Uff, es gibt solch garstige Alben, die einen regelrecht überrumpeln und auszehren. „Light Will Consume Us All“ ist auch so ein Kandidat. Die Längen der Nummern (Songs will ich sie jetzt gar nicht mal wirklich nennen…) hätte schon mal eine Warnung sein müssen, dass hier etwas nicht so Gewöhnliches passiert. 20 Minuten, 15 und 10. Eine Dreiviertelstunde kathartischer Lärm. Wie passend, dass das Quintett beim Neurosis-Label Neurot Recordings eine Heimat gefunden hat.

Musikalisch ist das eigentlich gar nicht mal so spektakulär. Hier werden meist triste Doom-Riffs aneinander gereiht und moduliert. Dazu schreit Sängerin Eva entweder verzweifelt ihre Texte hinaus oder gibt sich auf der anderen Seite entrückt und zerbrechlich. Passend zu letzterem nimmt sich die Band dann auch immer wieder etwas zurück, was bis zu den postrockigen Anklängen von „Aether“ reichen kann.

Gleich das eröffnende „Infinite Return“ ist so ein derber Klangmonolith, der gar nicht erst versucht, einem zu gefallen. Ausgeklügeltes Songwriting findet hier nicht statt. Man scheint seine Emotionen einfach in Sound zu kanalisieren. In der Mitte wird einem ein kurzer Ruhepol gegönnt, bevor man einen wieder herunter zieht. Hat man das überstanden, wirken die beiden folgenden Titel schon fast wieder leichtgängig. Dabei ist gerade „Portals“ nicht weniger intensiv in seinen Kontrasten, während „Aether“ schon fast Schönklang verbreitet.

Trotz der eingesetzten Dynamikwechsel ist die Musik von Chrch recht geradlinig und schlägt nicht zu wilde Haken. Einfacher wird das Gehörte dadurch allerdings nicht. Die Band packt einen auf der Gefühlsebene – oder auch nicht. Man muss man sich schon darauf einlassen können. Eigentlich muss man es sogar regelrecht wollen, sonst lässt einen „Lilght Will Consume Us All“ ziemlich kalt. Das können Chrchs Labelbosse einfach ein ganzes Stück besser.

 

Trackliste:
1. Infinite Return
2. Portals
3. Aether

Chrch - Light Will Consume Us All (Neurot Recordings, 11.05.2018)
3.5Gesamtwertung