“…., dass es nicht reicht, die AfD abzulehnen sondern jede rechte Politik verurteilt und kritisiert werden muss” Interview mit Kafvka

Kurz vor dem Release von “Kaputt” Ende Juni habe ich Kafvka ein paar Interviewfragen geschickt, die mir Sänger Jonas beantwortet hat. Den virtuellen Smalltalk, der gar nicht so small ist, könnt ihr hier lesen.

Alles zum neuen Album dann demnächst von mir.

 

Sven:

Wie oft habt ihr nach „Paroli“ in der Beschreibung, bzw. in Reviews über Euch „wenn du X mit Y mischt, kommen Kafvka dabei raus“ gehört? Und hat Euch das sehr genervt?

Jonas:

Haha haben wir tatsächlich nicht einmal gehört glaube ich, aber wenn ich es mir vorstelle – hätte uns schon genervt glaube ich 😀

Sven:

Wie hoch war der Druck oder das Gefühl auf „Kaputt“ die nächste antifaschistische Hymne für die IndieDisco nebenan, aber auch die Demo im nächsten Kiez schreiben zu müssen?

Jonas:

Ich glaube beim Schreiben von „Kaputt“ haben wir zum ersten Mal überhaupt keinen Druck gespürt. Wir haben einfach gemacht worauf wir Bock hatten und versucht so wenig wie möglich über Verwertbarkeit nachzudenken. Bei manchen Songs hatten wir schon mal den Gedanken, dass es unsere Hörer*innen evtl. überraschen könnte, aber wir haben mittlerweile so viel Vertrauen in die Menschen, die mit uns sind – Vertrauen, dass sie offen sind, z.B. neuen Sounds gegenüber, dass sie so hängengebliebene Maßstäbe wie Genres kaum noch interessieren und vor allem, dass sie auch uns vertrauen in dem was wir machen.
Den Druck, die nächste Antifa-Hymne liefern zu wollen, den hatten wir vor allem 2019/2020, direkt nach dem Erfolg von “Alle hassen Nazis“. Wir haben aber relativ schnell gemerkt, dass es die Kreativität ziemlich runterzieht, sich mit sowas zu beschäftigen. Gleichzeitig sind wir natürlich superhappy wenn neue Musik von uns z.B. wenigstens mal unseren zweitstärksten Song „Fick dein Volk“ vom zweiten Streaming-Platz verdrängt 😀

Sven:

Im Gegensatz zu „Paroli“ wirkt „Kaputt“ auf mich mutiger und befreiter, weil Hymnen wie „Wo sollen wir wohnen“ keine Klischees und mehr Pop (im guten Sinn) dabei haben. Liegt das an der Post-Pandemie-Phase beim Schreiben?

Jonas:

Das ist sehr schön zu hören – das kommt ja dem recht nahe, dass ich gesagt habe, dass wir uns zum ersten Mal gar keinen Druck gemacht haben. Ich glaube aber mit Postpandemie hat das wenig zu tun, eher mit unserer persönlichen Entwicklung und unserem Standing als Band, was wir die letzten Jahre immer mehr festigen konnten. Ich habe auch das Gefühl, wir sind derzeit live entspannter und gelöster sind als je zuvor. Ich habe das Gefühl, wir spielen grad ein Konzert vor allem für uns selbst als vier Freunde, die sich und ihre Musik lieben und holen dann zusätzlich das Publikum ab mit diesem Vibe.

Sven:

Bei „Träume lesen“ hatte ich kurz Schlager-Vibes und bei „Danke Nein Ja bitte sehr“ dachte ich im Refrain zwangsweise an Kraftklub. War das geplant?

Jonas:

Die Schlagervibes von Träume lesen haben wir vor allem unserem Co-Producer und engen Freund Sebastian Ganso zu verdanken 😀 nachdem er unsere Bandskizze bearbeitet hatte, waren wir auch erstmal bisschen verwirrt aber fanden es dann relativ schnell auch sehr geil. Und irgendwie passt es ja auch voll zum Text, der irgendwie auch ein bisschen Schlager-mäßig wirkt – obwohl es einfach nur eine ehrliche, dankbare Message an unsere Fans und den gemeinsam Spirit ist. Aber klingt halt schnell nach Schlager auf deutsch so ein Satz wie „du und ich“ 🙂 Gleichzeitig ist der Refrain natürlich (wie so vieles) auch wieder eine kleine Hommage an meinen liebsten Rio Reiser („du und ich sind nur 2 von Millionen hier“), dem ja auch gern mal der Schlagervorwurf gemacht wurde.

