Eher zufällig bin ich kürzlich auf das kleine, aber feine „Rock am Beckenrand“ Festival im beschaulichen Wolfshagen im Harz gestoßen – welches dieses Jahr vom 18. bis zum 19.08. im dortigen Waldfreibad stattfinden wird – und habe diese glückliche Fügung zum Anlass genommen, dem Vorsitzenden des „RaB e.V.“, Peer Peters, ein paar Fragen zu der Veranstaltung zu stellen!

Genug der vielen Worte… jetzt geht`s los:

 

„Rock am Beckenrand“ ist mir quasi eher zufällig über die Beine geschwappt. Magst du unseren Lesern kurz erklären, worum es bei dem Festival genau geht?
Moin Jens, ich dachte, ich fange erst mal an dir zu erzählen, wie ober spitzenmäßig das Royal Republic Konzert in Bremen war. Aber das weißt du bestimmt schon. 😉
Wie bei jedem Festival geht es bei uns natürlich in erster Linie um die Musik. Mit bald 10 Jahren auf dem Buckel, können wir 2017 unser stärkstes Line-Up präsentieren. Mit dabei sind Royal Republic, The Kyle Gass Band, Liedfett und Massendefekt.
Neben Musik geht es bei uns aber um noch deutlich mehr. Durch die ehrenamtliche Arbeit von über 100 Leuten am Veranstaltungswochenende können wir eine Atmosphäre schaffen, an welche die großen Festivals nur schwer heran kommen. Wir sind kein riesen 100.000 Besucher Festival, wo der Besucher einer von vielen ist. Bei uns erreichst du den Projektleiter noch persönlich am Telefon und wenn dir etwas nicht passt, trinkt er ein Bierchen mit dir und redet darüber.
Zudem findet unser Festival in einem Waldfreibad statt. Eine unserer Bühnen ist direkt am Pool, wodurch unsere Besucher sich beim Wasser-Pogo austoben können. Die 13m Wasserrutsche, der Sprungturm und ein mögliches Unterwasser-Shooting runden das Konzept ,,Festival im Freibad“ ab. Oh, jetzt hätte ich unseren Wasser-Laufball fast vergessen. Du merkst, wir leben das Thema. ☺

Wie ich gelesen habe, geht ihr – nach einer Pause im letzten Jahr – nun bereits in die 8te Runde. Wie seid ihr damals auf die Idee gekommen ein solches Festival auf die Beine zu stellen?
Theoretisch gibt es uns schon seit 10 Jahren. Wir haben jedoch 2 kreative Pausen eingelegt, wodurch die Veranstaltung dieses Jahr zum 8ten Mal stattfindet.
Bei den ersten Veranstaltungen war ich persönlich noch nicht dabei. Man munkelt aber, dass das erste „Rock am Beckenrand“ noch kein Rock am Beckenrand war, sondern ein Volleyballturnier mit Live-Musik. Ein Jahr später zog man ein Fazit und stellte fest: Volleyball FLOP, Live-Musik rockt! Bei einer langen Sitzung auf dem stillen Örtchen des Gründungsmitglieds von „Rock am Beckenrand„, Behne, ist dann auch unser Name geboren worden. 😉 Er kam freudestrahlend vom Porzellanthron und verkündete „Ey, was haltet ihr von Rock am Beckenrand?

Dieses Jahr findet die Veranstaltung ja zum ersten Mal an zwei Tagen statt. Wieso… und wie kann man sich den Aufwand eines solchen Festivals vorstellen – mit wie vielen Helfern seid ihr vor, während und nach der Veranstaltung unterwegs?
Alles bei Rock am Beckenrand ist ehrenamtliche Arbeit, jeder Euro der übrig bleibt fließt in das Folgejahr. Es ist insgesamt 30 jungen und junggebliebenen Hauptorganisatoren zu verdanken, dass Rock am Beckenrand in dieser Qualität stattfindet. Am Veranstaltungstag selber arbeiten knapp 100 Leute mit.
2015 belief sich der Aufwand für unser Festival auf knapp 15-30h pro Woche. Das war der Punkt an dem wir überlegen mussten. Wollen wir wirklich weiterhin so viel Zeit und letztendlich private Entbehrung in das Projekt stecken? Die Antwort aller Organisatoren war eindeutig: Ja, wollen wir! Aber das Verhältnis von Aufwand und Erfolg stand nicht mehr in Relation. Deshalb haben wir 2016 eine Pause eingelegt und bereits für 2017 angefangen zu planen. Der Wandel von Rock am Beckenrand von einer Eintagesveranstaltung zum richtigen Wochenend-Festival. Und unser diesjähriges Line-Up ist das Ergebnis dieses Wandels und ich denke, das kann sich sehen lassen!

