Es gibt sie, diese Festivals, die ein ganz besonderer Geist umweht. Das zweitätige Keep-It-True im württembergischen Lauda-Königshofen ist ein solches. Bereits zum 19. Mal fand es in diesem Jahr statt. Heavy Metal in seiner reinsten Form steht hier auf dem Programm. Ehrlich und oldschool ist die Musik, die hier gespielt wird. Geradlinig und frei von jeglichen Trends und Moden die Besucher. Schon seit vielen Jahren haben es sich die Veranstalter auf die Fahnen geschrieben, ihren Gästen etwas Besonderes zu bieten. Heiße Newcomer, fast vergessene Kultacts, spektakuläre Reunions und überhaupt spezielle Auftritte werden stets geboten. Das zieht Gäste aus der ganzen Welt in den beschaulichen Ort, der einmal im Jahre aus seinem Dornröschenschlaf gerissen wird. Die vermeintlich so böse aussehenden Heerscharen mit ihren Kutten und Lederjacken sind jedenfalls gern gesehene Gäste im Ort. Auch dieses Jahr haben die Macher wieder ein interessantes Programm zusammen gestellt, das allerdings von einem Act überschattet wird. Die Progmetal-Legenden Fates Warning taten sich speziell für das Festival in der Besetzung ihres 1986er-Klassiker „Awaken The Guardian“ zusammen und zelebrierten diesen. Handwritten-Mag berichtet nun zum ersten (und hoffentlich nicht letzten) Mal von diesem wunderbaren Festival. Die Bands stehen dabei im Vordergrund, selbst wenn dieses zum Großteil eher etwas für Eingeweihte sind.

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Freitag, 29.04.2016

Den Auftritt der ersten Band, die Nordiren TERMINUS, mussten wir knicken, da der neu organisierte Einlasse recht zäh vonstatten ging. Eigentlich schade, denn die Eröffnungsbands sind jeweils handverlesen und nicht selten echte heiße, spannende Newcomer. Dem Vernehme nach sollen wir tatsächlich etwas verpasst haben. Schade. Also gleich weiter zum zweiten Act.

Dies waren die Briten MYTHRA. Eine alte Band, deren Geschichte vier Jahrzehnte zurück reicht und die in ihren Anfangszeiten lediglich eine EP zustande brachte. Knapp 20 Jahre später gab es ein Comeback, das nach zwei Alben allerdings wieder im Sande verlief. Nun ein neuer Anlauf, der doch reichlich ergrauten Herren. An diesem Tag präsentierte man seinen für diese Epoche typischen Heavy Rock, der durchaus Laune machte. Absolute oldschool, aber gut ins Ohr gehend. Die fünf Musiker hatten hör- und sichtbar Spaß an dem was sie taten, was sich auch aufs Publikum übertrug, das um diese Zeit schon zahlreiche vor Ort war.

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Etwas tiefer im deutschen Untergrund wurde anschließend gegraben. Der Name S.D.I. ist vielleicht nicht mehr jedem geläufig oder man hat auch nur das Cover-Artwork ihrer zweiten Platte „Sign of the Wicked“ vor dem geistigen Auge, auf dem sich Sänger/Bassist Reinhard Kruse das Bandlogo mit eine Rasierklinge in den Arm ritzt. In ebenjener Besetzung von 1988 war ist man an diesem Wochenende auch aufmarschiert. Polternden, nicht gerade feingliedrigen Speedmetal gab es auf die Ohren. Keine Mucke, die man hört, weil sie so filigran ist. Mucke auch, die vor allem live kickt. So auch heute. Überraschend frisch und agil klang das Ganze. „Megamosh“ heißt einer der Songs der Band. Und so ging es auch zu. In den ersten Reihen war ordentlich Alarm. Mit der Zeit war es aber auch etwas eintönig, was irgendwie in der Natur der Sache liegt. Kurzweilig war’s trotzdem.

