Der Text ist meine Party – Eine Geschichte der Hamburger Schule [Buchrezension] (Ventil Verlag, 07.06.2024)

Na eigentlich hatte ich mit der Hamburger Schule irgendwie nie so wirklich etwas am Hut – war mir das doch irgendwie immer zu speziell, zu experimentell, zu abgedreht… irgendwie, obwohl ich Hamburg an sich schon von klein auf geliebt habe, dann doch zu viel des Ganzen.

Klar kannte bzw. kenne ich Tocotronic, Bernd Begemann, Blumfeld, Die Braut haut ins Auge, Die Sterne und wie sie nicht alle heißen, aber aus dem Punk kommend, bin ich dann doch eher bei selbigem geblieben. Wobei ja einige der ehemaligen Hamburger Punk-Combos dann auch den Weg in Richtung Hamburger Schule genommen hatten.

Und ja, Tocotronic-Songs wie “Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“oder “Let There Be Rock” haben es sogar auf die eigene Band-Cover-Liste geschafft… und “Verstärker” von Blumfeld oder “Was hat dich bloß so ruiniert” von Die Sterne fressen sich dank des Ohrwurm-Charakters auch gelegentlich immer wieder in mein geschundenes Hirn, aber viel mehr ist dann auch nicht.

Deshalb war ich umso gespannter, nun mit “Der Text ist meine Party – Eine Geschichte der Hamburger Schule” die Chronik von Jonas Engelmann vor mir liegen zu haben, die sich mit einer der prägendsten deutschen Musikszenen des späten letzten Jahrhunderts beschäftigt.

Witzig ist alleine schon die Tatsache, dass die meisten der später bekannten Künstler:innen bzw. Bands gar nicht aus Hamburg stammten, sondern vielmehr aus der miefigen und piefigen deutschen Provinz in die damalige “Musikhauptstadt” gezogen sind. So war zum Beispiel Ostwestfalen ein Hotspot, sodass es vielleicht sogar zu einer Bielefelder-, Herforder-, oder Bad Salzuflener Schule hätte kommen können. Aber stellt man sich das Ganze dann alleine von der Begrifflichkeit her bei letztgenannter Stadt doch eher als Fall für den Logopäden, als für eine durchschlagenden Musikszene vor – Bad Salzuflener Schule wäre einem schwerlich über die Lippen gegangen, oder?! 😉

Jonas Engelmann hat sich auf jeden Fall intensiv mit der Szene und ihren Protagonist:innen beschäftigt und lässt viele der damaligen Kunstschaffenden zu Wort kommen, die ihre Sicht der Dinge zum besten geben. Mit von der Partie sind nämlich zum Beispiel Bernd Begemann, Myriam Brüger (L’Age D’Or), Ale Dumbsky (Buback), Ebba & Jakobus Durstewitz (Ja König Ja), Charlotte Goltermann (L’Age D’Or), Carsten Hellberg (Ostzonen­suppenwürfelmachenkrebs), Bernadette La Hengst (Die Braut haut ins Auge), Oliver Hörr (Boy Division), Bernd Kroschewski (Boy Division, Hrubesch Youth), Tobias Levin (Cpt. Kirk &.), Dirk von Lowtzow (Tocotronic), Jan Müller (Tocotronic), Hans Nieswandt (Whirlpool Productions), Carol und Chris von Rautenkranz, Knarf Rellöm (Huah!), Frank Spilker (Die Sterne), Linus Volkmann, Rebecca ›Nixe‹ Walsh, Frank Werner (Fast Weltweit), oder auch Thorsten ›Taucher‹ Wessel (Ostzonensuppenwürfel­machenkrebs).

Ich finde die Geschichten und Anekdoten in dem beinahe 250 Seiten fassenden Machwerk sehr informativ und kurzweilig. Das Buch ist genau die richtige Lektüre für abends im Bett, oder dort wo selbst der Papst alleine hingeht – und das ist in keinster Weise negativ gemeint!

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Broschur
248 Seiten
7. Juni 2024
25,00 €(D)
ISBN 978-3-95575-211-8

Der AUTOR

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Passend zum Buch ist gleichzeitig auch über Tapete Records unter dem Namen “Der Text ist meine Party – Die Hamburger Schule 1989–2000” eine Compilation mit allen wichtigen Protagonist:innen der Hamburger Schule erschienen, die als auf CD / Vinyl /ltd. Vinyl zu bekommen ist…

 

Titel:
1. Kolossale Jugend – Party
2. Kind und Kegel – Kind und Kegel
3. Bernd Begemann – Hitler – menschlich gesehen
4. Cpt. Kirk &. – Kommt alle zugleich nach D
5. Die Braut haut ins Auge – Lauf los
6. Die Fünf Freunde – Schlechte Laune
7. Die Sterne – Alles oder niemand
8. Die Regierung – Ein Idiot mehr
9. Die Goldenen Zitronen & Easy Business & IQ – Die Bürger von Hoyerswerda und anderswo
10. Blumfeld – 2 oder 3 Dinge, die ich von dir weiß
11. Concord – Ich fürchte fast es ist mir egal
12. Huah! – Der Krieg-Song
13. Tocotronic – Die Welt kann mich nicht mehr verstehen
14. Stella – Sie sagt
15. Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs – Von Haus aus allein
16. JaKönigJa – Die Stadt im Sommer
17. Sport – Du und deine Welt
18. Kante – Die Summe der einzelnen Teile (Radio Mix)

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Und um das Ganze dann noch zu komplettieren, seht ihr hier noch darüber hinaus die TV-Dokumentation über die Hamburger Schule von Natascha Geier, die Anfang Juni beim NDR und bei ARD Kultur erschienen ist…

In den beiden jeweils 30minütigen Teilen könnt ihr euch dann auch noch ein paar bewegte Bilder, Mitschnitte, Interview-Schnipsel und vieles mehr gönnen. Wer also (wie ich) bisher noch nicht wirklich ausführlich über die Hamburger Schule auf dem Laufenden war, kann sich hier umfassend visuell informieren.

Ich persönlich bin zwar immer noch kein großer Fan der Hamburger Schule geworden, es hat mir aber Spaß gemacht mich einmal intensiver mit der Materie zu beschäftigen.

Lest rein, hört rein, schaut rein… hier ist bestimmt für alle etwas dabei!