Citizen aus Michigan und Ohio. Das ist eine Band, die in ihrer vergleichsweise jungen Karriere schon eine gewisse klangliche Versatilität bewiesen haben. Während die Debüt-EP „Young States“ der Pop-Punk Revival Ästhetik zuzuschreiben war, folgte mit „Youth“ ein Debüt-Album, das das Tempo etwas drosselte und sich in die Indie-Emo Ecke à la Tigers Jaw, Turnover, Seahaven und co. bewegte. Allerdings auch nur, um mit „Everyone Is Going To Heaven“ von einem Grunge-inspiriertem Nachfolger voll von progressiver Energie abgelöst zu werden.

Im Interview vergangenes Jahr verrieten mir Nick und Jake bereits, wie wichtig ihnen die Weiterentwicklung des eigenen Sounds und das kreative Herumexperimentieren mit Stilen und verschiedenen musikalischen Ansätzen ist. „Wir wollen unseren Sound niemals finden“ war in ungefähr der O-Ton vor gut eineinhalb Jahren.

Auf „As You Please“ wird deutlich, dass sich die Experimentierfreudigkeit bezüglich verschiedener Stile und Sounds auszahlt. Citizen haben auf ihren musikalischen Reisen viel gelernt und ich habe bei diesem Album das Gefühl, dass sie erstmals in der Lage sind, all ihre Erfahrungen zu bündeln und in ein konsequent gutes Songwriting umzumünzen. Auch wenn die Jungs mir letztes Jahr sagten, dass sie ihren Sound gar nicht so wirklich finden möchten. Ich habe das Gefühl, dass ihnen genau das auf diesem Album – unter Umständen ganz unabsichtlich – gelungen ist.

Der Hörer wird mit dem Opener „Jet“ gleich mit einer gelungenen, unheimlichen Grundstimmung begrüßt. Das ist sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt. Das Album soll sich mit der desolaten, gesellschaftlichen Situation in den Vereinigten Staaten und insbesondere im Rustbelt, zu dem auch die Heimatstaaten von Citizen gehören, auseinandersetzen. Dabei wird ein bedrückend ehrliches Statement der Desillusion gemacht, das mit der hohl gewordenen Phrase des Amerikanischen Traums abrechnet.

Gefolgt wird der Opener dann von der Singleauskopplung „In The Middle Of It All“, einer bittersüßen Indie-Hymne mit interessanten Spielereien gegen Ende des Songs, bei dem immer mal wieder vereinzelte Tonspuren aussetzen und man sich fragt, ob die Kopfhörer respektive Lautsprecher eventuell einen Hauweg haben. Haben sie nicht. Alles Absicht. Und kreativ. Ganz wie man es von der Arbeit des Ausnahmeproduzenten Will Yip gewohnt ist, der den gesamten bisherigen Katalog der Band produzierte.

Weitere Höhepunkte findet das Album in wütenden Grunge-Momenten und dem röhrend anschwellenden Bass am Ende von „Medicine“, dem tieftraurigen und trotzdem mächtigen „Control“, dem verträumt shoegazigen „Discrete Routine“ und der schlichtweg epischen zweiten Hälfte von „You Are A Star“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, „As You Please“ ist schlichtweg das Beste, was mir von Citizen je zu Ohren gekommen ist.

01. Jet
02. In The Middle Of It All
03. As You Please
04. Medicine
05. Ugly Luck
06. World
07. Fever Days
08. Control
09. Discrete Routine
10. I Forgive No One
11. You Are A Star
12. Flowerchild

Citizen - As You Please (Run For Cover, 06.10.2017)
5.0Gesamtwertung