„And the moral of this story is, that bands with no talent can easy amuse idiots with a stupid puppet show“ – na wer erinnert sich an diesen Satz? In Zeiten in dem Viva sich nicht mit seinem geplanten Ende, sondern sogar einen Rockableger VIVA2 beschäftigte und MTV ein Musiksender war, war es möglich, dass Bands einfach nur durch verrückte Musikvideos bekannt wurden – wenn es nur ein One-Hit-Wonder wird. Green Jelly passt wunderbar in diese Kategorie, denn das Video zu „Three little Pigs“ wurde im Jahr 1993 auf diesem Wege berühmt. Sicherlich nicht wegen der musikalischen Qualität, die war recht simpler Punkrock – sondern wegen den drei kleinen Schweinen, die nun mal vom bösen Wolf attackiert werden und letztlich von schießwütigen Rambo gerettet werden – köstlich!!!

Bleibt also die Selbsterkenntnis, dass man zu den Idioten gehört, die sich von einem solchen Video amüsieren lässt – akzeptiert, ich brauchte das Album (neben mir übrigens weiter 2,5 Millionen weltweit laut Plattenfirma) und der erste Eindruck wird weiter bestätigt. Angefangen beim Titel des Albums – „Cereal Killer Soundtrack“: nein, dieser Soundtrack handelt nicht von einem Film, auch nicht von einem Serienmörder – es geht hier den Cerealien an den Kragen – also rein mit dem Müsli!

Der Stil einfach und doch ausgefallen, mit schrägen Gesängen, Soli und Übergängen. Das punkige „Obey the Cowgod“ ist ein guter Opener mit witzigem Text, der im Ohr hängen bleibt.

Die Band spielt permanent mit Stilen und Gesängen – besonders „Rock’N’Roll Pumpkin“ hat es mir angetan – wahrscheinlich für viele unerträglich. Ich muß zugegeben, auch Jahre später noch lachen zu müssen, wenn ich „Cereal Killer Soundtrack“ höre.

Natürlich dürfen schräge Cover nicht fehlen: So wurde aus Sex Pistols‘ „Anarchy in the UK“ der Fred-Flintstone-Ableger „Anarchy in Bedrock“ – Anarchie war bei Green Jelly ohnehin groß geschrieben, bekannt waren sie auch für sehr ungeordnete Live-Auftritte, in denen es drunter und drüber ging – nicht fehlen durften aber die Pappmaschee-Figuren der kleinen Schweinchen, des Kuhgotts, des Shitmans, des Rock-N-Roll-Kürbis und ähnliche Figuren, die der Band in ihrer Kreativität so einfielen. Schade, dass ich sie selbst nie live gesehen habe. Nicht selten mussten sie für die Reinigung aufkommen, war es doch Usus die Band mit grüner Götterspeise zu bewerfen (wie der Name schon sagt…).

In „Electric House of Love“ nahm die Band in einer Passage Anleihen aus Metallicas „Enter Sandman“, was ihnen dann noch Ärger in Form einer Klage von Metallica einhandelte. Ich persönlich fand das damals ziemlich humorlos von den Metalgrößen, da hätte man drüber stehen können.

Neben dem Punkrock wurden auch noch andere Stile durch den Kakao genudelt, dass ausgerechnet das funkige „Trippin on XTC“ stark nach Red Hot Chilli Peppers klang, war sicherlich kein Zufall. Mit „House me Teenage Rave“ wurde dann die stark wachsende Hip-Hop-/Acid-Szene der 90er Jahre aufs Korn genommen – Musikalisch schwer erträglich, textlich nahezu unbeschreiblich amüsant und definitiv nicht Jugendfrei – und endet im Orgasmus!

Damit nicht genug, dass der „Shitman“ und seine verunglückten Abenteuer besungen werden. „What is this smell?“ setzt dem ganzen noch die Krone auf – inklusive abschließender Klospülung nach Gitarrensolo! Nein, dieser Band ist nichts heilig (außer vielleicht dem Kuhgott) und Tabus schon gar nicht!

Rausbefördert wird man aus dem Album mit dem „Green Jelly Them“, der herzhaft gerülpst beginnt und das Selbstbild der Band herzhaft darstellt – „We got no talent, but that’s allright“ – „Who are the worst, the worst in the land?“ – Diesen Titel erwarb man übrigens als Vorband der Ramones, die dieses im Interview aussagten. Auch hier ging es nicht primär um die Musik, sondern um die Götterspeise-versauten Instrumente – lecker! Was bleibt: Ein One-Hit-Wonder und ein Album, was noch mehr als zwanzig Jahre später ein Grinsen ins Gesicht zaubert, sofern man den gleichen Humor teilt.

Tracklist:

  1. Obey the Cowgod
  2. Three little Pigs
  3. Cereal Killer
  4. Rock-N-Roll Pumpkin
  5. Anarchy in the UK
  6. Electric Harley House of Love
  7. Trippin on XTC
  8. The Missadventures of the Shitman
  9. House me Teenage Rave
  10. Flight of the Shajaquada
  11. Green Jelly Theme Song