Erika Angell – The Obsession With Her Voice (Constellation, 08.03.2024)

“The Obsession With Her Voice” ist das erste Soloalbum der in Montreal beheimateten Schwedin Erika Angell. Erika machte sich in Schweden mit der experimentellen Band Josef & Erika and The Moth einen Namen in der dortigen Experimental-Szene. In Kanada gründete sie dann mit Thus Owl eine weitere Experimentalband zu der etwas später auch Simon Angell, ihr heutiger Mann, stieß. Seit einigen Jahren besteht Thus Owl, die inzwischen auf einige Veröffentlichungen zurückblicken können, nur noch aus den beiden Eheleuten.

Nun wagt Erika also ihr erstes Soloalbum. Das erste was mir auffällt, ist ihre stimmliche Nähe zu der von mir sehr verehrten Carla Bozulich. Und um diesen Bonus gleich noch zu toppen, geht auch ihre Musik in eine ähnliche Richtung. Wenn auch die Herangehensweise etwas anders ist, da Erika Angell halt elektronisch komponiert und so die Grundlage der Musik elektronisch ist. Doch mit diesen Mitteln kreiert Erika einen dunklen Soundtrack, auf dem jazzige wie rockige Elemente aufsetzen. So pumpt ein elektronischer Bass langsam vor sich hin, während elektronische Elemente aus gesampleten Stimmen einen seltsamen Raum öffnen und Erika ihre dunkle Geschichte davor erzählt. Ein wahres Inferno an dunklen Klängen prallt hier auf den Hörer („German Singer“).

“Never Tried To Run” verbindet dunkle, mystische Trommeln mit einem wohligen 80er-Jahre-Synthiesound. Die Violinen erinnern, wie das Stück an sich, an ein Kate-Bush-Stück zu “The Dreamning”-Zeiten. Und da passt auch die Stimme sehr gut dazu. Durchaus eine Mischung aus Kate und Nina (Hagen).

„Open Eyes“ startet mit ganz dunklem, tief in die Magengrube zielenden Bass. Als Kontrast gibt es Gesang, der mystisch aus dem Raum kommend die Melodieführung übernimmt. So entsteht ein düsterer Elektroblues, der einem den Atem nimmt.

„Bear“ steigert das dann sogar noch. Ein dunkler elektronischer Jazzsound, umalt von einem sehnsüchtigen Cello. Über diesem melodiösen Gemisch bricht dann nach und nach elektronische Kakophonie aus, die mit den ebenfalls auftauchenden Violinen einen wunderbaren “Sound Noir” kreieren.

Das mit sechs Minuten längste Stück „Let your hair down“ beginnt mit dunkel schwurbelnden Cellos und sirenenhaften Gesang. Die Musik baut eine dunkle Atmosphäre auf, die gut zu einer mittelalterlichen Szene passen würde. Erdrückende, mystische Perkussionen und immer wieder aufbegehrende Streicher vollenden den Sound, der sich langsam immer weiter verdichtet und zu einem dunklen Orkan anschwillt. Hier kommt mir beim Gesang auch Lisa Gerrad in den Sinn, was durchaus daran liegen kann, dass die Musik mich auch ein wenig an Dead Can Dance erinnert.

Die zehn Stücke dieses Debüts sind durch und durch spannende Kompositionen, die zusammen ein ebensolches ungewöhnliches Album mit einem finsteren Grundton und einem großartigen Spannungsbogen ergeben. Eine große Mischung aus Elektronik, klassischen Instrumenten und einem außergewöhnlichen Gesang.

 

  1. Dress Of Stillness
  2. Up My Sleeve
  3. German Singer
  4. Never Tried To Run
  5. One
  6. Open Eyes
  7. Bear
  8. Let Your Hair Down
  9. Good And Bad
  10. Temple

https://www.discogs.com/de/artist/2616119-Erika-Angell
https://erikaangell.bandcamp.com/album/the-obsession-with-her-voice-2
https://en.wikipedia.org/wiki/Thus_Owls

4.8