Aus der Idee heraus, einige Künstler bzw. Menschen aus dem öffentlichen Leben anzusprechen und diesen lieben Personen einige Fragen zu deren Musikinteressen bzw. ihrem Verhältnis zur Musik im Allgemeinen zu stellen ist vor nicht allzu langer Zeit die Rubrik „Handwritten meets…!“ entstanden, in welcher wir unter anderem mit den überaus netten Marcus Wiebusch und Ole Plogstedt gesprochen hatten!

Erst neulich bin ich eher Zufällig über eine Arbeitskollegin auf das HipHop-Trio DEINE FREUNDE gestoßen. Da ich selber mittlerweile Vater von drei Kindern bin, habe ich während des gerade beendeten Urlaubs in Schweden viel Zeit gehabt, mich mit den Songs der Hamburger auseinander zu setzten und darüber hinaus entstand die Idee, Florian, Markus und Lukas einmal im Rahmen unserer Rubrik ein paar Fragen zu stellen…

… also dann viel Spaß mit „Handwritten meets… DEINE FREUNDE!

 

Moin ihr drei, schön dass ihr uns heute für das Interview unserer Reihe „Handwritten meets…!“ zur Verfügung steht und euch ein wenig auf den Zahn fühlen lasst!

Na logen

 

Foto: Michi Schunck

Den meisten unserer Leser werdet ihr wahrscheinlich noch nicht so bekannt sein, daher wollen wir unsere Leser mal kurz aufklären. In der Öffentlichkeit steht ihr ja schon seit vielen Jahren – Lukas als Musiker, Autor und TV-Moderator… Markus u.a. als Tour-DJ von Fettes Brot… und Florian als ehemaliger Schlagzeuger von Echt. Seit 2012 habt ihr es euch nun zur Aufgabe gemacht Musik „(nicht nur)“ für Kinder zu machen und mittlerweile könnte ihr schon auf drei Alben – das vierte kommt die Tage raus – und unzählige Auftritte zurück blicken… erzählt doch mal kurz, wie es damals dazu gekommen ist!

Flo arbeitet mit Kindern in verschiedenen Altersstufen und macht Musik mit denen. Irgendwann hat er sie gebeten, Musik von zu Hause mitzubringen, die sie selber gerne hören. Fast alle brachten CDs mit, die mit herkömmlicher Kindermusik wenig bis nichts zu tun hatten. Es war die Musik ihrer Eltern, weil das Feld der Kindermusik einfach zu knapp bemessen war. In diesem Moment hat Flo verstanden, dass es thematisch und inhaltlich zwar sinnvoll ist, sich im Kosmos der Kinderinteressen zu bewegen, die Musik aber viel freier sein könnte, als das was sonst so für Kinder produziert wird. Zusammen mit DJ Pauli machte er schon seit Jahren Musik, Lukas kam als Sänger und Pianist dazu, vier Wochen später gab es die ersten 5 Demos.

 

Vom Stil her unterscheidet ihr euch ja schon sehr von anderen Künstlern, die sich mit Kindermusik beschäftigen. Hattet ihr von Anfang an den Anspruch, dass die Kids durch eure Songs nicht nur bespaßt werden sollten, sondern dass ihr ihnen gelegentlich auch mal durchaus humorvoll aber auch ein wenig kritisch den „Spiegel“ vorhalten wolltet? Wer eure Nummern noch nicht so kennt, ihr werbt ja quasi auch immer irgendwie um Verständnis für die Eltern, oder?!

Foto: Marco Sensche

Ja klar, wir wollen keine künstliche Trennungslinie zwischen den Eltern und ihren Kindern ziehen. So nach dem Motto „Eltern sind uncool“ oder sich pseudomäßig auf die Seite der Kinder schlagen. Das finden wir genauso gekünstelt wie die Perspektive der Kinder zu verklären. Und generell ist man seinen Eltern ja später irgendwann doch dankbarer, als in der Kindheit vermutet. Wir überlegen uns aber beim Schreiben nicht vorher, was wir mit den Songs vermitteln wollen. Das entsteht alles aus dem Bauch heraus und folgt keinem generellen Plan. Wenn wir von einer Situation erzählen, in der die Eltern sich nervig verhalten, dann ist das eben so. Im nächsten Lied kann es aber durchaus plötzlich darum gehen, wie sehr wir sie lieben. Das Leben an sich steckt ja sowieso voller Widersprüche, also lassen wir diese Widersprüche auch in unserer Musik zu.

 

Wie bereits gerade geschrieben,  steht euer viertes Album „Keine Märchen“ beinahe schon in den Regalen der Platten-Händler. Wir sind halt – obwohl viele unserer Redakteure und Leser mittlerweile auch Eltern sind – immer noch ein Magazin für Freunde der „härteren Gangart“. Wie würdet ihr das neue Album beschreiben, oder warum und wem kann man die fünfzehn Nummern auf der neue Scheibe empfehlen?

