„Vāyu“ ist ein Split-Release auf dem mittlerweile sehr renommierten Berliner Postrock-Label Pelagic Records, das die schwedischen Postrockveteranen von EF und die israelische Psychedelic-Formation Tiny Fingers zusammen führt. Pelagic beheimatet schon seit einiger Zeit Künstler, wie die ebenfalls schwedischen Postrockspezialisten pg.lost, die chinesischen Genrekollegen Wang Wen oder die japanischen Ambient/New Classical/ Postrock-Legenden MONO und qualifiziert sich somit als Garant für qualitativ hochwertige, intensive, atmosphärische Musik.

Drei Stücke von EF und zwei Stücke von Tiny Fingers bringen „Vāyu“ auf eine Spielzeit von etwas mehr als einer halben Stunde. EF veröffentlichten mit „Give Me Beauty…Or Give Me Death!“ erst vor kurzem ihr 2006er Debütalbum in neuem Gewand auf weiß-bunt-gesplattertem Doppel-Vinyl wieder. Neues Material der Schweden gab es jedoch seit ihrem aktuellen Langspieler „Ceremonies“ von 2013 nicht mehr. Umso erfreulicher also, dass EF auf Pelagic scheinbar ein neues Zuhause gefunden und nach vier Alben und einer EP nun drei neue Stücke im Gepäck haben. Tiny Fingers aus Tel Aviv sind in ihrer Heimat als Vorreiter der regionalen Experimentalrrock-Szene gefeiert und blicken mit bereits fünf veröffentlichten Alben ebenfalls auf eine stolze Diskografie zurück.

Vergleicht man das wiederveröffentlichte Debüt und das aktuelle Studioalbum von EF, so lässt sich ein deutlicher Weiterentwicklungsprozess erkennen, der sich auf dem nun vorliegenden Material fortsetzt. Bereits auf „Ceremonies“ spielten Streichinstrumente eine wichtige Rolle im Sound der Göterborger. Dieses Stilmerkmal bleibt auch weiterhin erhalten und rückt die Schweden in Richtung eines recht folklastigen, organischen Postrockansatzes, bei dem im Vergleich zu älterem Material vermehrt Vocals auftreten. Diese sorgen für eine gewisse natürliche Zerbrechlichkeit des Sounds, besonders auf dem sehr ruhigen und atmosphärischen „Svu“. Mit dem längsten der drei Stücke „11 Shots And A Sudden Death“ liefern EF eines der besten Stücke ihrer Diskografie. Ein groovig, aber trotzdem stimmungsvolles Prachtstück, das mich unweigerlich an Mogwais „Travel Is Dangerous“ erinnert und nun endgültig Lust auf ein neues Album der Schweden macht.

Weniger organisch, dafür aber eine ganze Ecke vertrackter geht es auf den beiden Stücken von Tiny Fingers zu. Das israelische Quartett verzichtet gänzlich auf Vocals und konzentriert sich sehr auf technische Qualitäten, ist neben sehr mathigen Passagen aber auch in der Lage, eine dichte Atmosphäre zu kreieren. Das gelingt besonders bei „Dust“ sehr gut. Insgesamt verlangen die Tel Aviver dem Hörer allerdings einen etwas längeren Atem ab. Es geht weniger harmonisch und mehr experimentell zu. Das sollte allerdings unter dem Stichwort Psychedelic Rock niemanden wirklich überraschen und wäre somit als Kritik an dieser Stelle auch kaum angebracht.

Unter dem Strich gibt es auf „Vāyu“ knapp über dreißig Minuten atmosphärische Musik, in der ersten Hälfte verträumt, harmonisch, organischer Natur aus Schweden und in der zweiten Hälfte atmosphärisch, experimenteller, technischer Natur aus Israel. Fans der einen Variante müssen dabei nicht zwingend begeistert von der anderen Variante sein, qualitativ hochwertig sind beide Beiträge in jedem Fall. Wer sich für intensive Musik begeistern kann, dem sei diese Split-EP ans Herz gelegt.

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EF
01. Hiraeth
02. Sju
03. 11 Shots And A Sudden Death
Tiny Fingers
04. Dust
05. Sanhendrin

EF & Tiny Fingers - Vāyu Split-EP (Pelagic Records, 23.09.2016)
4.4Gesamtwertung