Manchmal erwartet man nichts und wird dann doch überrascht. So geschehen im Fall des ersten richtigen Albums von Glacier.

Die Wurzeln von Glacier reichen vier Jahrzehnte zurück. Aufgefallen ist die Band 1985 als sie ihre selbstbetitelte EP veröffentlichte, die irgendwann zum Kult im Heavy-Metal-Untergrund erklärt wurde. Bald war der Ofen aber aus und man verschwand im Nirgendwo. Bis Sänger Michael Podrybau 2017 beim Keep It True (wo auch sonst?) unter dem Banner Devil In Disguise auf der Bühne stand, um alte Glacier-Songs zu spielen. Dabei hatte der Gute wohl Blut geleckt und so wurde unter dem alten Namen eine neue Band zusammengestellt. Und jene veröffentlicht nun „The Passing Of Time“.

Wirklich gespannt darauf war ich nicht, man kennt das ja, wenn etwas Altes nach Jahrzehnten wiederbelebt werden soll. Aber: die acht Songs starke Platte macht tatsächlich verdammt Spaß! „The Passing Of Time“ ist ein feines US-Metal-Album der alten Schule (so Richtung Jag Panzer, Titan Force, Heir Apparent) mit durchgehend starken Songs und vor allem überraschen starker Gesangsperformance. Michael Podrybau klingt nämlich nicht nach eingerostetem Senior, sondern quicklebendig und voller Leidenschaft.

Zudem hat ihm seine Hintermannschaft angenehm abwechslungsreiche Songs auf den Leib geschrieben. Mal schmissig („Eldest And Truest“), mal melodisch („Infidel“), mal stampfend („Valor“), mal etwas verschachtelt („The Temple And The Tomb“). Hier wird einiges geboten, das meiste ist auch schon beim ersten Hördurchlauf eingängig und packend. Mit „Live For The Whip“ und „Valor“ vernimmt man glatt zwei kleine Hits.

Daumen hoch für Glacier!

 

Trackliste:
1. Eldest and Truest
2. Live for the Whip
3. Ride Out
4. Sands of Time
5. Valor
6. Into the Night
7. Infidel
8. The Temple and the Tomb

 

Glacier - The Passing Of Time (No Remorse Records, 30.10.2020)
4.0Gesamtwertung