Seit mittlerweile vier Jahren bin ich beim Garden of Voices in Hude bei Oldenburg dabei. Von einer Gartenparty mit 30-40 Leuten und zwei Songwritern hat sich das kleine Festival zu einer Veranstaltung mit etwa 300 Gästen und einem mega Lineup gemausert.

Ganz viel Herzblut, ein bisschen Vitamin B und der Draht zu Bands und Musikern hat hier mitten im Nirgendwo (sorry Hude!) im Ortsteil Kirchkimmen ein kleines Herzstück entstehen lassen.

In diesem Jahr war das Lineup abwechslungsreicher als sonst was. Mit Songwritern wie Alexander von Rothkirch, tigeryouth und Matze Rossi, Pop-Punk mit den Holländern von Call it off , folkigen Indiepop von Redensart und HipHop und Feiermusik von Eljot Quent und LeFly aus  Hamburg war für jeden etwas dabei.

Auch das ganze Drumrum hat sich echt gemacht. Im Suff hat man eine Popcornmaschine gekauft, also gab es auch noch einen Verkaufsstand für Kaffee und Popcorn. Dazu eine Futterbude, Merchandise und natürlich auch Bier und Co.

Das Flair einer Gartenparty hat man auch erhalten. Die Bühne selbst befand sich quasi unter einem riesigen Baum der Abends angestrahlt wurde, überall hingen Lichterketten und es waren neben vielen anderen Sitzgelegenheiten noch extra überall kleine Loungebereiche mit Fritz-Cola-Kisten aufgebaut. Also alles geil! Wäre da nur nicht das norddeutsche Wetter.

Alexander von Rothkirch startete gegen 14.00 Uhr dann auch im Regen. Leider. Und ich denke das sich davon viele Besucher abschrecken ließen und lieber noch eine Runde auf dem Sofa vor Netflix sitzen blieben oder was man so macht. Und die haben echt was verpasst. Der Herr von Rothkirch, übrigens aus der Nachbarschaft, hat die Anwesenden mit seiner bluesigen Stimme und dem entsprechenden 1-Mann-Sound dazu begeistert. Überall hörte man so diese typischen „Uh, der ist aber gut!“-Flüstereien.

 

 

Anschließend war dann mein heiß geliebter Tigeryouth an der Reihe und auch die Besucher wurden mehr. Der wohl einzige richtige Akustikpunker der Republik hat es dann auch geschafft, mal eben die Regenwolken für einen Moment zur Seite zu brüllen. Nach einigen technischen Schwierigkeiten stand er dann vor der Bühne im Publikum und hat stromlos weitergesungen und gebrüllt. Wer ihn kennt, weiß das ihm das auch fast noch mehr als liegt. Fantastischer und einmaliger Songwriterkram, der irgendwie soviel mehr ist und den ich nur schweren Herzens in irgendwelche Schubladen packen würde. Gut wie immer!

 

 

Kurze Running-Order-Verwirrung und schon war Matze Rossi an der Reihe. Was soll ich sagen? Wer meine Texte kennt, weiß auch, dass wir befreundet sind, und dass ich sowieso immer in höchsten Tönen von Matze schwärme, aber auch hier im Garten hat er wieder alle verzaubert. Ich habe mir auch sagen lassen, dass auch die Festivalcrew plötzlich mit Gänsehaut hinter dem Tresen und am Mischpult stand. Lieder über das Leben, die Liebe, Aufstehen, Weitermachen und am Ende „Du kannst alles was du willst und noch mehr“. Spätestens beim fast schon traditionellen „Best Friends“ im Publikum, ohne Strom und mit vielen mitsingenden Menschen war auch der letzte Mensch auf dem Platz überzeugt. Danke Matze! Ich denk immer ich kenn ja eh schon soviele Shows von dir, bin aber jedes Mal wieder völlig hin und weg.

 

 

Und da war dann auch die Zeit der lonesome Rangers auf der Bühne vorbei und die Freiburger Redensart waren an der Reihe. Deutscher Folkpoprock oder so. Die wie immer mega charmanten Typen hatten schon bekannte Songs im Gepäck und überraschten mich auch mit Songs, die ich bisher gar nicht kannte. Da kann auch schonmal Basser Gäbbo zeitgleich Bass und Trompete spielen. Kein Ding. Man merkt bei den Jungs einfach immer, dass wir hier mega Musiker vor uns haben. Und da ist es egal, ob sie mit einer Punkband, einer Indieband oder eben mit Redensart unterwegs sind. Das ist nicht nur technisch großartige Musik, sondern Pop, der aber Hand und Fuß, bzw. Herz und Kopf statt Plastik und BlingBling hat. Sehr schön und wie immer eine Reise wert!