Empfehlen können wir unser Album eigentlich allen, die mit offenen Augen durchs Familienleben gehen und sich gerne unterhalten lassen von humorvollen Alltagsbeobachtungen. Wir sprechen Dinge an, die andere vielleicht lieber verschweigen würden, die auch mal peinlich oder unangenehm sein dürfen. Auf eine bestimmte Weise ist unser Humor ja auch eine „härtere Gangart“. Im Titelsong „Keine Märchen“ zum Beispiel beleuchten wir die Brutalität von Märchen. Aschenputtels Schwestern schneiden sich immerhin ihre Hacken ab, nur um einen Prinzen zu ergattern. Das kann man 2017 schon mal in Frage stellen. Musikalisch haben wir schon von Eltern mit den unterschiedlichsten Musikgeschmäckern das tolle Kompliment bekommen, dass sie unsere Songs auch gerne hören. Der eine oder andere Metal-Dad war auch schon dabei. Hip Hop ist zwar die Basis, aber im Grunde klingen alle unsere Lieder sehr unterschiedlich.

 

Foto: Michi Schunck

Einige Leser werden sich mittlerweile gefragt haben, warum wir in einem Interview für ein alternatives Online-Musik-Magazin über Kindermusik sprechen. Da die Frage berechtigt ist, kommen wir direkt auf den Punkt! Wie sehr inspiriert bzw. motiviert euch andere Musik und was für Musik läuft bei euch privat? Was war eure erste Schallplatte bzw. CD an die ihr euch persönlich erinnern könnt und wie sehr hat sich euer Musikgeschmack in den letzten Jahren verändert?

Da unser Sound nicht unter dem Druck steht, immer gleich klingen zu müssen, können wir in unsere Musik alles einfließen lassen, was uns gefällt. Und da wir drei sehr viel und sehr unterschiedliche Musik hören, ist auch unsere eigene Musik sehr bunt und schwer in eine Schublade zu stecken. Wir mögen alten Soul, Pop, Hip Hop, Trap aber auch Techno. Selbst unsere Lieblingsband hat schon mal einen beschissenen Song geschrieben und selbst unsere Hasskünstler haben schon mal einen Volltreffer gelandet. Ein Genre, das wir komplett und absolut unerträglich finden, kennen wir bis jetzt nicht. Ganz harter Goa vielleicht. Oder Schlager. Ach nee, es gibt ja die Flippers. „In Venedig ist Maskenball“ ist schon ein Hit.

 

Schaut man sich den aktuellen Tourplan auf eurer Homepage an, dann stehen dort ja schon einige Veranstaltungen, bei denen ihr wieder unzählige Kids (und wahrscheinlich auch Eltern) zum Ausflippen bringen werdet. Gab es in den letzten Jahren Events, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind? Wenn ja, welche waren das?

Foto: Michi Schunck

Besonders lustig fanden wir zwei extrem unterschiedliche Auftritte innerhalb kürzester Zeit. Zuerst haben wir in der Fernsehshow „Stefanie Hertels große Muttertagsshow“ neben gestandenen Schlagerstars und einer dem Anlass entsprechend kitschigen Kulisse inklusive Herzrahmen unseren Song „Deine Mudder“ performt, und ein paar Wochen später haben wir auf dem Fusion Festival vor einem Haufen teils nackter Menschen mit bewusstseinserweiternden Substanzen und großen Augen ein unvergessliches Konzert gespielt. Auf der Rückfahrt haben wir nicht ganz ohne Stolz festgestellt, dass es wohl wenige andere Bands gibt, die zwei solcher Veranstaltungen spielen können. Aber von guten Songs über Kindheitserfahrungen lassen sich eben beide überzeugen: Die strickende Omi und der ravende Druffi. 

 

Apropos Events… wie lässt sich das Ganze eigentlich mit euren anderen beruflichen Tätigkeiten unter einen Hut bringen? Ich weiß nicht, ob ihr selber auch Familienväter seid… wie lässt sich das Ganze mit eurem Privatleben vereinbaren? Das bedingt ja schon ein besonderes Organisationstalent damit niemand zu kurz kommt, oder?!

Ja, unsere Jobs mussten wir jetzt teilweise schon stark reduzieren. Ganz aufgehört haben wir damit aber noch nicht. Trotzdem wird die Band immer einnehmender und ist auf dem besten Weg dahin, unser alleiniger Hauptberuf zu werden. Und da unsere Tourneen (durch die Schulzeit) immer nur am Wochenende stattfinden, verlassen wir unsere Familien auch wenn dann immer nur für 3 Tage. Damit kommen die klar. Außerdem ist es sowieso das beste Gefühl, etwas zu tun, das man mehr als gerne macht und sich nicht jeden Tag abrackert, um einem Millionenunternehmen noch ein paar Euros mehr in den Rachen zu schmeissen. Erfolgreich und gerne Musik zu machen und dabei noch Familien und besonders Kindern eine gute Zeit und ein fettes Konzert zu bescheren, ist das Geilste was es für uns gibt. Dadurch sind wir sehr ausgegelichene und zufrieden Menschen, was sich natürlich auch auf unsere Beziehungen und Familien auswirkt.

