Wer kennt sie nicht, Spinal Tap, welche als erste geschafft haben ihre Verstärker bis auf 11 zu drehen, die Covervorlage für Metallicas „Black Album“ lieferten, die Verwendung von Bühnenrequisisten auf ein neues Niveau hoben, die mehr Schlagzeuger auf mysteriöse Art und Weise als alle Bands der Welt zusammen verlorenhaben und der mit dem Film „This is Spinal Tap“ ein grandioses Denkmal geschaffen wurde? Da gibt’s nur ein Wort: Legende!

Recht überraschend meldet sich ihr Bassist Derek Smalls jetzt mit seinem ersten Soloalbum „Smalls Change“ zurück. Dafür musste er wohl erst geschlagene 74 (!) Jahre alt werden. Und da wundert es auch nicht, dass dabei ein Konzeptalbum, eine Platte übers Älterwerden, entstanden ist. Damit kennt sich der Herr ja schließlich aus, der hier nicht nur die vier Saiten würgt, sondern auch singt.

Alles andere wäre natürlich Unsinn, schließlich sind die meisten (oder wohl alle?) Songs autobiographisch. Songs über das wilde Tourleben und dort anzutreffende Inkuben, über körperlichen Verfall und dessen Folgen (Haarverlust, nachlassende Manneskraft), das heroische Festklammern an der Fahne des Rocks und ja, manchmal ist da auch ein alter Mann, der die moderne Technik nicht mehr versteht oder verstehen will. Das ist manchmal (eigentlich sogar ziemlich oft) hanebüchener Blödsinn.

Musikalisch standen große Namen an der Studiotür Schlange, um sich an den Nummern zu beteiligen. Chad Smith (Red Hot Chili Peppers), Peter Frampton, Steve Lukather (Toto), Dweezil Zappa, Joe Satriani, David Crosby, Donald Fagan (Steely Dan), Steve Vai, Phil X (Bon Jovi) oder auch Taylor Hawkins (Foo Fighters) sind nur ein paar davon, die ihr Scherflein zum Gesamtergebnis beitrugen. Da gibt es pathetische, aber unkitschige Balladen mit Orchester-Klimbim („Smalls Change“, „Hell Toupee“), knackige Rocker im Alice-Cooper-Format („Rock And Roll Transplant“, „Gimme Me Some (More) Money“), einen großen pathosbeladenen Progrock-Track als Abschluss („When Men Did Rock“) oder saftige Nummern, die stark nach den natürlichen Biotopen der Gastmusiker klingen: lässiger, funky Stoff á la Steely Dan („Memo To Willie“), wilde, nervöse Gitarrenabfahrten á la Zappa („MRI“) oder Vai („Gummin‘ The Gash“). An gewitzten musikalischen Ideen mangelt es nicht.

Man muss allerdings mit aller Deutlichkeit Sagen, dass die Lieder in Sachen Songwriting doch einen ziemlich biederen Grundstock besitzen und sie vielfach, wenn, dann doch nur Witz und der Spielfreude leben. Die dumpfe Produktion bremst letzteres aber immer wieder aus, genauso wie der brummige Gesang. Aber gut, über letzteres sieht man gerne hinweg.

Wie ist „Smalls Change“ am Ende nun? Objektiv eigentlich sehr schwer, bzw. eigentlich gar nicht ernsthaft zu beurteilen. Zwischen einer 1 und einer 5 ist – je nach persönlichem Gusto – so ziemlich alles drin. Wer hätte es gedacht? Es ist halt einfach ein Blödelalbum. Erwartungen somit erfüllt!

Trackliste:
1. Openture
2. Rock And Roll Transplant
3. Butt Call
4. Small’s Change
5. Memo To Willie
6. It Don’t Get Old
7. Complete Faith
8. Faith No More
9. Gimme Me Some (More) Money
10. MRI
11. Hell Toupee
12. Gummin‘ The Gash
13. She Puts The Bitch In Obituary
14. When Men Did Rock

 

Photo Credit:  Rob Shanahan