Die in Berlin residierende Britin Gemma Ray ist schon etwas Spezielles. Ihre Musik ist irgendwie Pop, klingt retro nach vergangenen Zeiten und hat mit ihrem leicht düsteren Hang stets etwas soundtrackhaftes. In ihrem Zusammenhang fallen immer wieder Begriffe wie „Noir-Pop“ oder „Gothic-Folk“. Passt aber auch irgendwie.

Ihr neuestes Album „The Exodus Suite“ ist ein schweres. Lebt es doch noch mehr als sonst von seiner dichten, bisweilen recht dunklen und schwermütigen Atmosphäre. Darin muss man sich erst einmal zurecht finden. Liegt das vielleicht auch am Aufnahmeort, dass die Platte so einen dichten Schleier umgibt? Während Gemma Ray in den Candy Bomber Studios am ehemaligen Flughafen Tempelhof arbeitete, zogen im benachbarten Hangar 8.000 syrische Flüchtlinge ein, was die Künstlerin nicht kalt ließ.

Und doch gibt es sie wieder, die hellen, schmeichelnden Momente, in denen einem die Sängerin ins Ohr flüstert und die Welt (zumindest wegen der Melodien) eine gute zu sein scheint. Zum Beispiel mit der warmen Ballade „The Original One“. Wobei das Lied an sich eine Art Klagelied ist. Überhaupt spiegeln die Songs die harte persönliche und politische Realität unserer Zeit wieder. Musikalisch klingt „The Exodus Suite“ dabei noch etwas soundtrackhafter und gediegener. In dieser speziellen Art absolut altmodisch mit der typisch vibrierenden Twang-Gitarre und den analogen Orgelklängen. Dabei treffen die Beach Boys treffen auf Krautrock, Hippie-mäßige Songwriter-Momente auf Drama und ein dezent jazziges Feeling. Und immer wieder diese Coolness, die Gemma Ray mit ihrem Gesang verbreitet. Ergebnis sind einzigartige Momente, die irgendwie Pop sind, dann aber wieder auch nicht.

„There Must Be More Than This“ ist so eine Nummer. Kommt zu Beginn fast getrieben rüber, gibt sich verspielt und ist doch angenehm sanft. Es packt einen. Interessant ist auch „We Are All Wandering“. Anfangs bedächtig, mit einem sanften Spannungsaufbau und mit leicht mystischen Harmonien gesegnet, verbreitet es eine recht einnehmende Stimmung. Überhaupt bewegen sich die Songs meist im ziemlich getragenen Tempo, so dass ein homogener Sound entsteht, der für einen sanften Schauer sorgt. Ausbrüche wie im tollen „Hail Animal“ werden dabei gerne genommen und umso begieriger aufgesaugt.

„The Exodus Suite“ ist ein Album, in das man sich reinhören muss. Mit der Zeit stellt sich dabei ein leichter Gleichklang ein. Dabei ist jede Nummer für sich ein interessant komponiertes Stück Musik. Irgendwie kommt Gemma Ray immer mehr wie ein musikalischer, aus der Zeit gefallener Sonderling rüber. Aber das steht der Dame ausgezeichnet!

Gemma Ray - The Exodus Suite

Trackliste:
1. Come Caldera
2. There Must Be More Than This
3. The Original One
4. We Do War
5. Ifs & Buts
6. We Are All Wandering
7. Acta Non Verba
8. Hail Animal
9. The Switch
10. The Machine
11. Shimmering
12. Caldera, Caldera!

Gemma Ray - The Exodus Suite (Bronze Rat Records, 20.05.2016)
4.0Gesamtwertung