Erik Cohen ist auch wieder so ein Typ Musiker, den ich ihm normalen Leben wahrscheinlich nie kennengelernt hätte, wenn wir uns (oder besser gesagt ich ihn) nicht zufällig beim 2016er Deichbrand-Festival auf der Newport-Bühne gesehen und gehört hätte.

Eigentlich schon im „Weitergehen“ begriffen, fing er genau in diesem Moment sein Set an und ich blieb erstaunt stehen und folgte den Minuten, die dort rockig energiegeladen folgen sollten – am Ende konnte ich eine gewisse Begeisterung nicht abstreiten, auch wenn ich dem Rock normalerweise ja eher nicht ganz so zugeneigt bin.

Lange Rede wenig Sinn, jetzt liegt auf jeden Fall das neue – und nach vier Jahren mit „III“ das bereits dritte – Studioalbum des Kielers vor mir.

Kernig rau und nordisch abgekühlt macht Erik mir schon bei den ersten Tönen von „Mexikanische Lieder“ klar, dass hier kaum Raum für Späße ist – ich meine, die Spaßgesellschaft hat sich bei dem ganzen Mist drumherum ja eh langsam aber sicher erledigt! Harte, rifflastige Gitarren scheinen dieses Mal auf jeden Fall mehr Beachtung zu finden… das ist jetzt schon klar – denn auch die „Sonne“ ist alles andere als rund und wärmend, sondern viel eher kantig und kühl!

Mit Vollgas geht es dann zusammen mit dem alten „Fährwolf“ auf nach „Fehmarn“ – treibende Schlagzeug-Beats und druckvolle Gitarren begleiten uns auf die Insel, auf welcher Jimi Hendrix damals beim legendären Love-and-Peace Festival 1970 seinen legendären letzten Festival-Gig vor seinem – leider viel zu frühen Tod – gespielt hatte.

Ganz dem runden Leder verpflichtet geht es dann in die „Englische Woche“, in welcher Erik seinem Holstein Kiel, den Fans und dem „vergessenen“ Stadion ein Denkmal setzt – wobei der aktuelle zweite Platz in der 2. Liga ja dann doch wieder ein wenig mehr von einer schicken (hoffentlich aber nicht Schicki-Micki) Zukunft träumen lässt, oder?! Und warum sollte sich nicht eigentlich auch ein Hool wandeln können und zum Sozialarbeiter werden?

Hart am Overkill“ bewegen wir uns dann gemeinsam über die „Spur der Steine“ direkt hin zu „Belphegor“, einem der Dämonen der christlichen Mythologie… ein Ritt durch die Hölle, mit Vollgas und ohne Rücksicht auf Verluste.

Und wenn du mal ganz tief in dich schaust, irgendwo brennt doch das „Alte Feuer“ immer noch in dir – dann sollte es ja auch kein Problem sein den „Gladiator“ frei zu lassen, oder?!

Abschließend frage ich mich, was bei „III“ hängen bleibt? Moment, folgendermaßen:

Erik Cohen verbindet gekonnt Rock, Metal und diverse Punk-Einflüsse… derbe und mit treibender Energie – und auch wenn ich so einige versucht habe aufzustoßen, ich habe keine Schublade gefunden in welche der Kieler wirklich gepasst hätte.

Die Scheibe wird bestimmt nicht jedem gefallen und ist für den einen oder anderen zu ruppig und rüpelhaft… ich persönlich kann mir das gute Stück aber jetzt schon zum dritten Mal hintereinander geben – also probiert es doch einfach selber aus!

 

Titel:
1. Mexikanische Lieder
2. Sonne
3. Fährwolf
4. Fehmarn
5. Englische Wochen
6. Hart Am Overkill
7. Spur Der Steine
8. Belphegor
9. Altes Feuer
10. Gladiator

 

Auf Tour geht’s für Erik Cohen dann ab Ende dieser Woche auch… nämlich hier hin:

26.01.18 Berlin – Cassiopeia
27.01.18 Hamburg – Hafenklang (AUSVERKAUFT!)
23.02.18 Düsseldorf – Zakk
24.02.18 Hannover – Mephisto
15.03.18 Dresden – GrooveStation
16.03.18 München – Backstage
17.03.18 Wiesbaden – Schlachthof
07.04.18 Kiel – Orange Club

Foto: Frank Peter

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Erik Cohen – III (RYL NKR Recordings/Rough Trade, 26.01.2018)
3.8Gesamtwertung