Junge, wie die Zeit vergeht… Ja ich weiß, ich klinge schon wie ein alter Sack. Aber es ist tatsächlich schon zwei Jahrzehnte her, dass das Debüt von Garbage erschien. Man schrieb das Jahr 1995, mitten in den bunten 90ern, das Jahr 1 nach Kurt Cobain. Neue, ausgefalle Sounds waren hochwillkommen und wenn sie zudem noch eingängig waren: warum nicht?

In das Vakuum das der implodierte Grunge-Trend hinterließ, fielen plötzlich Garbage mit ihrer Mischung aus gitarrenlastigem Alternative Rock, Pop und elektronischen Sounds ein. Eigentlich war die Band das Baby der drei Musiker und Knöpfchendreher Steve Marker, Duke Erikson und Butch Vig. Letzterer konnte als Produzent solch illustrer Alben wie „Nevermind“ (Nirvana) oder „Siamese Dream“ (Smashing Pumpkins) bereits große Erfolge feiern und nicht zuletzt ihm dürfte klar gewesen sein, dass es für eine durchschlagende Band mehr als drei unscheinbare Herren mit ein paar guten Songs braucht.

Mit der schottischen Sängerin Shirley Manson fand man dann das fehlende Puzzleteil. Mit ihrer Ausstrahlung als rothaariger Vamp, ihren derben Äußerungen in der Öffentlichkeit und nicht zuletzt ihren verschachtelten, düsteren, bisweilen surrealen Texten fiel man einfach auf. Zusammen mit den gewitzten Songs hatte man gehörig was zu bieten.

Harte Gitarrensounds treffen auf poppige Melodien, tanzbare Elektrobeats auf pure Düsternis und Melancholie auf Zynismus. Der Sound des Garbage-Debüts war für damalige Verhältnisse außergewöhnlich und klingt es auch heute noch irgendwie. Ein Wunder, wie gut die Platte die Zeit trotz ihres zeitgeistigen Hangs überstanden hat. Nummern wie das eingängige „Only happy when it rain“, das antreibende „Vow“, das schmierig klingende „Queer“ oder das poppige „Fix me now“ hört man nach wie vor mit Genuss.

Nun erscheint „Garbage“ pünktlich zu seinem 20-jährigen Jubiläum in diversen Deluxe-Editionen. Der Sound erhielt eine leichte Politur und wurde nur sanft dem aktuellen Stand angepasst. Das Klangbild war halt auch schon damals „state of the art“.

Interessanter dürfte bei der Doppel-CD-Variante die beiliegende Bonus-CD sein. Diese enthält neun B-Seiten bzw. übrig gebliebene Songs. Der bekannteste dürfte das im Schmachtfetzen „Romeo und Julia“ mit Leonarde DiCaprio enthaltene „#1 Crush“ sein. Die laszive Nummer ist auch gleich das Highlight der CD. Einige Nummern sind durchaus interessant, aber nicht so spannend wie das Debüt selbst. Bei „Girl don’t dance“, „Driving Lesson“ und „Trip My Wire“ kehren Garbage ihre technoide Seite nach außen, während „Sleep“ fast wie eine Fortsetzung der Ballade „Milk“ klingt. Nett dabei sind dabei die beiden Coverversionen „Butterfly Collector“ (The Jam) und „Kick My Ass“ (Vic Chesnutt).

Insgesamt eine ganz gute Ergänzung zu einem Album, das vollkommen zurecht ein Klassiker des Alternative Rocks ist!

Garbage - Garbage

Trackliste:
– CD1
1. Supervixen
2. Queer
3. Only Happy When It Rains
4. As Heaven Is Wide
5. Not My Idea
6. A Stroke Of Luck
7. Vow
8. Stupid Girl
9. Dog New Tricks
10. My Lover’s Box
11. Fix Me Now
12. Milk

– CD2
1. Subhuman
2. Girl Don’t Come
3. Sleep
4. Driving Lesson
5. Trip My Wire
6. #1 Crush
7. Butterfly Collector
8. Alien Sex Fiend
9. Kick My Ass

Garbage - Garbage [20th Anniversary Deluxe Edition] (PIAS/Rough Trade, 02.10.2015
4.9Gesamtwertung