Mit wie vielen badewütigen Gästen rechnet ihr in diesem Jahr? Ab wann müsstet ihr die Schwimmflügel tragende Partymeute abweisen… soll heißen, wann ist „die Wanne voll“?
Insgesamt gibt es bei uns 3 große Bereiche. Einmal die Main-Area, die Pool-Area und die Green-Area. Es muss allen klar sein, dass Alkohol und ein Pool nur bedingte Freunde sind. Wenn jemand voller als der Pool ist und der festen Überzeugung ist, dass der Pool mit ihm spricht oder es gar 2 Schwimmbecken bei uns gibt, müssen wir ihn auf die anderen Areas verweisen. Insgesamt können ca. 600 Besucher in die Pool-Area. Auf das Gelände maximal 3000 Besucher.

Massendefekt

Foto: Dana Helbing

Wenn ich mir alleine die bisher feststehenden Bands des diesjährigen „Rock am Beckenrand“ ansehe – um einmal Royal Republic, Massendefekt, Liedfett oder die Kyle Gass Band exemplarisch zu nennen – wie schafft ihr es, solch imposante Bands in die idyllische Provinz zu locken?
Zum einen liegt es an der genialen Atmosphäre bei uns, zum anderen an unserem feierwütigen Publikum. Hauptsächlich haben wir aber ein Booking-Team, welches sich nur selten mit einem ,,nein“ zufrieden gibt. Die großenBands haben schon hunderte Auftritte hinter sich und schon fast alles gesehen. Aber die wenigsten hatten bisher das Vergnügen eine Lokalität wie unsere bespielen zu dürfen. Bei uns ist alles noch echt. Weshalb die Bands sich zum Beispiel auch oft mit unter die Besucher mischen. 2015 konntest du zum Beispiel Kapelle Petra in unserem Pool wiederfinden. Für 2017 haben viele Bands den Wunsch geäußert, mit ihren Fans auf dem Campinggelände nächtigen zu dürfen. Wo hat man sonst eine solche Nähe zwischen den Besuchern und Bands?

Aber auch vor zwei Jahren konnte sich das LineUp mehr als sehen lassen, denn Bands wie Fiddler`s Green, Wohnraumhelden oder Kapelle Petra verlaufen sich ja auch nicht einfach so zufällig in den Harz… Ich denke, das bedingt auch eine gute Planung und die einen oder anderen Kontakte, oder?
Da hast du vollkommen Recht. Die beste Werbung ist natürlich die Mundpropaganda unter den Bands selbst. Bisher ist uns noch kein böses Wort über unsere Bandbetreuung zu Ohren gekommen. Bei Ankunft einer Band gibt es immer eine Hauptansprechperson, welche der Band eine Führung über das Gelände gibt und anschließend immer greifbar ist. Zudem verlassen uns die Bands nie mit weniger Gewicht als sie bei der Anreise hatten. 😉

Neben den ganzen „Hochkarätern“ legt ihr aber auch Wert darauf, dass die heimische Musik-Szene bei dem Event nicht zu kurz kommt. Was für Auswahlkriterien gibt es diesbezüglich, wie fällt bei euch die Entscheidung, wer an dem Wochenende aufspielen darf?
2015 hatten wir einen youngster-Slot, welcher nur für neu gegründete Bands in einem Umkreis von 100km vorgesehen war. Die Bands konnten sich bewerben und anschließend stellten wir diese ausführlich vor und jeder konnte seinen Favoriten voten. Gewonnen hat eine Schulband, welche es zum einen echt drauf hatte, zum anderen es aber auch schaffte ihre gesamte Schule zu akquirieren. Das war schon beeindruckend, welche Energien sich da entwickelten.
Dieses Jahr haben wir es leider nicht geschafft, eine solche Aktion zu wiederholen. Durch das nun zweitägige Programm haben wir aber nun viel mehr Slots zur Verfügung, welche nur für

