Black Metal geht mir ja eigentlich am Allerwertesten vorbei. Das oft aufgesetzte satanische Gekreische lässt mir die Fußnägel spätestens beim 6(66) Takt des ersten Songs eines Albums noch oben klappen. Bei den Briten von Cradle Of Filth ist das anders. Die Briten um Dani Filth liefern seit Jahren gute Alben ab, auch wenn die wirklichen Meilensteine wie „Midian“ und „The Principle Of Evil Made Flesh“ schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Das 2015er Album „Hammer Of The Witches“ gehörte allerdings auch zu den sehr guten Alben der Band!

Während „Hammer Of The Witches“ die Band von ihrer eher eingängigen Seite gezeigt hat, geht der neue Longplayer „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ wieder ein wenig in der Zeit zurück und die Band orientiert sich deutlich an ihren Anfängen, ohne allerdings den fiesen schwarzen Sound der frühen Alben zu erreichen. Dazu sind Dani Filth und Co. inzwischen einfach zu professionell und die Band ist definitiv auch im Metal-Hochglanzsektor angekommen!

Das Intro trägt den schicken Titel „Exquisite Torment Await“. Mit schrägen Tönen und düsteren Riffs lassen Cradle Of Filth hier also die Höllentore öffen. Irgendwann hört man einen spitzen Schrei und los geht die Black Metal Luzy. Fette Chöre begleiten die Band auf dem kompletten, auch in diesem kurzen Introsong lassen Cradle Of Filth diese schon erklingen. Fast gezügelt ist dann schon der direkte Einstieg in „Heartbreak And Seance“, allerdings auch nur solange bis Herr Filth mit den Gesang einsetzt. Das Tempo wird ordentlich nach oben gezogen. Wie eigentlich immer schon, strahlt die Band auf „Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ eine kühle Eleganz auch, welche oft mit versteckten Melodiebögen einhergeht.

Der erste Teil des Albums schraubt sich immer weiter in den Gehörgang und wirkt dabei unheimlich stimmig. Als fünfter Song wartet dann „The Seductiveness Of Decay“ auf die Hörmuscheln. Der Song ist groß, ziemlich groß und könnte sich zum All-Time Klassiker der Band entwickeln. Die Blastbeats fliegen nur so durch den Raum, und zwar so lange, bis plötzlich das Tempo rausgenommen wird und die Band in einen Rhythmus verfällt, der auch von Iron Maiden stammen könnte.

„Cryptoriana – The Seductiveness Of Decay“ ist ein sehr starkes Album geworden. Es scheint, die aktuelle Bandbesetzung hat sich inzwischen eingespielt!


1.Exquisite Torments Await
2. Heartbreak And Seance
3. Achingly Beautiful
4. Wester Vespertine
5. The Seductiveness Of Decay
6. Vengeful Spirit
7. You Will Know The Lion By His Claw
8. Death And The Maiden

http://www.cradleoffilth.com/

 

Photo credit: Artūrs Bērziņš

Cradle Of Filth - Cryptoriana - The Seductiveness Of Decay (Nuclear Blast, 22.09.2017)
4.4Gesamtwertung