Vom alten Europa rüber über den großen Teich. Mit THRUST hatte sich eine Ami-Band angemeldet. Geboten wurde typischer, durchaus ruppiger 80er-Jahre US-Metal. „Fist Held High“ nennt sich ihr 84er-, in der Szene gefeierte Debüt, an das man sich überwiegend klammerte. „Posers Will Die!“ heißt ein Titel davon. Und irgendwie musste man mit dem im Hinterkopf etwas schmunzeln. Denn optisch kam die Band eben etwas poserhaft rüber. Ein bisschen typische, amihafte Großkotzigkeit durfte natürlich auch nicht fehlen. Sieht man davon aber ab, war der Auftritt in Ordnung. Senkte man den Blick, gab’s genug Songs zum Fäusterecken. Der Sound war kraftvoll, die Performance ebenso. Wer Bands wie Tyrant oder Nasty Savage zum Frühstück verspeist, dürfte hiermit ziemlich konform gegangen sein.

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Der erste richtige Stimmungshöhepunkt folgte aber erst jetzt mit den Briten TOKYO BLADE. Versprochen wurde eine spezielle Oldschool-Show unter dem Motto ihrer dritten Scheibe „Night of the Blade“. Vor dem Festival ist der Band ihr etatmäßiger Sänger verlustig gegangen, so dass man spontan Ur-Sänger Alan Marsh aus dem Hut zauberte. Dieser zeigt sich anfangs noch etwas unsicher und eingerostet. Nachdem ihn seine Mitmusiker und vor allem die lautstark mitsingenden Fans ordentlich nach vorne pushten, lief die Sache rund. Tokyo Blade agierten aber auch äußerst tight und mit massig Spaß in den Backen. Es war 17 Uhr und der Sound genau das Richtige um diese Zeit. Straighter, bisweilen etwas ruppiger, britischer Traditionsstahl mit einem Maximum an Eingängigkeit. „Mean Streak“, „Sunrise in Tokyo“, „Lightning Strikes“, „If Heaven Is Hell“ oder auch „Night of the Blade“ hießen die Spaßpillen, die den einen oder anderen sogar zum Crowdsurfen animierten. Wer hier nicht Bock auf Rock hatte, dem war nicht mehr zu helfen.

Da müssen die drei Mädels von ROCK GODDESS im Anschluss schon etwas kleinere Brötchen backen. Vielleicht nicht so bekannt, die Band? Etwas Besonderes ist das Trio durchaus. Hart rockende, reine Frauenbands mit rotzigem Gesang waren in den 80ern (und sind es auch heute nicht wirklich) nicht allzu oft anzutreffen. Girlschool, klar die kennt man noch. Heute waren Rock Goddess um die beiden Schwestern Jody und Julie Turner in Originalbesetzung aufmarschiert, um überwiegend Songs von ihren ersten beiden Alben zu zocken. Dazu gab’s ein paar neue, noch unveröffentlichte Songs. Diese: kleine Stimmungsdämpfer im sonst recht kurzweiligen Set, bei dem einen die Band auf ruppige Art und Weise deftige Hardrock-Kost um die Ohren knallte. Objektiv betrachtet ist dieser „Heavy Metal Rock’n’Roll“ (um mal die Abschlusshmyne der Gruppe zu zitieren) natürlich wenig außergewöhnlich. Vielleicht auch der Grund, dass man irgendwann etwas weghörte. Ein angenehmer Farbtupfer an einem sonst so testosteronstrotzendem Wochenende war es allemal.

