„Virus“ lautet der Titel des neuesten Haken-Albums. In Zeiten in denen ein Corona-Virus fast das komplette gesellschaftliche Leben einfriert, ist das entweder ein Statement oder purer Zufall. Da solche Titel wohl schon eine Zeit vor der Veröffentlichung festgelegt werden, gehen wir mal vom Zufall aus.

Auf ihrem letzten Album „Vektor“ haben sich die Briten Haken noch etwas variantenreicher gezeigt, hier war von Pop bis zu harten progressiven Tönen alles dabei. „Virus“ ist gradliniger, zumindest in seiner stilistischen Ausrichtung, und doch fühlt sich „Virus“ dabei so an, als ob es der logische Nachfolger von „Vektor“ wäre. Denn „Virus“ führt insbesondere die harte progressive Gangart von „Vektor“ konsequent fort und setzt auch noch Djent-Akzente im Sound der Briten fest.

Nach etwas verhaltenem Beginn legt „Prosthetic“ nach etwa 2 Minuten so richtig los. Die ersten richtigen Gesangsharmonien des Albums sind packend und nisten sich recht fest im Gehörgang ein. Kurz danach liefern Haken auch schon eine dynamische Rhythmik mit konstanten Takt- und Tempowechseln ein. Sehr schön.

„Invasion“ klingt trotz des komplexen Aufbaus etwas entspannter. Mit „Carousel“ wartet dann der erste Longtrack. Der Song ist sehr vielschichtig arrangiert. Leise und sanfte Teile wechseln sich mit musikalisch harten Achterbahnfahrten ab.

Beeindruckend ist das fünfteilige „Messiah Complex“. Der Song ist ein kleines Prog-Metal-Meisterwerk und darf gerne unter dem Kopfhörer genossen werden.

„Virus“ ist ein saugutes Progressive-Metal-Album geworden. Im direkten Vergleich zum letzten Album konzentriert sich die Band hier wieder mehr auf den Metal und liefert ein klanglich sehr homogenes Werk ab!

1. Prosthetic
2. Invasion
3. Carousel
4. The Strain
5. Canary Yellow
6. Messiah Complex I: Ivory Tower
7. Messiah Complex II: A Glutton for Punishment
8. Messiah Complex III: Marigold
9. Messiah Complex IV: The Sect
10. Messiah Complex V: Ectobius Rex
11. Only Stars

 

Foto: Max Taylor Grant

Haken - Virus (InsideOut, 12.06.2020)
4.5Gesamtwertung