Man kann von den Finnen Chontaraz ja nicht gerade behaupten, sie würden nicht versuchen ihre Musik und das ganze Drumherum nicht irgendwie interessant zu gestalten. Um aufzufallen, mussten zum Beispiel Pseudonyme und ein apokalyptisches Image mit passender Hintergrundgeschichte her. Jene spielt im Jahr 2068 in einem verseuchten, nuklearen Ödland, in dem die letzten Menschen ums Überleben kämpfen. Mad Max und Fallout lassen grüßen…

Da muss die Musik von Akhon, der Leidenschaft, Kraakh, dem Realist, Rhimm, der Loyalität, Naagh, der Energie, und Chontaraz, dem Prediger (ja, ich musste bei dem Klamauk schon auch ein wenig Schmunzeln!), schon etwas anders präsentiert werden. Dabei schlägt im Herzen doch ein solides, nordisches Hardrock- und Melodic-Powermetal-Fundament. Wenn es dramatisch wird, drängen sich unweigerlich Erinnerungen an Kamelot auf. Hinzu kommen Nu-Metal-Grooves und Versatzstücke von aktuellen In Flames, Theatralik und Screams, einiges an elektronischem Gezirpe und Tastentönen hinzu. Hier wird nix dem Zufall überlassen. Die Produktion ist entsprechend fett und dicht, dass kein Lufthauch dazwischen passt – und deswegen auch entsprechend steril.

Das wäre ja gar nicht mal so schlimm, wenn die Songs wenigstens wirklich gut wären. Aber das sind sie nicht, auch wenn man auf Eingängigkeit achtet. Über Genre-Standards kommt man nicht hinaus und am Ende klingen die Nummern doch nach Schema F. Und wenn nicht, dann furchtbar überfrachtet bis unausgegoren, wie das abschließende „Kraahk“, bei dem man alle gehörten Elemente unter einen Hut zu bringen versucht.

Dabei verträgt sich Dicke-Hose-Gebrüll so gar nicht mit Melodienstoff, der seine Wurzeln in den Achtzigern hat. Auch so wechselt man wild hin und her. Thrash-Riffs treffen auf Gothic-Anklänge, Hardrock auf aggressives Stakkato, melodramatischer Kitsch auf übertrieben „harten“ Gestus. Sänger Chontaraz gibt sich zwar abwechslungsreich, agiert aber eher wie ein überdrehter Musical-Darsteller.

Nein, so richtig möchte das alles nicht zusammenpassen. Dabei sind doch einige gute Ansätze da und die verarbeiteten Melodien und Refrains sorgen zwar nicht für wirkliche Endorphinschübe, sind aber einigermaßen gefällig, wie man zum Beispiel bei „Fences“ oder „Cry“ hören kann. Am Ende des Tages ist „Speed The Bullet“ aber doch nur ein Bombast-Album moderner Machart mit jeder Menge überflüssigem Klimbim.

Ich habe fertig!

 

Trackliste:
1. Blind
2. Speed The Bullet
3. Animalistic
4. Blue Skies Turn Black
5. Echoes
6. Ra Fa El
7. One
8. Inflict And Self Destruct
9. Fences
10. Cry
11. Kraakh

 

Chontaraz - Speed The Bullet (SAOL/H’Art, 01.02.2019)
2.5Gesamtwertung