Zu Dream Theaters drittem Album habe ich gar keine wirklich autobiographischen Details parat. Die Band war Mitte der 90er einfach unausweichlich da, denn sie hatte mal so nebenbei ein Genre etabliert und in die Hitparaden dieser Welt katapultiert: Progressive Metal. „Images And Words“ mit der Single „Pull Me Under“ war ein Hit und so fand eben „Awake“ als dessen Nachfolger recht schnell den Weg in meine Sammlung und zeigte mir, dass es Mucke jenseits den üblichen Rock- und Metal-Songwriting-Formaten gibt.

„Awake“ scheint mir heute etwas wenig beachtet. Der Freak steht besonders auf das Debüt „When Dream And Day Unite“ mit Sänger Charlie Dominici, der Rest hebt „Images And Words“ als Genre-Meilenstein (objektiv gesehen: zu Recht) hervor. Doch dieses Ding hier ist anders als seine Vorgänger. Düsterer, härter, vor allem auch in Produktion bodenständiger und rauer, das Songwriting spannend und abwechslungsreich. Zudem ist das Album die Abschiedsvorstellung von Keyboarder von Kevin Moore, der hier noch einmal ordentlich Spuren hinterlassen hat.

Vor allem beim Abschlussstück „Space-Dye Vest“, einer leicht mystisch wirkenden, atmosphärischen Klavierballade mit effektvoll gesetzten Samples, die gleichzeitig wie ein Fingerzeig in Richtung seines Soloprojekts Chroma Key und der Band OSI mit Fates-Warning-Mastermind Jim Matheos rüberkommt. Aber fangen wir von vorne an.

 

 

Mit „6:00“ geht es los und die Nummer ist ein düster wirbelndes Prog-Stück voller spielerischer Finesse und überraschenden Gesangslinien. Die überraschende Härte liegt nicht nur am trockenen Album-Sound, sondern auch an der erstmaligen Verwendung einer siebensaitigen Gitarre, was damals noch nicht alltäglich im Metal war. John Petrucci lässt seine Axt in den Songs ordentlich kreisen, sorgt immer wieder für Akzente, auch wenn er immer wieder ins Sportliche abdriftet. Seine Band hält ihn in den richtigen Momenten aber immer wieder im Zaum, so dass stets nachvollziehbare Stücke entstehen.

Die Heavy-Nummern stehen aber besonders im Fokus. Zum Beispiel das elfminütige „Scarred“, das verdammt harte Stakkato-hafte „The Mirror“, das als Single ausgekoppelte, aggressive „Lie“ oder das ebenfalls ausgedehnte „Voices“. Jenes ist Teil des dreiteiligen „A Mind Beside Itself“. Teil 1 ist das mitreißende Instrumental „Erotomania“, „Voices“ ist der Strudel in der Mitte und „The Silent Man“ überrascht als einfache und weiche Akustikgitarren-Ballade.

 

 

Solche melodische Ruhepunkte tun dem Album gar nicht schlecht. Und Dream Theater verstehen es auch immer wieder regelrecht weiche, AOR-artige, ja, manchmal gar poppige Melodielinien in ihre Stücke einzuweben. Zum Beispiel beim etwas einfacheren „Innocence Faded“ und das nach einem düsteren Block gesetzte „Lifting Shadows Of A Dream“. „Caught In A Web“ bietet dagegen eine gesunde Mischung aus damals moderner Härte und gesunder Eingängigkeit. Hier gibt der hinter seinen Instrumentalisten immer wieder mit Hohn bedachte Sänger James LaBrie auch eine wirklich gute Vorstellung ab. Warum er immer wieder kritisiert wird, merkt man dafür in ersten Ansätzen bei „Voices“, bei dem der Mann teilweise kaum mit seiner Hintermannschaft mitzukommen scheint.

Aber das ist nur Makulatur und „Awake“ ist auch heute noch ein erstaunlich frisches und rundes Album, das kaum Patina angesetzt hat!

 

Trackliste:
1. 6:00
2. Caught In A Web
3. Innocence Faded
4. Erotomania
5. Voices
6. The Silent Man
7. The Mirror
8. Lie
9. Lifting Shadows Of A Dream
10. Scarred
11. Space-Dye Vest