Essen, du Perle des Ruhrgebiets… hier bisse zu Hause, hier kannste ett auch sein!

Ja nee, iss klar!

Also glaubt man den Bewohnern der größten Stadt im Pott, dann mag da wirklich etwas dran sein – aber böse Zungen haben damals schon behauptet, dass man hier nicht am Busen der Natur, sondern eher im größten Drecksloch im von Kohle und Ruß verseuchten Ruhrgebiet gelandet sei und man um die Stadt doch bitte einen riesigen Bogen machen sollte.

Okay, diese Zeiten sind wohl schon lange vorbei und anstatt das die Omma abends die von Ruß geschwärzte Wäsche vonne Leine holt, hat sich mittlerweile ein ziemlicher Strukturwandel vollzogen.

Auch ist es schon lange her, dass man vom Pütt kommend eben noch kurz zum „Büdchen“ gegangen ist und sich eine Frikadelle und ein „Pilsken“ für den Heimweg mitgenommen hat.

Apropos „Pilsken“, da sind wir doch gleich beim Thema – denn hier kommen die drei Essener Jungens von Formosa ins Spiel, die der gut gekühlten Hopfenkaltschale auch nur selten abgeneigt sind.

Die „Bad Boys“ sind nämlich unterwegs und verbreiten mit ihrem neuen Album „Sorry for beeing Sexy” optisch vielleicht ein wenig Angst und Schrecken, musikalisch aber ein fettes Rock-Brett allerbester Güte.

Kurz vorab, die Jungs nehmen sich selbst nicht wirklich immer ernst… und selbiges solltet ihr beim Hören der zehn handverlesenen Stücke im besten Falle auch nicht immer tun – nur mal so als kleinen Tipp am Rande.

Denn nicht nur den Titel des Albums muss und sollte man differenzierter betrachten, sondern auch der gleichnamige Titelsong „Sorry for beeing Sexy” an sich birgt ein großes Diskussionspotential… wenn man es denn wirklich auf die Spitze treiben möchte – aber genau hier setzt das ein, was ich gerade meinte. Wer die Band kennt, der weiß das die drei Formosas immer gerne mit den Wörtern spielen und überspitzt humorvoll Plattitüden und Klischees aufgreifen… denn natürlich sind alle Rocker immer und überall sexy & unwiderstehlich, oder?!

Wo wir dann Bierernst bei der nächsten Rock`n`Roll Nummer „Fuck up your Liver“ landen, die sich speziell um das „Kühle Blonde“ kümmert und uns klar machen will, dass man durch übermäßigen Konsum zwar nicht überaus alt, aber vielleicht doch um einiges glücklicher den Weg ins Bier-Paradies antreten wird.

Danach wird es dank dem „Sugar Daddy“ melodiös balladesk, was mir selbst aber alles andere als zusagt und mich direkt zu „Love on the Highway“ treibt – hier wird hemmungslos mit dem fremdbestimmten Leben abgerechnet und der einzig wahre Weg im guten alten Rock´n´Roll gesucht.

Von London über Bottrop geht`s dann nach Tokyo, denn die Essener sind so „Proud to be loud“, dass selbst Ozeane und Zeitzonen kein Hindernis darstellen – also an Selbstbewußtsein scheint es ihnen nicht zu mangeln!

Ach ja, da wären ja auch noch „Johnny the Beaver“ und Freddy the Fox… und die Frage, ob die Liebe zwischen Biber und Fuchs eine Zukunft hat, wenn Bobby the Bear seine Tatzen mit im Spiel hat – tja, wo die Liebe halt hinfällt… meine Segen habt ihr auf jeden Fall Jungs.

Abschließend begleiten wir sieben Rock`n`Roller bei ihrem feuchtfröhlichen Zug durch die Gemeinde – und wie endet das Ganze? Natürlich nur noch zu Dritt und mit dem festen Versprechen, dass man niemals seine Ideale und den guten alten Rock aufgeben wird.

Ich will es mal schonungslos heraus sagen, „Sorry for beeing Sexy” ist ein Album von Rock`n`Roll-Fans für Rock`n`Roll-Fans… wer andere Stile sucht, wird sie bei der neuen Scheibe von Formosa nicht finden – wem das vorab schon bewusst ist, der wird hier seine helle und humorvolle Freude haben.

 

Titel:
1. Bad Boys
2. Manana
3. Sorry for beeing Sexy
4. Fuck up your Liver
5. Sugar Daddy
6. Love on the Highway
7. Proud to be loud
8. Pull away
9. Johnny the Beaver
10. Never Stop Rock`n`Roll

Foto: Angelina Ouchani

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Formosa – Sorry for beeing Sexy (Sweepland Records, 02.03.2018)
4.0Gesamtwertung