Gewohnt brachial startet das neue Album der britischen Hardcore-Punks von GBH, die jetzt schon seit fast 40 Jahren ihr Unwesen in und um das Vereinigte Königreich treiben.

Mit bisher elf Studioalben haben sie in den letzten Jahrzehnten zwar immer wieder etwas zu sagen gehabt, seit gut sieben Jahren war es aber nun albummäßig ein wenig still um die vier Briten. Okay, letztes Jahr wurden die alten Scheiben zwar ein wenig entstaubt und digital aufgewertet auf den Markt geschmissen, aber neues war da noch nicht zu hören.

Hierfür haben sich die vier Birminghamer neulich wieder zusammen getan und zwölf Songs aufgenommen, die unter dem Namen „Momentum“ am Freitag das Licht der Welt erblicken werden.

Wenn Ich es nicht besser wüsste, ich würde GBH nach den ersten Tönen vom Opener „Birmingham Smiles“ dem lupenreinen Thrash Metal zuordnen wollen. Wobei, diese stilistischen Wildereien hat es ja in der Bandgeschichte nur zu häufig gegeben… fragt man den einen oder anderen Musik-Historiker, so wird er den Briten sogar die Erfindung des Thrash Metals zusprechen wollen – also mich packen sie damit auf jeden Fall!

Tripwire Strange” ist eine astreine Punk´n´Roll Nummer, die mal wieder bestätigt, dass die Briten vielen anderen Bands aus dem Punk-Bereich als Vorbild gedient haben – denn die Nummer könnte auch 1a aus der Feder von Rancid stammen… und wer hier die älteren Rechte hat ist ja wohl hinlänglich bekannt 😉

Über die Speedpunk-Nummer „No News“ geht es dann direkt zur „Population Bomb“, einem weiteren Vollgas-Song der zeigt, dass Sänger Collin Abrahall und der Rest der Truppe noch lange nicht zum alten Punk-Eisen gehören – auch wenn optisch langsam doch der Zahn der Zeit an ihnen zu nagen beginnt. Aber ey… über vierzig Jahre harter Punk-Rock, sowas geht beileibe nicht spurlos an einem vorbei, oder?!

Bei „Enemies“ und „Us Against The World„ fühle ich mich in die Zeit zurück versetzt, als ich zum ersten Mal mit den Songs von GBH in Berührung kam. Das muss so um die 1990 gewesen sein, als ich irgendwann mal in den Besitz einer schlechten Kassetten-Kopie von „From Here To Reality“ gekommen war – damals wie heute übrigens immer noch hörenswert… okay, auf CD klingt das Ganze dann natürlich doch ein wenig besser als auf einer abgeranzten und tausendfach überspielten Kassette.

Zur Hälfte des Albums bewegen sich nochmal alle Hebel in Richtung Anschlag, denn der Titelsong „Momentum“ hat es tempomäßig noch einmal richtig in sich – wo die Jungs ihre Energie her nehmen frage ich mich nicht nur heute zum ersten Mal… Respekt hierfür!

Die entstandene Energie wird direkt mitgenommen und „The Perfect Storm“ tobt in meiner Anlage, dann erst leicht abflauend mit „Fifty What?“ – ich sage mal so, von Windstärke 10 geht’s auf eine entspannte 8 runter.

I Never Asked For Any Of This” habe ich mir auch schon so oft gesagt, aber was nutzt es denn?! Irgendwer muss sich ja den ganzen Müll anhören… und immer nur „Blue Sky Thinking“ ist ja wohl auch langweilig, oder?!

Mit dem „Liquid Paradise (The Epic)” verabschieden sich die Herren dann aus dem Studio… hoffentlich nicht wieder für weitere sieben Jahre – zumindest Live hat man im Dezember die Möglichkeit ein Auge und Ohr zu riskieren… schaut mal:

30.11.2017 Berlin – Cassiopeia
01.12.2017 Hannover – Bei Chez Heinz
02.12.2017 Bremen – Lila Eule
03.12.2017 Hamburg – Monkeys Music Club
04.12.2017 Nürnberg – Hirsch
05.12.2017 Düsseldorf, The Tube
07.12.2017 Aarburg (CH) – Musigburg

Wenn mich jemand fragt, wie sich GBH im Jahr 2017 anhören, dann antworte ich „genauso abgefahren und geladen wie vor 10, 20, 30… ach was sage ich, 40 Jahren!“ 😉

 

Titel:
1. Birmingham Smiles
2. Tripwire Strange
3. No News
4. Population Bomb
5. Enemies
6. Us Against The World
7. Momentum
8. The Perfect Storm
9. Fifty What?
10. I Never Asked For Any Of This
11. Blue Sky Thinking
12. Liquid Paradise (The Epic)

Foto: Craig Burton

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GBH - Momentum (Hellcat/Epitaph Records, 17.11.2017)
4.3Gesamtwertung