Die Franzosen Ceild gehen auf ihrem zweiten Album „A View“ einen komplett neuen Weg. Jegliche Art von Gesang gibt es nicht mehr, man gibt sich ganz dem instrumentalen Metal hin. Und wenn man sich die neun Stücke der Platte anhört, kann man nur sagen: gute Entscheidung! Hier wird nichts vermisst und die Nummern geben für sich allein Sinn. Es sind damit also nicht bloß versierte Musiker am Werk, sondern auch Songwriter, die sich darauf verstehen, interessante Kompositionen abzuliefern.

Und jene sind nicht bloß reine Technikdemonstrationen, sondern können auch Emotionen wecken. Ceild schaffen ein Gleichgewicht zwischen introvertiertem Muckertum und feurigen Abfahrten. Musikalisch setzt man sich dabei genüsslich zwischen modernem Prog- und Postmetal, ohne wirklich in einer Schublade zu verweilen.

Harte Grooves gehen fließend in Erholungsphasen über, mathematische Präzision trifft auf Atmosphäre. Besonders packend wird das beim überlangen „Elephant“, welches durch die Hinzunahme eines Cellos an Menschlichkeit gewinnt. Ähnliches kann man von der Einbindung eines Saxophons in das hektische „Sailed“ sagen. Beide Nummern sind die Highlights eines unterhaltsamen Albums, auf welchem die Musiker sich ganz in den Dienst der einzelnen Stücke stellen, ohne sich selbst zu beweihräuchern.

An einen Genre-Primus wie Long Distance Calling kann man damit noch nicht ganz anschließen –aber die erste Strecke des Wegs hat man gemacht!

 

Trackliste:
1. A View…
2. Sailed
3. Around
4. Elephant
5. Vibration
6. Falaise
7. Thoughts
8. Erased
9. …From The Inside

 

Ceild - A View (SAOL/H’Art, 25.01.2019)
3.8Gesamtwertung