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Weiter ging’s mit einem weiteren Powertrio: THE RODS aus dem Staate New York. Stilecht in Originalbesetzung. Mit dabei: spaßfördernder, geradliniger, amerikanischer Heavy Metal mit großem Rock’n’Roll-Faktor. Songtitel wie „Born to Rock“ und „Let Them Eat Metal“ sprechen hier Bände. Das ist ein Sound, der sofort ins Blut geht und gar nicht erst den Umweg übers Hirn nimmt. Sieht man von einem überflüssigen Schlagzeugsolo ab, haben die Herren um Dio-Cousin David Feinstein alles richtig gemacht – lustiges Duo-Posing der Saitenfraktion inklusive. Die Band kam absolut bodenständig und sympathisch rüber und verbreitete zu dritt genau die Power, die solche Musik braucht, um live richtig zu kicken. Spielerisch macht den Herren natürlich auch niemand was vor, auch man man (passend zur Musik) innerhalb seiner Möglichkeiten blieb. Die Stunde hat Spaß gemacht und The Rods hatten die in sie gesetzten Erwartungen sicher nicht enttäuscht.

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Zeit für Überraschungen. Wer jetzt die Bühne entern sollte, wurde im Vorfeld tatsächlich nicht wirklich aufgelöst, auch wenn man besonders wieder einen Namen munkelte. Tja, und genau der sollte es am Ende doch auch sein: der ehemalige Manowar-Gitarrist ROSS THE BOSS. Die Überraschung war für viele durchaus gelungen. Herr Friedman hatte eine kompetente Rhythmusgruppe um sich geschart. Am meisten neugierig war man natürlich, ob der Sänger stimmlich in die Fußstapfen eines Eric Adams treten kann. Tja, man war zuerst schon skeptisch. Der 24-jährige New Yorker Mike Cotoia sah zwar aus wie ein verhinderter Eminem und hatte in Sachen Performance ein Ausstrahlung wie ein labbriges Toastbrot. Aber Halleluja, gesanglich war das top! In Sachen Songs packte man Sachen aus, welche das Original schon lange nicht mehr mit der Kneifzange anfasst. Kostproben? „Sign of the Hammer“, „Metal Daze“, „Gates of Valhalla“, „Secret of Steel“, „March For Revenge“, „Dark Avanger“. Was während dem dem Abschlussduo „Hail and Kill“ und „Battle Hymn“ in der Halle los war, konnte man kaum in Worte fassen. Alleine die Publikumsreaktionen sorgten für Gänsehaut. Ob einem diese Klischeemucke – bei der sich nach wie vor die Geister scheiden – jetzt gefällt oder nicht: das war schon großes Kino, was hier abging. Ross The Boss und Band ging dabei glücklicherweise das ab, was einem Manowar seit seinem Ausstieg vermiest: peinliche Posen, noch peinlichere Ansprachen und Vorträge sowie Größenwahn.

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Dass der letztendliche Headliner in Sachen Stimmung daran nicht anknüpfen konnte, war natürlich klar. Das juckte das kanadische Abrisskommando RAZOR aber nicht wenig. Vollkommen unbeeindruckt und mit einer maximalen Gelassenheit knallte man ein ordentlich Thrash-Metal-Brett raus. Darauf haben nicht wenige bisher gewartet. Lange hatte es gedauert, bis das Quartett hier mal spielt. Und zur Feier des Tages war ein spezielles 1985er-Oldschool-Set anberaumt. Dementsprechend spielte man ausschließlich Songs der ersten beiden Platten „Executioner’s Song“ und „Evil Invaders“. Optisch war auf der Bühne nur wenig geboten. Fast angewurzelt, dafür aber mit viel Wumms spielte die Band um die beiden Originalmitglieder Dave Carlo (Gitarre) und Mike Campagnolo (Bass) sowie dem langjährigen Sänger Bob Reid eineinhalb Stunden seine Nummern. Diese wurden äußert begierig aufgesogen. Der Bereich vor der Bühne verwandelte sich in einen regelrechten Hexenkessel. Auch wenn man der Band ob ihrer Präzision Respekt entgegen bringen muss, darf man aber ruhig erwähnen, dass die Chose ziemlich eintönig war und man spätestens nach einer halben Stunde die Songs nicht mehr auseinander halten konnte. Aber ein „nice to have“ als Tagesabschluss war es allemal.

