alles klar… quasi eine Bauanleitung zum Tüten bauen, das ist ja schon mal witzig!
Klar… und für die Presse hatten wir damals eine andere Geschichte. Unsere Sängerin hatte ein Motorrad und da stand Bröselmaschine drauf… und da haben wir dann immer gesagt „daher kommt der Name!
Okay, ich dachte es bestand irgendeine Verbindung zu Werner Brösel… aber den gab`s damals ja noch gar nicht – also geht das gar nicht!
Nee, aber der war früher bei unseren Konzerten und wir nehmen an, dass er beeinflusst ist durch den Namen.
Durch den Namen und die Maschine vielleicht?!
Das kann sein! Es sieht so aus, dass es nächstes Jahr wieder ein Rennen von Werner gibt – die wollen nach zwanzig Jahren wieder ein großes Festival machen und ein Rennen. Sie haben schon gefragt ob wir da spielen würden… wir haben schon zugesagt!
Oh, Wunderbar! Muss ich mir direkt merken… das klingt gut! Wo soll das sein?
Bei Wacken in der Nähe… das organisiert der Wacken-Veranstalter.
Da muss ich ja dann nur über die Elbe, dass kriege ich hin!

Du hast gesagt ihr hattet damals viele Auftritte und Konzerte… bei meiner Recherche zu deinem neuen Album habe ich gelesen, dass du früher mit Rockgrößen wie Pink Floyd, King Crimson, Jethro Tull, T. Rex, oder auch mit Uriah Heep und vielen anderen unterwegs gewesen bist.
Ja genau… ich habe schon Anfang der 70iger in den USA gespielt und habe da auch viel gelernt, das war für mich eine riesige Erfahrung zu sehen, wie die Bands dort performen. Hier in Deutschland dachten wir damals wir müssten unheimlich gut sein, uns unheimlich konzentrieren und toll spielen… und dann kommt erst das Publikum. Bei den Amis war das ganz anders, die gehen direkt auf das Publikum ein und spielen für das Publikum – und sie spielen auch für sich natürlich. Also die haben da drüben eine ganz andere Art aufzutreten und ja, das hat mich beeindruckt – das fand ich toll!
Gibt es eigentlich noch irgendwelche Kontakte zu dem einen oder anderen Musiker den du damals dort kennenlernen durftest?
Nein, keine direkten Kontakte – also die Bands waren ja auf den Festivals und wir haben die alle miterlebt, das war für uns natürlich damals ein riesiges Erlebnis. Allerdings haben wir damals zum ersten Mal gesehen, dass da jemand im Publikum saß und die Band von dort aus abgemischt hat – das gab`s in Deutschland gar nicht. Es stand da einfach ein Mischpult mittendrin. Nach dieser Tour damals wo wir auch mit Uriah Heep zusammen gespielt hatten, wurden uns von ihnen – weil sie gerade populärer wurden eine größere PA kaufen wollten – deren PA angeboten, die wir ihnen dann abgekauft haben. Wir waren die erste Band hier in Deutschland, die dann so ein Kabel zum Mischpult mitten im Raum hatten – Multicore nennt sich das! Das war alles Neuland, das musste man hier erst alles entwickeln – bis dahin hatten wir immer nur mit einer Gesangsanlage gespielt… mit Mischpult auf der Bühne.
Okay… also eigentlich wart ihr die Pioniere des deutschen Rocks bzw. des deutschen Konzert-Sounds kann man so sagen?!
Ja, also wir haben einfach gelernt in den USA – von den Bands und das war schon toll!

Durch deine unzähligen Auftritte die du hattest in den letzten Jahrzehnten… gibt es da etwas das dich nachhaltig so sehr beeindruckt hat, dass du denkst „ja, das werde ich niemals vergessen… das war der geilste Auftritt“?! – Oder da ist irgendwas passiert das du sagst, dass wird mir für immer in Erinnerung bleiben?
Ach, da waren schon viele bei… also für mich war mal der Hammer in der Westfalenhalle zu spielen – da passen so um die 16.000 Leute rein. Da war es dann damals brechend voll und ich spielte ein Gitarrenstück auf der Bühne als auf einmal in der Halle die ganzen Feuerzeuge angingen. Wenn man so ein schwebendes Gitarrenstück spielt und so etwas sieht… da hätte ich mich fast verspielt, als ich dann so in das Publikum hereingeschaut habe. Die Westfalenhalle ist so dermaßen hoch, die Leute sitzen eben vier/fünf Etagen hoch… und dann siehst du überall diese Lämpchen blinken – das war wie im Weltraum. Also ich dachte, ich fliege jetzt durch`s Universum… das werde ich nie vergessen dieses Erlebnis – das war der total Hammer!
Das kann ich mir vorstellen!
Solche Momente gibt es halt die dann hängen bleiben!

