Der Bandname Gold klingt nach Glitzer, nach Luxus. Das war einmal. Wo das Debüt vor drei Jahren nicht mit ausladenden Melodien geizte, ist dessen Nachfolger „No Image“ eher ein düsterer Moloch. Die Holländer halten der verkommenen Gesellschaft den Spiegel vor, zeigen ihren Verfall auf und vertonen das Ganze.

Dabei gibt das passend betitelte „No Image“ auf den ersten Blick gar nichts von sich preis: unauffälliges Artwork mit durcheinander gewürfelten Buchstaben, keine Bandfotos und ein seltsames, sozialkritisches YouTube-Video, bei dem man grauenvollen Bildern bunte Smartphone-Smilies gegenüber stellt. Alles sehr düster, alles sehr dubios.

Dubios ist die Musik anfangs auch. Vorbei ist’s mit dem bunten Retrorock. Viel mehr spielt man einen Post-Irgendwas-Sound. Versatzstücke aus Death Rock, Postpunk, Indierock und Psychedelic ergeben eine äußerst eigenwillige, aber auch irgendwie faszinierende Musik. Es poltert, es kracht, es knirscht, wenn flirrende Gitarren durch den Raum hallen und der Rhythmus stoisch nach vorne bollert. So richtig klingt hier nichts nach „hab mich lieb“, sondern kalt und uneinladend. Für einen Hauch an Emotionalität sorgt Frontfrau Milena Eva, die mal beschwörerisch, dann auch wieder betörend ihre Worte ins Mikro singt.

So liegt das Album auch erst einmal schwer im Magen, bevor es Begeisterung hervor ruft. Ein Song wie „Old Habits“ klingt zum Beispiel ziemlich schwerfällig, unterkühlt und repetativ, hat aber ein interessantes Flair. „Tar and Feather“ wühlt dagegen mit einer Black-Metal-artigen Ästhetik auf, bevor es sich eine reißerische Düsterhymne verwandelt. Ebenfalls auf diese Karte setzt die räudige Abgehnummer „The Waves“, mit seinem einnehmenden Refrain. „Don’t“ schwellt bedrohlich an, bevor es in „Taste Me“ übergeht, das im Getöse mit fast ätherische beruhigender Melodie für Heimeligkeit sorgt. Oder ist man nur im Auge des Hurrikans?

„No Image“ ist ein aufwühlendes und fesselndes Album das keinen so richtig kalt lassen dürfte. Zwar ist es alles andere als perfekt. Der eingeschlagene Weg ist allerdings mutig und interessant. Manchmal klingt man fast wie der geerdete, böse Zwilling von Grave Pleasures bzw. Beastmilk. Doch Gold gehen ihren eigenen Weg.

Gold - No Image

Trackliste:
1. Servant (4:42)
2. Old Habits (4:51)
3. O.D.I.R (5:33)
4. Shapeless (3:21)
5. Tar and Feather (2:50)
6. The Controller (3:48)
7. The Waves (4:32)
8. And I Know Now (3:08)
9. Don’t (4:09)
10. Taste Me (5:22)

Gold - No Image (Ván Records, 24.10.2015)
4.0Gesamtwertung