Der erste Festivaltag war also vorbei. Er war unterhaltsam, aber man hatte ständig den Gedanken, dass die richtigen Highlights noch kommen sollten. Und das war dann auch so, wie ihre später noch lesen werdet. Jetzt erst einmal hinaus in die arschkalte Nacht und Energie für die nächste Runde tanken…

 

Samstag, 30.04.2016

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Den Anfang von Tag 2 machten die für selbst für dieses Festival recht unbekannten Kanadier METALIAN. Aber man lässt sich ja gerne überraschen. Das Quartett nutzte die Gunst der Stunde und knallte den hungrigen Headbangern eine satte Ladung Heavy Metal vor die Füße. Traditioneller Stahl im speedigen Tempo, mit viel Elan, Power und Spielfreude vorgetragen. Wenige, kurze Ansagen, kein Bullshit und voll auf die Zwölf. Jawohl, das war genau, was man zum Start mit dem ersten Bier in der Hand brauchte! Es machte jedenfalls richtig Laune den Herren bei der Arbeit zuzusehen. Die Songs waren eingängig, aber nicht billig. Damit dürfte man sicher den einen oder anderen neuen Fan gewonnen haben. Coole Sache.

Von Übersee zurück ins alte Europa ging es im Anschluss mit DEXTER WARD, bei den zwei ehemalige Musiker der griechischen Epic-Metaller Battleroar spielen. Statt epischen Breitseiten gab es hier allerdings stark amerikanisch klingenden Stoff auf die Lauscher. Sänger Marco Concoreggi war auch nicht verlegen seine große Posen auszupacken. Teils klischeehafte Texte durften es natürlich auch noch sein. Das hätte leicht peinlich werden können. Doch Dexter Ward kamen mit ehrlicher Leidenschaft rüber und spielten sich durch ihre beiden Platten, von denen die zweite erst einen Tag vorher veröffentlicht wurde. Geschmackssache blieb es irgendwie aber trotzdem. Nummern wie „Stone Age Warrior“ oder „Back To Saigon“ entpuppten sich aber zweifelsohne als kleine Hits. Hat am Ende also gepasst.

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Apropos Klischee: Wo Dexter Ward diese auf angenehme Art und Weise in Songs verpackten, zogen SAVAGE MASTER im Anschluss den Holzhammer aus der Tasche. Um die Amis wird im Underground gerade ein ziemlicher Hype veranstaltet. Am Ende des Auftritts fragte man sich allerdings verdammt nochmal warum. An der Musik selbst kann es nicht wirklich liegen. Die Songs der Truppe klingen nämlich ziemlich bieder, nicht selten auch etwas holprig und langweilig. Es ist vielmehr das Image das die Band um Sängerin Stacey Peak verbreitetet. Okkult soll es rüberkommen. Eine wilde Amazone am Mikro und vier mit Kapuzen bekleidete Herren im Hintergrund. Am Ende besitzt das wild gestikulierende Fräulein mit der schrillen Stimme allerdings keinerlei Ausstrahlung und wirkt auf der Bühne unbeholfen. Da helfen auch keine großen Posen oder eine Auspeitschaktion. Die Band rumpelt auch mehr schlecht als recht, so dass nicht wenige nach ein paar Songs lieber im Freien die Sonne genießen. Das war wohl nix!