 

 

Anschließend kam mit Call It Off und ihrem Pop-Punk dann das erste Mal richtig Bewegung in die Sache. Ich muss zugeben, dass ich mich vorher nie mit der Band beschäftigt habe und nur ein paar Youtube-Videos kannte. Aber an dieser Stelle waren die Holländer mit Arschwackel-Punkrock genau richtig platziert und die Menschen in den ersten Reihen gingen mit, bewegten sich und tanzten. Großartiger Auftritt, dem man den Spaß an der Sache auch angesehen hat. Also so, wie das bei Pop-Punk sein sollte.

 

 

Was dann anschließend passierte, kann ich musikalisch zwar nicht so mega gut bewerten, weil ich einfach keine Ahnung von HipHop habe, aber die Reaktionen im Publikum sprechen Bände. Mit Eljot Quent kamen dann nämlich die Menschen auf die Bühne, die den Garten und vor allem die ersten Reihen so richtig bewegten. Die Hamburger waren mit DJ und Schlagzeuger angetreten und sorgten mit ihren nicht immer ganz ernst gemeinten Songs (oder heißt das hier Tracks?) für grinsende Gesichter und viele Arme und Hintern in der Luft. Das war für so einen Szenefremden wie mich auf jeden Fall super anzusehen und auch zu hören.

 

 

Den krönenden Abschluß machten dann Le Fly, ebenfalls aus Hamburg. Die Band, die beim Deichbrand seit Jahren die völlige Abrissgarantie liefert, stand hier auf der kleinen Bühne mit gefühlten 4659 Bandmitgliedern und hat tatsächlich den Garten zum Beben gebracht. Ebenso wie die Nacktschnecke auf dem Monitor, für die sich irgendwie kein Ohrschutz finden ließ.

Wenn eine Band im zweiten Song bei etwa 200 Gästen eine Wall of Death hinbekommt, ist das schon eine Leistung. Und wirklich der ganze Platz feierte, tanzte, sprang (wie lange die Leute springen können…. echt verrückt) das gesamte Set lang. Und auch der Wettergott war auf Headlinerseite. Es blieb tatsächlich trocken.

An dieser Stelle auch nochmal ein riesiges Lob an die Menschen am Mischpult! Vor allem auch die Festivalleute. Großartiger Sound den ganzen Tag über. Echt!

 

 

 

Abschließend möchte ich noch ein paar allgemeine Worte loswerden. Denn in Hude ist es wie überall in der Provinz. Die Menschen meckern über fehlende Angebote, möchten Kultur, sitzen aber am Ende auf dem Sofa, während quasi nebenan ein mega Programm für wenig Geld geboten wird. Zwar hat sich das Garden of Voices in den Jahren zu einer Art Geheimtipp entwickelt, aber von dem Status lässt sich kein Lineup bezahlen. Die Tickets sind günstig. Essen und Trinken sind günstig. Die Leute die das Festival machen sind mega nett. Die Location ist einzigartig. Und trotzdem könnte es das letzte Garden of Voices in dieser Form gewesen sein. Das mangelnde Interesse der Menschen aus der Gegend, bei dem Versuch es mit dem Lineup vielen Recht zu machen, geht am Ende schlecht auf. Und dabei war das Interesse hier wohl nie Geld zu verdienen, sondern eher ein sich selbst finanzierendes, kleines Festival mit Freunden auf die Beine zu stellen.

Mit diesem Problem haben ja Organisatoren aus allen Bereichen zu tun. Kleine Veranstaltungen, die vielleicht sogar beim Eintritt auf den guten Willen der Gäste angewiesen sind, kommen oft nicht über die Runden. Und das nervt mich persönlich extrem. Aber dazu dann an anderer Stelle nochmal mehr. Hier erstmal ein dickes Danke an die ganze Crew des Garden of Voices für die Arbeit und das ihr selbst im Regen immer ein Grinsen im Gesicht habt. Und an die Mama von Veranstalter Henry. Ich bin der „Ich bin nur wegen dem Kaffee hier!“– Typ. Mann ist der Kaffee gut! Und natürlich an den Mann, der diese Location erst zur Location gemacht hat, den Opa von Henry. Danke!