Wie sieht die Zukunft von Peter Bursch aus? Okay, neue Platte und die dazugehörigen Konzerte, das ist klar…
Ja, wir sind direkt schon an der nächsten Platte dran… wir haben für die aktuelle Platte viel zu viele Stücke aufgenommen. Also wir hatten unheimlich viele Sachen gesammelt in den letzten Jahren und haben die auch alle aufgenommen – jetzt überlegen wir was auf die nächste Platte kommt und was wir vielleicht noch neu dazu aufnehmen…das wird dieses Jahr passieren. Die nächste Platte wird wohl im Frühjahr erscheinen, wir wollen jetzt nicht wieder so lange warten!
Keine 32 Jahre mehr!?
Nein… die Reaktionen sind auch alle sehr positiv! Die Plattenkritiken die wir bisher gelesen haben waren alle toll und deswegen glaube ich sind wir auf einem guten Weg und wollen vielleicht mit der nächsten Scheibe eine noch bessere Platte machen. Also wir sind hart am Arbeiten und es macht riesigen Spaß – die Band ist gut zusammen, hat eine gute Stimmung… jetzt freuen wir uns auf die ganzen Konzerte und auf die nächsten großen Sachen. Wir sind wieder beim Rockpalast im Oktober und man kann uns überall sehen… und wir würden uns natürlich freuen, wenn viele Leute kommen!
Kommt vielleicht irgendwann sogar eine Autobiographie… planst du da etwas? Dein Leben war ja schon so bewegt, dass muss ja eigentlich auf Papier, oder?!
Ähhh ja, weiß ich noch nicht… keine Ahnung! Im Moment arbeite ich an einem neuen Gitarrenbuch – also es gibt immer wieder neue Ideen.

Zum Ende des Interviews würde ich dir gerne ein paar Sätze in den Mund legen, die du vielleicht liebenswürdigerweise zu Ende beantworten möchtest?!

Duisburg ist die schönste Stadt der Welt, weil…
Tja, ähhh… Duisburg ist ja in Wirklichkeit nicht die schönste Stadt, aber ich fühle mich hier einfach wohl. Ich mag die Leute hier, habe ein sehr gutes Verhältnis zu den Leuten hier… die sind alle sehr offen und wenn ich irgendwo in eine Kneipe gehe gibt`s immer viel Spaß und man kann hier auch viel bewegen und viel umsetzen. Mit meiner Gitarrenschule habe ich auch ein sehr nettes Publikum hier… es macht großen Spaß mit ihnen zusammen zu spielen. Also, deswegen fühle ich mich hier wohl!

Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe werde ich…
Ohh, gute Frage! … Reisen!
Die Antwort höre ich immer! In welche Länder, was bevorzugst du da?
Ich bin nicht so fixiert! Ich bin gerne in die USA gefahren, aber im Moment habe ich da nicht so einen Nerv drauf… wegen Mister Trump! – aber es gibt ja genügend andere Länder wo man gut hinfahren kann. Skandinavien gefällt mir sehr gut… natürlich alles so um das Mittelmeer herum, also es muss nicht unbedingt der ferne Osten oder Australien sein. Obwohl, Australien ist natürlich auch ein Traum!

Wäre ich kein Musiker bzw. Autor geworden, was wäre ich dann?
Kann ich schlecht sagen! Ich habe eine Ausbildung als Diplom-Ingenieur… das habe ich noch während wir in der Kommune wohnten, während wir schon auf Tournee waren zu Ende bringen können. Ich bin eigentlich Vermessungs-Ingenieur. Wer weiß, vielleicht wäre ich da irgendwo gelandet?! Oder hätte wieder was ganz anderes gemacht – keine Ahnung… schwer zu sagen!

Folgende Person beeindruckt mich und ich würde daher gerne einmal kennenlernen…
Es gibt so ein paar Wunschbands… das ändert sich weil ich so vielseitig interessiert bin zwar andauernd, aber im Moment gibt es da eine Band die heißt Gov’t Mule, die höre ich gerne – mit denen würde ich gerne mal spielen! James Taylor ist für mich ein wahnsinnig guter Komponist und Gitarrist, den ich sehr mag. Also ich kann das jetzt gar nicht so sagen… es gibt sicherlich viele Personen die ich gerne kennenlernen würde, aber das würde jetzt zu weit führen!
Das ist auch immer die schwierigste Frage, die allen bisher befragten Interview-Partnern immer am schwersten fällt zu beantworten… das stimmt!
Ja!

Zum Ende bleibt mir jetzt nur noch mich recht herzlich für das wunderbare und ausführliche Interview zu bedanken! Möchtest du unseren Lesern noch etwas auf den Weg mit geben?
Was kann man so sagen? … ja also, mit Musik ist es viel leichter durch`s Leben zu gehen – deswegen gebe ich immer allen den Tipp „lernt Gitarre, oder lernt irgendein Instrument zu spielen… und dann werdet ihr sehen, euer Leben wird sich schlagartig ändern – und ihr werdet viele Freunde haben! Ihr werdet viel mehr Spaß haben!“ – also in der Richtung könnte ich Tipps geben!

 

Titel:
1. I Was Angry
2. Fall into the Sky (feat. Helge Schneider)
3. Peace of Heaven (feat. Peace of Heaven)
4. Don’t Cross My Way
5. Indian Camel (feat. Lulo Reinhardt)
6. Stacey
7. Children of the Revolution
8. Daydreaming

 

INDIAN CAMEL TOUR 2017:
22.06.17 Dortmund – Musiktheater Piano (Release Party)
23.06.17 Köln-Ehrenfeld – Release Party
19.08.17 Berlin – Biesdorfer Parkbühne
30.08.17 Mülheim – Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr
14.09.17 Aschaffenburg – Colos Saal
14.10.17 Stemwede – Life House
19.10.17 Bonn – Harmonie (WDR Rockpalast Crossroads)
21.10.17 Offenbach – KJD
10.11.17 Kiel – Alten Räucherei
10.02.18 Velbert – AlldieKunst
24.02.18 Ahlen – Alte Schuhfabrik
25.02.18 Dinslaken – Werkhalle

 

Peter Bursch HOMEPAGE

Homepage der BRÖSELMASCHINE