Im Anschluss wurde es etwas obskurer. Die Geschichte von IRON CROSS aus Florida reicht bis ins Jahr 1979 zurück. Vor 30 Jahren veröffentlichte man ein Album mit feinem US-Powermetal, aber ansonsten brachte man nicht mehr allzu viel zustande. Nach mehrmaligen Anläufen haben es die KIT-Macher doch noch geschafft die Band hierher zu locken. Der optische Eindruck war erst einmal etwas seltsam. Ein kleinwüchsiger Bassist in der Mitte, links neben ihm ein hochgewachsener Schlacks und auf der rechten Seite ein gesundheitlich schwer gezeichneter, weiterer Gitarrist der im Sitzen spielen musste. Den Gesang teilen sich mehrere der Musiker, was überraschend gut funktionierte. Immer wieder klang das Ganze etwas holprig. Am Ende funktionierte die Band aber doch recht gut. Die Songs waren auch nicht schlecht, auch wenn man sie vielleicht öfter hören müsste. Es waren allerdings einige Anwesende ziemlich heiß auf die Band und feierte sie ab. Die Begeisterung kumulierte mit der Bandhymne „Die Like That“, was für einen angenehmem Abschluss sorgte.

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Danach wurde es kultig. Sänger Norman Kiersznowski, besser bekannt als SKI, und früher in Diensten von Deadly Blessing und Faith Factor hatte sich angesagt, um vor allem Songs erstgenannter Band zu zocken. Laut eigener Ansage haben seine alte Mitmucker keinen Bock mehr auf Heavy Metal, so dass er eben alleine kommen müsse. Er hatte eine spielhungrige Band mitgebracht, die sonst wohl in härteren Gefilden unterwegs ist. Denn die vier Musiker legten ein ordentliches Brett vor, das den alten Songs neues Leben einhauchte. Ski selbst war Metal, dass es nicht mehr mehr geht. Seine Klamotten sind mit derart vielen Nieten übersäht, dass sogar ein Rob Halford eifersüchtig werden dürfte. Auch stimmlich klingt der Mann immer noch wie eine extremere Version des Priest-Frontmanns. Er hat erstaunlich wenig von seiner schneidenden Falsett-Stimme eingebüßt und bringt immer noch volle Power, was schon mitreißt, sofern man das Ganze aushält. Trotz seiner harten Erscheinung kam Ski sehr sympathisch und bodenständig rüber und entledigte sich nach und nach seiner Bühnenkleidung und warf diese in Richtung Publikum. Und auch sonst hatte er alte Bühnenaccessoires als Souvenirs für seine Fans mitgebracht. Irgendwie lustig und eine nette Geste. Aber die Musik alleine hätte auch schon gereicht, damit das Stimmungslevel nach oben geschnellt wäre. Am Ende stellte Ski nochmals seine Entertainerqualitäten unter Beweis, nahm Tuchfühlung zum Publikum auf und beendete das Konzert mit der Lizzy-Borden-Coverversion „American Metal“. Wirklich ein starker, äußerst unterhaltsamer Auftritt einen Mannes, der den Metal lebt!

Die Norweger ARTCH dämpften die Euphorie im Anschluss aber etwas. Nach zwei guten Auftritten brauchten die Fans wohl eine kleine Pause. Aber auch die Band selbst, die fast in Originalbesetzung aufgelaufen war, entpuppte sich nicht gerade als Stimmungskanonen. Sänger Eric Hawk sang zwar fein und die Musiker agierten recht dicht. Trotzdem wirkte das Quintett zurück gelehnt und wenig enthusiastisch, als wolle man es einfach mal laufen lassen und sehen, was passiert. Irgendwie übertrug sich das auch aufs Publikum, das Artch zwar wohlwollend aufnahm. Aber das war es auch schon. Insgesamt solide. Ist das jetzt ein Kompliment?

