Aller guten Dinge sind drei… Nach Voivod und Kreator ist Celtic Frost die nächste Band, die mit groß angelegten Re-Releases aus dem Noise-Records-Katalog bedacht wird. Vier Mal schlägt man dieses Mal zu. „Morbid Tales“ (1984), „To Mega Therion“ (1985), „Into The Pandemonium“ (1987) und „Vanity/Nemesis“ (1990) kommen in schick gestalteten Digibooks mit jeder Menge alten Bildern und sämtlichen Texten, teilweise auch mit Anmerkungen zu den Songs heraus. Den von der Band selbst gehassten Sleaze-Ausrutscher „Cold Lake“ von 1988 hält man weiterhin unter Verschluss.

So schön die Verpackung auch ist, so massiv und klar der remasterte Sound auch klingt (ein Fortschritt zum letzten Remaster ist durchaus hörbar!), einen kleinen negativen Beigeschmack hat das Ganze trotzdem. Zwar war Bandkopf Tom G. Warrior in alles involviert und hat das Projekt akkurat überwacht. Doch letztendlich entschied sich der aktuelle Rechteinhaber sämtliche Linernotes zuerst zu revidieren, dann ganz zu streichen und gegen eher oberflächliche Worte vom der Band nahe stehendem Journalisten Xavier Russell zu ersetzen. Angeblich, um rechtliche Komplikationen aus dem Weg zu gehen. Mehr dazu erfährt man u.a. auf Toms Blog (http://fischerisdead.blogspot.de/). Sei’s drum: Die Dinger sind trotzdem schön geworden!

Der Veröffentlichung von „Vanity/Nemesis“ gingen turbulente Zeiten voraus. Zuerst eine kurzzeitige Bandauflösung, dann eine unglückliche Reunion, an deren Resultat Tom Warrior anscheinend nicht wirklich interessiert war. Anders jedenfalls ist der erstaunliche Schwenk mit „Cold Lake“ (1988) Richtung Glam Metal nicht zu erklären. Nachdem sich Celtic Frost anschließend wieder zerstreuten, tat sich Tom abermals mit seinem alten Weggefährten Martin Ain zusammen, mit dem das Ganze wieder in die richtigen Bahnen gelenkt werden konnte.

Es ging definitiv wieder härter zur Sache. Die Welt um Celtic Frost hatte sich im extremen Metalbereich aber arg weiter gedreht und erstmals hechelte die Band der Szene etwas hinterher. „Vanity/Nemesis“ klingt nämlich fast wie ein reinrassiges Thrash-Metal-Album der damaligen Zeit, auch wenn die meisten Songs im Midtempo daher kommen. Bei jenen Exemplaren fühlt man sich teilweise an Megadeth erinnert (z.B. „The Name Of My Bride“), was auch am veränderten Gesang liegt. Tom Warrior klingt hier lang nicht mehr so böse und orientiert sich eher daran, was er stimmlich auf dem Vorgänger getrieben hat.

„Vanity/Nemesis“ bietet zahlreiche gute Songs. Das thrashige, mit dem Groove alter Celtic Frost versehene „Wine In My Hand“ zum Beispiel oder das schwere „The Restless Seas“. Hier wie auch beim eingängigen, mit einem guten Drive aufgeladenen „Wings Of Solitude“ kommt auch wieder weiblicher Background-Gesang vor. Was man dem Album vielleicht etwas vorwerfen kann, dass es an manchen Stellen etwas bissiger klingen könnte. „A Kiss Or A Whisper“ haut dafür ordentlich in diese Kategorie, bevor der ziemlich ordentliche Doppelpack „Vanity“ und „Nemesis“ folgt. Mal wieder hat man das große Highlight wieder ganz an den Schluss gepackt. Der überlange, atmosphärisch angelegte Track enthält dann doch wieder all die Zutaten, die man an Celtic Frost in früheren Jahren zu lieben gelernt hat: Drama, Heavyness, ein Hauch Bombast und eine Portion Wahnsinn.

Damit endet eine Platte, mit der sich Celtic Frost wieder sehen lassen konnten. An die Spitze gehört es zwar nicht, ist aber gut hörbar. Die Zeit in der es entstanden ist, hört man. Produzent Roli Mosimann hat „Vanity/Nemesis“ einen knackigen Sound verpasst, der immer noch gut klingt. Nach dieser Platte kam allerdings nicht mehr viel. Noch die Compilation „Parched with Thirst Am I and Dying” und 1993 war dann für zahlreiche Jahre Schicht im Schacht, bevor sich Celtic Frost 2006 überraschend zurückmeldeten und sich die Band mit der Platte „Monotheist“ selbst die Krone aufsetzte. Aber auch das war nicht von langer Dauer. Das Erbe der Band führt Tom Warrior aber seitdem mit seiner Band Triptykon sehr niveauvoll weiter.

Ach ja, auch dieses Album hier hat noch zwei Bonustracks spendiert bekommen. Zum einen eine etwas seltsame Coverversion von David Bowies „Hoeres“, die man beim ersten Hören gar nicht wirklich erkennt (inkl. französischem Frauengesang!), sowie die knackige Nummer „A Descent To Babylon (Babylon Asleep)“, die Fans schon bekannt sein dürfte.

Trackliste:
1. The Heart Beneath
2. Wine in My Hand (Third from the Sun)
3. Wings of Solitude
4. The Name of My Bride
5. This Island Earth
6. The Restless Seas
7. Phallic Tantrum
8. A Kiss or a Whisper
9. Vanity
10. Nemesis
11. Heroes
12. A Descent to Babylon (Babylon Asleep)