Der Vierer FirstClass&Coach stammt aus Irland und setzt sich wohl aus alten Hasen zusammen, denn das Info spricht davon, dass Reuben Maher (Gesang und Gitarre) bereits seit 20 Jahren Musik, zuvorderst in den USA, gemacht hat und Sängerin Geraldine Thomas auch bereits zehn Jahre musikalisch unterwegs ist. Und das hört man dem Debüt des rustikalen Vierers auch an.

Die Ausrichtung liegt ganz klar auf überwiegend rotzigem Independent Rock mit packenden Melodien, knarzenden, knackigem Bass, geradeaus schepperndem Schlagzeug und Gitarrensounds zwischen Sonic Youth und Shoegaze. Das Info spricht davon, dass dieses Album ein verlorengegangenes Sonic-Youth-Werk der frühen 2000er sein könnte. Und das ist gar nicht mal übertrieben.

So gehen die ersten drei Stücke kompromisslos nach vorne und die Gitarre liefert feines Riffing. Dazu gibt es abwechselnd weiblichen und männlichen (Sprech-)Gesang, der zusätzlich Spannung mit sich bringt. Etwas abstrakter wird es dann im dunkel düsterem “Lullebye, mit langsam antreibenden Rhythmusgerüst, Shoegazegitarreneffekten und feinen Riffs. Hier liefern sich dann die beiden Stimmen ein Quasi-Duett und schließen dieses feine Stück ab.

Noch interessanter wird es dann im Folgestück “Wasser“, in dem tatsächlich aus „Es waren zwei Königskinder“ in Deutsch zitiert wird. Die Dame beherrscht unsere Sprache sehr gut, so klingen ihre klagend, fast schreiend vorgetragenen Worte sehr eindringlich und nicht peinlich. Darunter liegt ein mystischer Sounds aus Effekten und Sounds, ein langsam vor sich hinschepperndes Schlagzeug und eine scheinbar unpassende süßliche Melodie gespielt von der Gitarre.

Mit „U Shud Cum“ geht es dann in die punkige Ecke mit zügigem Geradeausschlagzeug, einfachem Riffing und ein paar schrägen Gitarreneffekten. Dazu spricht und schreit Geraldine eindringlich. Knackig. Es schließt sich das kleine Highlight “Burn Motherfucker Burn“ an. Zunächst setzt nur der elektronisch erzeugte Mix aus Beats, psychedelischen Sounds und Stimme ein. Dieser Sound wird immer dichter, der Beat wird treibender, Gitarreneffekte gesellen sich hinzu. Der unglaublich packende Klang mit diesem knackigen Beat tut sein Übriges, so dass man nicht umhin kommt mitzutanzen und zu singen. Das Stück fällt angenehm aus dem sonstigen Rahmen des Albums.

Das zweite in Deutsch gesungene Stück “Mischa“ setzt hingegen auf dunkle Ambientsounds aus Gitarreneffekten und Elektronik. Darüber spricht Geraldine einen geheimnisvollen Text. Im vorletzten Stück lässt es die Band dann nochmal schön krachen, bevor sie sich dann mit einem atmosphätrischen Shoegazer verabschieden.

Insgesamt liefern FirstClass&Coach hier einen sackstarken Erstling mit 41 Minuten packender und unterhaltender Musik verteilt auf Stücke, welche keinen einzigen schwachen Song beinhalten. Also hohe Empfehlungsstufe für alle Fans der genannten Genres.

 

Trackliste:
1. Holy Shit
2. 2014
3. Punk Rick
4. Lullabye
5. Wasser
6. U Shud Cum
7. Burn Motherfucker Burn
8. Mischa
9. Detroid
10. Ballyrisode

 

 

Review von Gastautor WOLFANG KABSCH

 

FirstClass&Coach - The Truth About Honey (I Am Surprised Records, 13.03.2020)
4.5Gesamtwertung