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Für wirklich großes Klangkino war im Anschluss jemand anderes zuständig. Jemand der vor sechs Jahren auf dieser Bühne spielte und mit seiner ehemaligen Band begeisterte. Der Name der Band war Anacrusis. Und natürlich ist die Rede von Sänger/Gitarrist und Redaktionsliebling KENN NARDI. Dieser hatte vor nicht allzu langer Zeit ein bombastisches Solo-Doppel-Album veröffentlicht, von dem er auch ein paar Nummern spielte. Doch der Fokus dieses einstündigen Auftritts lag natürlich auf Songs seiner alten Prog-Thrash-Band. Der Sound während des Auftritts war zwar recht grottig. Die energiegeladene Performance – speziell Nardis – und die tollen Titel rissen es dafür wieder raus. Bereits an zweiter Stelle folgte der Hit „Release“. Spätestens beim New-Model-Army-Cover „I Love The World“ stand die Halle Kopf. Das große Highlight war allerdings „Sound The Alarm“. Nicht nur weil der Song an sich schon äußerst groß ist, sondern weil sich das Quartett mit Mayfair-Sänger Mario auch noch Verstärkung auf die Bühne holte. Der Frontmann der feinen, österreichischen Prog-Metaller passte überraschend gut dazu und ergänzte wunderbar den Mann aus St. Louis, der immer noch eine unnachahmliche Ausstrahlung und vor allem eine einmalige Stimme hat. Ein echtes Highlight an diesem Tag mit Magie in der Luft. Nicht nur dieser Song, sondern der ganze Auftritt. Kenn Nardi und seine Band (u.a. mit ex-Anacrusis-Drummer Chad Smith) zeigten wie gut technisch anmutende Musik auf der Bühne funktionieren kann, wenn man sie nur mit Leben auffüllt.

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Nach diesem „schweren“ Sound war es an der Zeit für etwas Lockeres. PRAYING MANTIS waren somit perfekt im Billing platziert. Die wieder gut gefüllte Halle hatte am Abend richtig Bock auf Rock. Die Briten waren zwar die softeste Band des Wochenendes. Aber mit einem solchen Mitsingpotential war sonst keine andere gesegnet. Tolle mehrstimmige Harmonien und große Melodien waren angesagt. Speziell für diesen Anlass hatte man sich einen spezielles Oldschool-Set draufgeschafft, bei dem der Fokus auf dem fabelhaften Debüt „Time Tells No Lies“ lag. Die Band um die Brüder Chris und Tino Troy hatte anscheinend mächtig Bock auf die ollen Kamellen. Denn so euphorisch und agil sah man nur wenig Gruppen an diesem Tag auftreten. Jeder Ton saß, es kam pure Energie rüber und mit dem derzeitigen Sänger John Cuijpers hat man ein echtes Bühnentier am Mikro stehen. Tja, was soll man sagen. Es machte richtig Spaß Praying Mantis zuzuschauen. „Cheated“, „Captured City“, „Flirting With Suicide“ oder auch das abschließende Highlight „Children of the Earth“ sind richtige Melodie-Wundertüten, die einen nicht kalt lassen. Ein großer Höhepunkt an diesem Wochenende. In dieser Form darf das Quintett gerne mal wieder bei uns vorbeischauen!

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Es sollte aber ähnlich gut weiter gehen, auch wenn die Musik im Anschluss eine andere war. Statt britischem Rock gab es klassischen US-Metal auf die Mützen. Ein großer Klassiker dieses Genres ist das 1986 veröffentlichte „Graceful Inheritance“. Die Band dazu: HEIR APPARENT. Die Spannung war groß, ob die Band ihre Rolle als Co-Headliner vor dem vermeintlich großen Abschluss gerecht werden konnte. Alle Augen waren auf Neu-Sänger Will Shaw gerichtet. Der kleine Mann mit den wenigen Haaren auf dem Kopf und dem Wuschelbart hüpfte anfangs wie ein aufgeregter Gummiball über die Bühne und wirkte fast als sei er nur Gast der Band und nicht Teil davon. Aber meine Herren: dieser doch sympathisch rüber kommende Typ hat eine Stimme! Noch dazu wusste er sie auch noch richtig einzusetzen. Da saß jeder Ton und Shaw verbreitete eine Leidenschaft, die vom ersten Moment an mitriss. Die Band selbst machte es ihrem Sänger aber auch einfach. Technisch war das allemal beeindruckend. Vor allem Bassist Derek Peace ist ein ganz großer. Den Rest besorgten die Songs. Die Eröffnung mit „Dragon’s Lair“ war klug gewählt und versetzte das Publikum im Stimmung. Weitere Hymnen vom Schlage „Tear Down The Walls“ und „We The People“ folgten natürlich später. Im Laufe des Auftritts schien die Band ihr Publikum zu verlieren, als man ein paar ruhige Songs des Zweitalbums „One Small Voice“ spielte. Aber gerade der Titeltrack war durch die tolle, gefühlvolle Gesangsperformance Balsam für die Seele. Wie man es dreht und wendet: Heir Apparent sind ihrer Rolle gerecht geworden und entpuppten sich im Nachhinein als weiteres Highlight von Keep-it-true Nr. 19.