Dass etwas an Kraftklub erinnert war tatsächlich eher nicht geplant, aber ist auch voll ok die Assoziation:) Ganz am Anfang unserer Historie hat mal ein Hater nach einem Konzert in Kassel gesagt „Kafvka is Kraftklub für Arme“. Fanden wir direkt ok, weil dann ist im Umkehrschluss Kraftklub ja Kafvka für Reiche wäre und dann sind wir lieber für die Armen da als für die Reichen…

Sven:

Als ich von eurem Auftritt bei der Großdemo in München gelesen habe, musste ich lachen. Warum ausgerechnet München und wie war das mit den ganzen Diskussionen im Nachgang? Akustik-Set beim Söder-Geburtstag ist damit wohl durch?

Jonas:

Das war Zufall:) Wir sind recht gut vernetzt mit Leuten von FFF, die das mit organisiert hatten und unser Kontaktmensch meinte, die Münchener Gruppe würde sich krass wünschen, dass wir das Ding spielen. Da das die Zeit der vielen Demos gegen die AfD war und wir eh immer Bock haben live zu spielen, haben wir recht spontan zugesagt, obwohl wir noch mitten im Albumprozess steckten. Bei den Diskussionen danach ging es ja vor allem darum, dass wir in unseren Ansagen thematisierten haben, dass es nicht reicht, die AfD abzulehnen sondern jede rechte Politik verurteilt und kritisiert werden muss – also auch die in Teilen rechte Politik der Ampelregierung. Dass es diese Diskussionen gab finden wir aber wichtig, weil es eben zeigt, wie viele Menschen denken, es würde reichen nur gegen die AfD zu kämpfen. Dabei wird „Remigration“ in Form von sehr vielen skrupellosen Abschiebungen von SPD, FDP und auch den Grünen jetzt schon durchgezogen, genau wie eine Umverteilung zu Gunsten von Reichen und einer Sozialpolitik gegen finanziell Schwache. Das ist alles rechte Politik!

Sven:

In der Regel habt ihr im Musikbereich auch ziemlich fix mit Haien zu tun. Wie schafft ihr den Spagat davon leben zu können, aber die Arschlöcher zu umgehen?

Jonas:

Wir hatten in unseren zehn gemeinsamen Jahren auch schon hier und da mit Haien oder zumindest paar ungemütlichen Clownsfischen oder so zu tun 😀 Aber mittlerweile ist es ein kleiner vertrauter Kreis, der uns umgibt, mit tollen Menschen. Hinzukommt, dass ich (Jonas, Sänger) derzeit der einzige bin, der von der Musik leben kann. Zum Einen, weil ich sowieso schon immer sehr low-budget lebe und nicht viel Geld brauche, zum Anderen weil ich als alleiniger Texter einiges mehr durch die GEMA verdiene als die anderen. Wir hoffen aber sehr, dass ab nächsten Jahr alle von uns allein von der Musik leben können oder zumindest die Lohnarbeit auf ein Minimum reduzieren.

Sven:

Und an die Frage davor anschließend: Was sind die Pläne? Ihr habt es im großartigen „Underrated Forever“ gesagt

„»lieber Fanbase die bleibt, als ein Hype der vergeht« „.
Ist das der Plan?

Jonas:

Das ist auf jeden Fall der Plan, aber bissi hype der das Überleben als Band einfacher macht, nehmen wir natürlich immer gern temporär on top, wenn wir es uns aussuchen könnten 😀

 

 

Sven:

Bei den ganzen verschiedenen Einflüssen auf dem Album. Wie wurde ihr sozialisiert? Im politischen Rap oder im Punk? Beides?

Jonas:

Das ist super divers bei uns: Saschis Haupteinflüsse sind Queen, Pink Floyd und Genesis; der König kommt eher aus Richtung Prog und Grunge, ich komme aus Richtung Hiphop seit Ende der Neunziger bis Trap und Afrobeat und Alessio feiert einfach sehr viel unterschiedliche Musik. Punk ist bei uns musikalisch kaum zu finden, eher in der politischen Sozialisierung. Unsere gemeinsamen musikalischen Einflüsse sind wohl vor allem Rage against the machine, Limp Bizkit und so Kram. Und bei mir kommt noch ein großer Einfluss von Ton Steine Scherben und Rio Reiser dazu…

Sven:

Wie oft kommt es vor, dass ihr Gegenwind aus der HipHop-Szene bekommt, wenn ihr sexistische und homophobe „Kollegen“ kritisiert?

Jonas:

Bisher nie:) Aber ich glaube, die Überschneidungspunkte sind einfach zu klein oder so. Ich glaube z.B. nicht, dass Samra den Diss auf „Geburtstag“ mitbekommen hat tbh 😀

 

 

Foto Credits: Thomas Tiefseetaucher