Royal Republic

Foto: Tanja Krell

lokale Bands vorgesehen sind. Die Auswahl trifft das Booking-Team dann gemeinsam. Bei der Auswahl der Bands spielt natürlich der Außenauftritt eine Rolle, die Booker fahren aber auch gerne zu Konzerten der kleineren Bands und gucken sich diese live an. Durch den Aufbau von Rock am Beckenrand als Verein gibt es aber auch noch zusätzliche Verein-Slots, wo vereinsintern jedes Mitglied Bands vorschlagen und anschließend für diese voten kann. Dieses Jahr hat es so z.B. A Traitor Like Judas aus Braunschweig zu uns geschafft.

Mit welchen Krachern dürfen wir dieses Jahr denn eigentlich noch rechnen und an welcher Band habt ihr euch bisher immer die Zähne ausgebissen, die ihr aber dann doch irgendwie noch für das „Rock am Beckenrand“ buchen wollt?
Wir hofften für dieses Jahr sehr auf Madsen, aber leider hat es terminlich nicht geklappt. Aber wir bleiben am Ball.

Und womit dürfen wir noch rechnen?
Im Vertrauen, da noch nicht veröffentlicht… Viele denken, dass The Kyle Gass Band dieses Jahr unser zweiter Headliner sein wird. Die Band ist klasse, aber ich kann dir verraten, dass er nicht unser zweiter Headliner sein wird…

Lässt du dich erweichen?
Ausnahmsweise 😉 Es war ein langer Weg dahin. Aber wir freuen uns dieses Jahr sehr euch ANTI-FLAG ankündigen zu dürfen!

Noch kurz eine abschließende Frage: Was hat es eigentlich mit dem „Unterwasser-Fotoshooting„ auf sich… Und wie kann ich mir das „Frühstück ans Zelt“ vorstellen?
Wenn du auf Facebook unser Titelbild ansiehst, siehst du ein paar verdammt gut aussehende Leute beim Unterwasser-Grillen. Da steckt kein Photoshop hinter, wir haben die Sachen wirklich versenkt. 😀
Und genau das machen wir am Veranstaltungswochenende auch. Nur noch etwas mehr… Vom Schlagzeug über Akkordeon, Gitarren und Grill bis zu einem Sofa wirst du bei uns unter Wasser alles finden. Mit einer Unterwasser-Kamera können unsere Besucher dann ein Foto machen lassen, unter Wasser versteht sich.
Einer unserer Highlights auf dem Campinggelände ist das Frühstück ans Zelt! Wenn du morgens nicht lange
Schlange stehen möchtest, bestellst du dein Frühstück einfach am Vortag und wir bringen es dir an dein Zelt. Jeder weiß, wie gemein so ein morgendlicher Kater sein kann, da wollen wir unseren Besuchern den Start in den Tag etwas angenehmer gestalten. 😉

Ach so, noch etwas: Wie ich hörte plant ihr ja vielleicht sogar einen Shuttle-Service für interessierte Gäste aus dem Bremer-Raum… wie kann man sich das Ganze vorstellen?
Wie man es sich vorstellen kann? Natürlich einfach und unkompliziert.☺ Für einen festen Betrag packst du deine Tasche, steigst in den Bus ein und 3 Stunden später bist du bei uns. Sonntag geht es dann bequem zurück. Das alles zum Festpreis und mit Begrüßungsbier im Bus. Das Angebot ist jedoch noch nicht in trockenen Tüchern. Wenn es so weit ist, erfahrt ihr es auf unserer Facebook-Seite.

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit… Ich freue mich schon auf das „Rock am Beckenrand“ Festival 2017. Die für meine Bikini-Figur notwendigen gut 20kg werde ich bestimmt noch verlieren… aber ganz bestimmt nicht zu diesem Jahr. 😀 !
Mach dir nichts draus, von den letztes Jahr geplanten 10 Kilo fehlen mir nur noch 13. ;D
Kilos verliert man, wir beide sind halt Gewinnertypen.

 

Na dann bleibt euch ja eigentlich im Moment nichts anderes mehr zu tun, als euch schleunigst Karten für das „Rock am Beckenrand“ zu besorgen… nähere Informationen gibt es entweder auf der Facebook-Seite oder auf der Homepage des Veranstalters!