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Und dann war es endlich soweit: FATES WARNING traten in der Besetzung ihres dritten, gottgleich verehrten Albums „Awaken The Guardian“ auf. Vor vier Jahren fand etwas Ähnliches auch schon mal statt. Die KIT-Macher hatten es tatsächlich geschafft, dass Sänger John Arch nach einem Vierteljahrhundert wieder live auftritt. Der Gig war damals magisch und die Erwartungen an den heutigen waren riesig. Vielleicht etwas zu riesig. Denn dadurch konnten Fates Warning nur verlieren. Taten sie aber nicht wirklich. Es war gut. Vor allem, da John Arch sich anno 2016 wesentlich wohler auf der Bühne fühlte, regelrecht locker agierte und tatsächlich die Rolle als Frontmann ausfüllte. Gesanglich war das eh mal wieder top. Dass man das auch gut hörte, hatte der Tonmann John weit in den Vordergrund gemischt. Dafür klang der Rest leider etwas dürftig. Schade, das nahm dem Ganzen etwas von der Filigranität. Dem Publikum war’s egal. Es feierte seine Faves nach allen Regel der Kunst ab. Es wurde laut mitgesungen, wenn auch nicht so sehr wie tags zuvor bei Ross The Boss. Kein Wunder, wenn Manowar Bierzelt sind, ist das schon fast Oper. Also nicht gerade die einfachste Melodieführung. „The Sorceress“, „Fata Morgana“ und „Guardian“ live zu hören war ganz groß. Das lange Warten hat sich tatsächlich gelohnt. Ohne die rosa Brille muss man aber anerkennen, dass nicht jede Nummern von „Awaken The Guardian“, das man in seiner Gänze, Song für Song gespielt wurde, live so gut funktioniert. Man wusste im Vorfeld auch was kommt. Nach dem grandiosen „Exodus“ folgte aber auch noch ein Zugabenteil. Das feine und astrein gesungene „The Apparition“ war zu erwarten. Der Titeltrack vom Debüt „Night on Bröcken“ nicht unbedingt. Den Sack machte man mit dem epischen „Epitaph“ zu. Danach war Zeit seine Gänsehaut abklingen zu lassen. Es war gut, zweifelsohne. Ein wohl einmaliges Erlebnis, bei dem man stolz berichten kann, dabei gewesen zu sein.

 

Das Wochenende war viel zu schnell vorüber. Wir haben unseren Aufenthalt ziemlich genossen und freuen uns schon jetzt auf die Jubiläumsausgabe im nächsten Jahr. Hoffentlich wieder mit toller Musik, supernetten Leuten, aufschlussreichen Gesprächen und viel zu vielen Einkäufen auf dem angegliederten Metalmarkt. Ein episch anmutendes Programm (u.a. Mit Manilla Road, Omen, Ashbury, Q5, Atlantean Kodex und einem „Big Epic Headliner“) steht zum Teil schon fest. Fest steht auch, dass die 20. Ausgabe schon jetzt ausverkauft ist. Spricht wohl für das Besondere dieser Veranstaltung!

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