Foxing sind eine aus St.Louis, Missouri stammende Band, die vor einigen Jahren im Zuge der 90s Emo Revival-Bewegung mit ihrem großartigen Debüt „The Albatross“ erstmals auf der Bildfläche erschienen sind. Während die grundsätzliche Ästhetik dieser Platte lose dem Emo Revival Sound zuschreibbar war, zeichnete sich das damalige Quintett allerdings durch einige interessante Eigenheiten, vertracktes Songwriting und interessante Klangflächen aus.

Mit dem Nachfolger „Dealer“ schlug die Band dann düstere und auch ruhigere Töne an. Der Zweitling ging dem experimentellen Pfad des Debüts weiter nach und führte die Truppe um Sänger und Blechbläser Conor Murphy in eine klangliche Mischung aus Emo, Postrock, Dreampop und Shoegaze.

Mit „Nearer My God“ steht nun der dritte Langspieler von Foxing in den Startlöchern, der nach Ausstieg von Bassist Josh Coll eine weitere Entwicklung in Sachen Klangfarbe darstellt. Direkt zu Anfang schlägt uns bei „Grand Paradise“ ein R&B-lastiger, elektronisch pulsierender Beat entgegen, der von einem düster und mächtig klingenden Piano ergänzt wird. Dazu mischt sich Murphys distinktive Mischung aus Brust- und Kopfstimme. Für die erste Single „Slapstick“ führte der ehemalige Bassist Coll Regie. Offenbar also kein böses Blut vorhanden, auch gut zu wissen.

„Lich Prince“ glänzt nach einem lässigen Intro mit einem stufenweisen Aufbau, der in einem fast schon lächerlich anmutenden aber irgendwie passenden 80s Hardrock Gitarrensolo mündet. „Gameshark“ wiederum ist eine dieser unidentifizierbaren Mischungen aus treibender Tanznummer, die mit unheimlichen Klangflächen kombiniert wird, und kaum einem bestimmten Genre zugeordnet werden kann.

Darauf folgt dann der Titeltrack „Nearer My God“, den die Band kurzerhand ins Japanische, Spanische, Französische und auch Deutsche übersetzte und mit einem unfassbar unästhetischen und bescheuerten Musikvideo in niedrigster Auflösung unterlegte. Das spaltet die Geister. Und genau das wollen die Jungs aus St. Louis auch. Und das gefällt mir ungemein.

Umso ernsthafter ist allerdings die Musik, die sich erneut hauptsächlich in verträumte aber auch oft düstere Gefilde begibt. Auf „Five Cups“ beherrscht eine intensive, ambientlastige Atmosphäre, die durch Blechblaseinlagen von Murphy ergänzt wird, das Bild, „Heartbeats“ und „Trapped in Dillard’s“ führen die Mischung aus Klangexperimenten und hymnischen Melodien weiter fort, während „Bastardizer“ und „Crown Candy“ verworrenen und unheimlichen Akustik-Post-Punk liefern. Den Schlussakkord liefern „Won’t Drown“, das auch eine astreine R&B-Tanznummer sein könnte, und „Lambert“, dessen Anfang unvermeidlich an The National erinnert, bis sich das Stück irgendwann zu einer treibenden Post-Punk-Nummer à la Editors oder Bloc Party zwischen 2005 und 2007, nur um dann doch recht abrupt zu enden.

Der Sound von Foxing ist nur sehr schwer fassbar. Irgendwie klingt alles cool, alles hip, alles wie hundert prozentig auch so gewollt und perfekt durchproduziert. Der Clou für mich persönlich ist jedoch, obwohl ich bekennender Soundfetischist bin, dass das Quartett sich nicht auf ihrem Sounddesign ausruht und nur den Klang die ganze Arbeit machen lässt.

Das Songwriting, das Gespür für den richtigen Sound an der richtigen Stelle, für das Ausharren in düster-verträumten Klangwelten im einen und das Anstimmen einer hymnischen Hookline im anderen Moment stellt einmal mehr die kompositorischen Qualitäten dieser Band unter Beweis und führt zu einem der interessantesten und vielfältigsten Alben, die ich seit langer Zeit hören durfte. Foxing spalten damit vielleicht die Geister, ich bin aber durch „Nearer My God“ wieder ein Stück näher dazu gekommen, die Band zu vergöttern (sorry für das schreckliche Wortspiel).

01. Grand Paradise
02. Slapstick
03. Lich Prince
04. Gameshark
05. Nearer My God
06. Five Cups
07. Heartbeat
08. Trapped In Dillard’s
09. Bastardizer
10. Crown Candy
11. Won’t Drown
12. Lambert

Foxing - Nearer My God (Triple Crown Records, 10.08.2018)
5.0Gesamtwertung