 

Wenn man sich das Musikbusiness anschaut, dann haben die Künstler und Bands (zumindest während der Touren) ja eher wenig Zeit sich um ihre Kondition und Fitness zu kümmern. Wie haltet ihr euch fit, ich denke die Kids verlangen euch bei Konzerten ja schon so einiges ab, oder?!

Da wir im Jahr bis zu 80 Konzerte spielen und ca. 70 Minuten unserer Show hüpfend und stark bis widerlich schwitzend verbringen, müssen wir uns über unsere Fitness keine Sorgen machen.

 

Wie sieht die Zukunft von DEINE FREUNDE aus – welche Ziele habt ihr noch, wann würde der Moment kommen wo ihr sagt, wir sind „zu alt“ für diese Art der Musik, wir sind vielleicht nicht mehr glaubwürdig für die Kids?!

Vielleicht müssen wir irgendwann mit den Konzerten aufhören, wenn wir zu alt dafür geworden sind. Aber da wir den Stimmbruch alle schon hinter uns haben, spricht eigentlich nichts dagegen, für immer weiter Platten zu machen. Wer es mit Mitte 30 nicht peinlich von uns findet, wird es sicherlich auch mit 50 noch ok finden. Und Themen gibt es sowieso mehr als genug. Wir haben ja gerade erst vor 6 Jahren angefangen, da ist noch viel Luft nach oben.

 

Zum Ende des Interviews würde ich euch gerne ein paar Sätze in den Mund legen, die ihr vielleicht liebenswürdigerweise zu Ende beantworten möchtet?!

Hamburg ist die schönste Stadt der Welt… sagen alle Menschen in Hamburg. Und wir finden, sie haben damit absolut recht.

Durch die Arbeit mit/für Kinder hat sich mein Leben nachhaltig verändert… weil ich endlich das gefunden habe, wonach viele vergeblich suchen: Eine von vorne bis hinten erfüllende und glücklich machende Arbeit.

Wenn ich irgendwann einmal ganz viel Zeit habe werde ich… „Game of Thrones“  noch einmal von vorne gucken. Diesmal auf deutsch, um alles zu verstehen.

Wenn ich musikalisch noch einmal ganz neu durchstarten könnte, dann würde ich… es trotzdem nicht tun. Das was ich habe ist das beste, das ich mir vorstellen kann.

Folgende Person beeindruckt mich und ich würde daher gerne einmal kennenlernen… Louis CK.

Was sollen in einigen Jahren mal in der „Hall of Fame“ über DEINE FREUNDE geschrieben stehen…? Sie haben den Markt der Kindermusik revolutioniert und waren die erste Band, die echte Clubkonzerte für Familien veranstaltet hat. Der Rapper war der Schönste.

 

Vielen Dank für das ausführliche und interessante Interview! Möchtet ihr unseren Lesern noch etwas auf den Weg mit geben?

Einen Apfel, einen Müsliriegel und ein Trinkpäckchen.

Titel:
1. Soundcheck
2. Keine Märchen
3. Du bist aber groß geworden
4. Mein lieber Freund, ich zähl bis drei
5. Nix passiert
6. Ohne mein Brudi
7. Fontanelle
8. Das böse Wort
9. Komm aus den Puschen
10. Nervig
11. Matsch
12. Nur noch 5 Minuten
13. Ich sags gleich
14. Mecker
15. Unsere Fans

 

Deine Freunde – „Keine Märchen“ Tour 2018
12.01.18 Mannheim, Alte Feuerwache
13.01.18 Würzburg, Posthalle
14.01.18 Zürich (CH), X-tra
19.01.18 Erlangen, E-Werk
20.01.18 Linz (AT), Posthof
21.01.18 Wien (AT), Arena
27.01.18 Hannover, Pavillon
28.01.18 Köln, Palladium
02.02.18 Bielefeld, Ringlokschuppen
03.02.18 Erfurt, Stadtgarten
04.02.18 Saarbrücken, Garage
10.02.18 Leipzig, Werk II
11.02.18 Dresden, Alter Schlachthof
16.02.18 Stuttgart, Im Wizemann
17.02.18 München, Muffathalle
24.02.18 Wiesbaden, Schlachthof
25.02.18 Dortmund, FZW
02.03.18 Bremen, Pier 2
03.03.18 Berlin, Columbiahalle
04.03.18 Hamburg, Sporthalle

Titelbild: Marco Sensche

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