„When we were beautiful” der Augsburger Prog-Metaller Dante ist ein Album über Vergänglichkeit. Dass der Tod dabei allgegenwärtig ist, versteht sich fast von selbst. Schließlich ist Bandgründer und Gitarrist Markus Berger Anfang 2013 verstorben. Die Veröffentlichung des letzten Albums „November Red“ erlebte er gar nicht mehr. Das will erst einmal verarbeitet werden.

Musikalisch erwartet einen in den rund 64 Minuten allerdings keine musikalisch bedeckte Trauerveranstaltung. Nein, im Gegenteil. Das Album ist mit Ausnahme der ruhig-melancholischen Klavierballade „Sad today“ sogar ziemlich bissig und hart. Stellenweise erreicht das Gitarrenriffing schon fast einen Härtegrad wie ihn die Groove-Metaller Machine Head vorleben. Oder man knüpft an Dream Theaters „Train of Thought“ an, das ein ähnliches Brett war.

Denn den Vorwurf eine Art Dream-Theater-Epigon zu sein, können Dante auch dieses Mal nicht abschütteln. Das ist bei der gebotenen Qualität aber auch gar nicht schlimm. Was die Band dafür noch auszeichnet ist eine gewisse Theatralik, die hin und wieder Savatage-Niveau erreicht. Das liegt vor allem an Sänger Alexander Göhs, der eine außerordentliche und äußerst emotionale Gesangsleistung mit einer angenehmen Wärme an den Tag legt. Wenn man hört wie er sich in die Texte stürzt und immer wieder feine Melodiebögen vorlegt, reißt das einfach mit.

Das braucht die Musik auch. Denn hin und wieder wird das Ganze arg maschinell, wenn man sich hart groovend, ruppig und verwinkelt durch die meist überlangen Songs schiebt. Die Songstrukturen selbst orientieren an schon fast altmodisch progressiven Strukturen (Stichwort: 90er), so dass man geneigt ist, das Ganze als „Retro-Prog-Metal“ zu bezeichnen. Viel netter wäre aber der Begriff zeitlos.

Spielerisch lässt die Band nichts anbrennen und man muss Keyboarder Markus Maichel hervorheben, der mal wieder zeigt, dass man sein Instrument auch virtuos bedienen kann und es nicht nur dazu da ist unauffällige Klangteppiche zu weben. Denn unauffällig ist hier gar nichts. An den zahlreichen Ecken und Kanten, die die Musik bietet, kann sich der Genre-Fan mit Genuss reiben und findet vieles das begeistert. Wer eine Kostprobe möchte, der hört am besten in „Finally“ rein. Das epische Abschlussstück bietet am Ende noch einmal die ganz Bandbreite von großem Getöse mit antreibendem Sound, emotionalem eingängigem Gesang und solistischen Kabinettstückchen.

Ein toller Abschluss eines guten Albums!

Dante - When We Were Beautiful

Trackliste:
1. Rearrangement Of The Gods
2. Ambitious
3. Beautiful Again
4. Until The Last Light Breaks In
5. Let Me Drown
6. Sad Today
7. Finally

Dante - When We Were Beautiful (Gentle Art of Music, 18.03.2016)
4.0Gesamtwertung