Mal ganz vorne weg: Lange hab ich bei einer deutschsprachigen Band nicht mehr so gern den Stempel „Punk“ verteilt. Lange war nichts mehr so Punk wie „Aus Liebe Zum System“. Ist einfach so.

Das Duo aus Hamburg treibt sich zwar thementechnisch im gewohnten Punkumfeld rum, aber Themen wie Faschismus, Leistungsdruck, Kapitalismus und manchmal auch schlicht das ständig wachsende Arschlochproblem in Deutschland werden hier augenzwinkernd verpackt, ohne mit den Augen zu zwinkern. Denn das wäre uncool. Diese Band ist aber cool. Und wie!

 

 

 

Wenn ich mir z.B. das großartig geniale „PAGUDA“ angucke und wie pfiffig (was ein Kackwort!) hier mit dem mega ätzenden „Ich bin kein Nazi, aber…“ abgerechnet wird, kann man das als politisch auf der richtigen Seite stehender einfach nur Feiern. Das der leicht hektische Sound, der sich nach dem Album fast schon als Wiedererkennungsmerkmal anbietet, so fett im Punk verwurzelt ist wie Dosenbier, bringt die durchdachten Songs noch weiter nach vorne.

Auch wenn es irgendwie moralisch falsch ist, mach ich es trotzdem und vergleiche Der Wahnsinn auf Grund ihrer durchdachten, wahnsinnigen und großartig sarkastischen Texte und Ideen mit einer Zeit, in der wir alle Teenies und die Ärzte noch gut und spannend waren. Z.B. bei „Sex“ muss ich sogar stimmlich an Farin Urlaub denken.

 

„Sind wir frei? Nein, wir schließen uns zum Scheißen ein“

 

 

Ich halte das jetzt auch einfach mal für gut, weil die Ärzte, auch wenn sie mich heute eher nerven, damals mit einem Punkbackground Dinge gemacht habe, die jedes Mal irgendwie anders und überraschend waren. Ähnlich sieht es bei Der WAHNSINN aus. Nur mit mehr Punk und mehr Arschtritt. Und wo wir bei Vergleiche sind, schmeiß ich aktuell noch Adam Angst in die Runde. Und da diese Mischung aus Ärzte, Adam Angst und doch irgenwie anders so geil ist, lehne ich mich weit aus dem Fenster und habe hier wohl im Punk eine der Platten in der Hand, die mich in den letzten Jahren am meisten überrascht haben.

An dieser Stelle kann ich auch keine Anspieltipps oder sowas geben, weil das Album einfach von vorne bis hinten Überraschungen im Sack hat und deshalb durchgehört werden sollte. Und weil das nicht genug ist, hat man einfach neben 12 Studiosongs noch 11 Livedinger draufgepackt. Geil!

Und by the way wird übrigens in „Hooligans“ vermutlich der „Sascha-Effekt“ einsetzen und RTLII guckende Helene Fischer Fans und Hooligans diverser Trottelvereine werden mitsingen. Nix verstehen, aber mitsingen. Ich freu mich drauf!

 

 

 

  1. Werther
  2. Fleisch
  3. Ich
  4. Hippies
  5. Geld
  6. OK
  7. Scha
  8. Paguda
  9. Sex
  10. 24-7
  11. Weil
  12. Hooligans
  13. Werther (live)
  14. Fleisch (live)
  15. Ich (live)
  16. Hippies (live)
  17. Geld (live)
  18. OK (live)
  19. Scha (live)
  20. Paguda (live)
  21. Sex (live)
  22. 24 – 7 (live)
  23. Hooligans (live)
Der Wahnsinn - Aus Liebe Zum System (Wahnsinn Records, 18.08.2017)
4.3Gesamtwertung