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Ich gebe zu, mit den letzten Coheed Alben seit dem Ende der Tetralogie bzw. „Year Of The Black Rainbow“ konnte ich nicht viel anfangen. Man hatte den Eindruck, die Band suche sich selbst.

Aus diesem Grunde war ich auch durchaus skeptisch was „The Color Before The Sun“ anging. Die ersten vier Alben sind unbestrittene Meisterwerke und auf der letzten Tour spielten sie ihr vermeintlich stärkstes Album „In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3“ an einem Stück live durch.

Ich denke das Problem liegt darin, dass Frontmann und Mastermind von C&C teilweise in zu wirren Strukturen denkt, die der herkömmliche Fan nicht leicht nachvollziehen kann.

Mit „The Color Before The Sun“ ist der Band aber ein Album gelungen, welches man durchaus als gelungen und solide bezeichnen kann.

Wo die Band früher gerne einen Schnörkel mehr in einen Song reingehauen haben, sind sie hier ganz darauf konzentriert eine absolut homogene Masse an Songs zu schreiben, die locker und leicht klingen sollen.

Dies gelingt ihnen ausgesprochen gut. Man könnte behaupten, der VÖ der Scheibe ist zu spät gewählt. Sie gehöre eigentlich in den Sommer. Denn das ist mein Gefühl, das beim hören hängen bleibt. Hier findet sich nichts sperriges. Vor allem der Song „Young Love“ kann exemplarisch dafür genommen werden.

Die Vorab-Single „You Got Spirit Kid“ war eine exzellente Wahl. Sie ist nicht der allerstärkste Song des Albums, was man häufig ja leider so empfindet. Nein, der Song ist ein schöner Stampfer um vielleicht die letzten Sonnenstrahlen des Jahres mit seinem/- r Liebsten zu verbringen.

Natürlich können Coheed nicht komplett auf den Bombast verzichten, der sie soundmäßig so von der Masse abhob. Aber sie setzen hier und da reduziert und kontrolliert ein. Wunderbar ist dies beim Opener „Island“ zu hören, wo man bei den ersten Sekunden unweigerlich an Queen denken muss und bei „The Audience“, wo das einsetzende Schlagzeug einen gewissen Phil-Collins-Drumming-Touch besitzt.

„The Audience“ und „Eraser“ sind vielleicht noch die Songs, der am ehesten an die ersten Platten erinnert. Das ist aber alles nicht negativ gemeint. Es wäre meiner Ansicht nach furchtbar, wenn eine Band ihre Wurzeln aus den Augen verliert.

Für viele ist und wird die Stimme von Claudio Sanchez gewöhnungsbedürftig bleiben, aber wenn man sich darauf einlässt, wäre dies sogar die Scheibe, die man Neulingen auf dem Gebiet „Coheed & Cambria“ empfehlen kann, ums sie im Anschluss an die Geschichte der ersten vier Alben den „Armory Wars“ heranzuführen.

Zum Abschluss des Albums gibt es die nahezu traditionelle Ballade. „Peace To The Mountain“ klingt nicht nach Kitsch, sondern ebenfalls nach lauen Sommerabenden in der Natur. Wäre dieses Album ein Menü, könnte man es für ein sommerlich leichtes Abendbuffet halten, mit großartigen Dekorationen und einigen Showeinlagen. Das viel traditionelle, aber auch neue Küche verkörpert. Ein Buffet, das nicht quer im Magen liegen bleibt, sondern man hofft, dass der Geschmack noch länger im Mund bleibt, weshalb man gerne zwischen den Zähnen pult.

„The Color Before The Sun“ ist ein schönes, warmes Album- weshalb man sich fragen darf, warum es im Herbst veröffentlicht wird. Das passt so ziemlich gar nicht. Die Kompositionen sind nicht zu verkopft, sonder bietet zum Teil wunderbare Pop-Melodien und die Ein oder Andere Hook bleibt im Ohr hängen. Der typische Coheed & Cambria-Sound ist nach wie vor vorhanden. Das Album macht Spaß und ist solide. Ein Meisterwerk wie einst „In Keeping Secrets Of Silent Earth:3“ ist es aber nicht. Aber Coheed haben ein gutes souveränes Album abgeliefert.

Anspieltipps: “Island”, “Young Love”, “You Got Spirit, Kid”, “Peace To The Mountain”

Tracklist:

  1. Island
  2. Eraser
  3. Colors
  4. Here To Mars
  5. Ghost
  6. Atlas
  7. Young Love
  8. You Got Spirit, Kid
  9. The Audience
  10. Peace To The Mountain
Coheed and Cambria – The Color Before The Sun (Rykodisc / Warner, 16.10.2015)
4.1Gesamtwertung
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