Nach einem doch heftiger ausgefalleneren Groezrock-Kater als geplant kommt hier die verspätete Besprechung zum neuen Werk unserer britischen Lieblings-Punks Gnarwolves. Das zweite Studio-Album trägt den Namen „Outsiders“ und ist der erste Release seit der hommagesquen „Adolescence EP“ 2015, die uns schon sehr gut gefiel und Lust auf ein neues Album machte. Das ist nun da. Nun stellt sich die Frage: Taugt es was?

Das hängt natürlich immer ein wenig von der Perspektive ab. Für den durchschnittlichen Musikfan, dem die Gnarwolves (noch) kein Begriff sind (shame on you, wie der geneigte Brite zu sagen pflegt), ließe sich durchaus eine Auscheckungsempfehlung aussprechen. Dass hier kein Rad neu erfunden oder eine stilistische Entwicklung vorangetrieben wird, ist dabei vollkommen zweitrangig. Der geneigte Punkfan, besonders der-/diejenige aus der Skatepunkfraktion, dürfte sich sofort wohl fühlen. Gnarwolves-Fans wiederum können sich vor allen Dingen darüber freuen, dass das Brightoner Trio nichts von den Stärken der voran gegangenen Releases verlorenen hat.

Die bestehen, wie schon auf der „Adolescence EP“, vor allen Dingen aus der Reminiszenz einer glorreichen Ära schneller, spaßiger, spielfreudiger Punk- und weiterer, alternativer Musik der 1990er-Jahre. Auf dem Plattencover jener EP fand man mit nachgemalten Plattencovern der Adolescents und Dag Nasty eindeutige Hinweise auf die Einflüsse der drei Briten, die sich auch in den Songs des Trios wiederfanden. Die Hommages an Größen des Melodie-geprägten Punkrocks setzen sich nun auch auf „Outsiders“ fort. Permanent fühlt man sich nicht nur an die genannten Bands erinnert, sondern auch an weitere Vertreter wie Jawbreaker, frühe Alkaline Trio, The Lawrence Arms oder frühe Title Fight.

Nach zwei Songs, die dieses Territorium erstmal hervorragend abstecken, folgt mit „Wires“ dann die erste Überhymne mit einem Refrain, der sich mühelos in die Reihe der großartigsten Gnarwolves-Songs of all time einzureihen vermag. Nur, um mit einem auf und ab hüpfenden Gitarrenriff in „Paint Me A Martyr“ gleich den nächsten Ohrwurm nachzuliefern. Danach schlägt das Intro von „English Kids“ mit heftigem Chorus-Effekt auf den Gitarren einen leichten 80s-Vibe an, bevor es dann aber in gewohnter Manier weitergeht. Das darauf folgende „Argument“ stellt wiederum eindrucksvoll unter Beweis, dass sich das Trio auch ganz grundsätzlich auf dem Terrain alternativer 90s-Rockmusik gut zurechtfindet. Der Song erinnert mit seiner schwerfälligen Energie an die Grunge-Szene Anfang der 1990er oder an die Neuauflage der Kollegen von Citizen, Superheaven oder Basement.

Mit „Outsiders“ bekommen sowohl Gnarwolves– als auch Punkfans mit Vorliebe für Spaß und Tempo genau das, was man sich von den Brightonern erwartet hat. Wer mit bisherigen Releases der Band etwas anfangen konnte, dem sei diese Platte wärmstens ans Herz gelegt. Für alle, die bisher noch nie etwas von den Gnarwolves gehört haben, wird es jetzt aber mal allerhöchste Eisenbahn.

01. Straightjacket
02. Car Crash Cinema
03. Wires
04. Paint Me A Martyr
05. English Kids
06. Argument
07. The Comedown Song
08. Talking To Your Ghost
09. Channeling Briak Molko
10. Shut Up

Gnarwolves - Outsiders (Big Scary Monsters, 05.05.17)
4.4Gesamtwertung