Wenn es für ein Jahr ist macht es uns reicher – auch wenn es Narben sind die bleiben /

Wenn es für ein Leben nicht mehr reicht – Danke für die Zeit“…!

 

Am letzten Donnerstag stand der erste Gig des Jahres auf dem Zettel und dieses Mal sollte die Konzert-Saison für mich etwas sanfter als in den letzten Jahren beginnen. Normalerweise bin ich ja den ruhigeren Tönen nicht so zugetan, aber bei GLORIA wollte ich mal eine Ausnahme machen – hatte ich mir doch in den letzten Jahren immer schon vorgenommen, mir Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol live und fernab der „Circus HalliGalli“- und „Wir sind Helden“-Geschichten zu gönnen.

So ging es also zeitig gen Bremen, denn mittlerweile ist man ja routiniert genug zu wissen, dass Großstädte und Parkplätze nicht die besten Kombinationen ergeben… dank der Dauerbaustelle rund um das Kulturzentrum Schlachthof wurde es dann zeitlich aber doch noch ein wenig eng.

Dort angekommen platzte der Innenraum schon aus allen Nähten und auch wenn es über den ganzen Abend hinweg nicht wirklich Kritik zu äußern gibt, so soll, darf und kann aber nicht unerwähnt bleiben, dass einige zahlende Gäste es wegen der Enge des Raums nicht mehr komplett in die Halle geschafft haben – was mich an deren Stelle unsagbar angenervt hätte… ich aber in meiner Funktion als Presse-Heinz die Vorzüge am Presse-Graben stehen zu dürfen, natürlich dieses Mal besonders gerne in Anspruch genommen habe.

Ähhh, besser gesagt „hätte“… denn wer schon einmal ein Konzert im Schlachthof gesehen hat, der weiß, dass es hier solch einen Graben gar nicht erst gibt, wodurch Dana und ich uns quasi direkt an das Gitter – und mit dem Kopf gefühlt in den Lautsprecherboxen links neben der Bühne wiederfanden. Bei einem Punk- bzw. Metal-Konzert hätte ich mich an dem Abend wahrscheinlich vom Rest meiner geschundenen Gehörgänge verabschieden können, GLORIA und Deniz Jaspersen, der an dem Abend der wilden Meute einheizen sollte, hatten aber lautstärkemäßig Erbarmen mit mir und dem Rest des Publikums.

Apropos Publikum… erstens war die Halle mit 1000 Leuten bis auf den letzten Zentimeter ausverkauft – und zweitens habe ich selten so ein unterschiedliches Altersspektrum gesehen, welches sich hier eingefunden hatte. Von jungen pubertierenden Teens diesseits der Achtzehn, über das breit gefächerte Mittelalter zwischen 20 und 60, bis hin zu den älteren Semestern, die alle gemeinsam spätestens zu Beginn des GLORIA-Gigs von ihren Plätzen aufsprangen und die Halle in den darauf folgenden 1 ½ Stunden zum Kochen brachten.

Überhaupt möchte ich hier mal kurz eine Lanze für das Publikum brechen, denn es ist nicht alltäglich, dass die Vorband – oder in diesem Fall der Hamburger Singer/Songwriter Deniz Jaspersen – genauso frenetisch abgefeiert wird, wie der Hauptakt des Abends… Respekt Bremen, geiler Support!

Deniz dürfte dem einen oder anderen auch noch als Frontmann von Herrenmagazin bekannt sein, ich persönlich kenne ihn sogar noch als Schlagzeuger der Hamburger Emo-Punks von Spandau, die damals regelmäßig das Rattenloch in Schwerte gerockt hatten.Gloria

Na, auf jeden Fall gab er in seinem gut 30-minütigen Set alles und brachten die Masse vor allen Dingen mit seinen Ansagen und Anekdoten zwischen den Songs – das Verhältnis war ungefähr 30/70… also 30 % Songs und 70 % amüsantes Gesabbel – auf Betriebstemperatur. Gekrönt wurde das Ganze mit der kurzen Story, dass er selber beinahe mal bei GLORIA gelandet wäre… wenn Mark Tavassol sich nicht beim Telefonieren vertan hätte und feststellen musste, dass er einen anderen Deniz für die Gitarre gemeint hatte. 😀

Um kurz nach 21:00 Uhr war es dann aber soweit, der Oldenburger Klaas und der Hamburger Mark betraten samt Live-Band die Bühne des Schlachthofs und gaben ab sofort ordentlich Gas… was mich ein wenig irritierte, sind doch die Studioalben eher von Sanftmut und poppiger Gelassenheit geprägt. GloriaDavon war aber live nichts zu merken… ab der ersten Minute ging es zur Sache und besonders Klaas war ganz besonders gut aufgelegt. So gab ein Spruch den anderen, wurde eine Anekdote nach der anderen zum Besten gegeben und die beiden Hauptdarsteller spielten sich quasi einen Ball bzw. einen doofen Spruch nach dem nächsten zu!

Gespielt und gesungen wurde zwischendurch sogar auch, denn Songs wie „Einer von den Anderen“, „Immer noch da“ oder „Schwaches Gift“ fanden genauso ihren Weg in die Ohren der geneigten Zuhörer, wie „Stolpersteine“, zu welchem sich Klaas noch einmal unverständlich und eindeutig über die AfD-Sympathiesanten und andere Deppen der heutigen Zeit äußerte und Mark kurzerhand sein „FCK NZS“-Shirt unter seiner Trainingsjacke präsentierte – nachdem der damit verbundene Applaus langsam abgeebbt war, ging es fröhlich munter weiter durch das Programm.

So ganz nebenbei durften wir an dem Abend noch erfahren, dass man als in Oldenburg lebender Jugendlicher in den 90ern aufgrund der vorherrschenden Tristesse so verzweifelt war, dass man den weiten Weg in die Landeshauptstadt Hannover nur auf sich nahm, um mal durch die Fußgängerzone einer Großstadt schlendern zu können, und dass Klaas es beinahe mal zum Doktor gebracht hätte… wären ihm da nicht so einige andere Dingen und ein mindestens zehn Jahre langes Medizin-Studium in den Weg gekommen. 😉

Auch wenn man den Jungs an dem Abend noch einige Stunden länger hätte zuhören können, so war nach gut 1 ½ Stunden und insgesamt zwei Zugaben-Blöcken – bei welchen dann noch Nummern wie „Geister“, „Narben“, oder auch „Wie sehr wir leuchten“ zum Besten gegeben wurden – dann Schluss und wir verabschiedeten uns zufrieden aus der engen, aber sehr coolen Location.

Und ehrlich, nicht nur die echt geile Pizza – die wir uns schnell noch für die Rückfahrt besorgten – brachte mich zu wahren Lobeshymnen, sondern auch dem Konzert von GLORIA konnte ich einiges abgewinnen… so kann man sich tatsächlich vertun.

Dann bin ich mal gespannt was die Herren uns beim diesjährigen Deichbrand-Festival im Sommer zu bieten haben… und ob das Ganze auf großer Festival-Bühne auch so cool rüber kommt wie unter Club-Atmosphäre!

Demnächst folgen dann noch Danas Bilder vom Konzert in Bremen…! Bis dahin hört ihr einfach mal wieder ins aktuelle Album „DA“ rein, oder?! 😉

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