BSÍ

BSÍ – Sometimes Depressed…But Always Antifascist (Tomatenplatten, 21.05.2021)

Vor drei Jahren hatte ich mich bereits einmal mit dem isländischen Duo BSÍ beschäftigt und die damaligen drei Songs für musikalisch sehr interessant, aber auch textlich sehr unverständlich empfunden – denn zugegebenermaßen ist mein Isländisch in etwa so gut wie mein Chinesisch… wir bewegen uns da locker bei -5, mit absteigender Tendenz.

Hatte ich mir 2018 noch einige Songs mehr gewünscht, um mich musikalisch gesehen festlegen zu können, so liegt nun dank dem liebenswürdigen Thomas von Tomatenplatten mit “Sometimes Depressed … But Always Antifascist” das Debüt-Album der beiden vor mir und begibt sich gerade schon in die erste Rotation, bevor es dann in zwei Wochen veröffentlicht wird.

Und eins muss man Silla Thorarensen (Schlagzeug & Gesang) und Julius Pollux Rothlaender (Bass & Zehen-Keyboard) lassen, Humor haben sie – ich meine sich selbst nach dem trostlosesten Ort auf ganz Island zu benennen, Reykjavíks grauem und deprimierenden Bus Terminal BSÍ, ist das eine – dann aber noch im tiefsten Winter im Mallorca-Outfit und Eis essend durch die Hauptstadt zu hüpfen, wie im Video zu “Vesturbæjar Beach“, dass traut man eigentlich nur den Hartgesottensten unter den Skandinavier:innen zu, oder?!

Schaut man sich die Bio an, dann wird es aber noch skuriler, denn eine Band mit dem Vorsatz zu gründen Instrumente auszuprobieren, die man garantiert nicht spielen kann ist ja auch schon mal ne Nummer… und zugegebenermaßen klingen die Songs mit diesem Hintergrundwissen erstaunlich frisch und musikalisch ausgeklügelt – vielleicht binden die Beiden uns hier ja auch nur einen kleinen Bären auf?! Wer weiß das schon, denn im Land der Mystik und der Trolle ist irgendwie alles möglich.

Selbst nennen sie das was zu hören ist liebevoll Insel-Punk, oder einfach Lofi-Cute-Punk – ich persönlich sage einfach mal experimenteller melancholischer Island-Indie mit rockigem Beiwerk und stellenweise  kryptischen Texten dazu. Denn ehrlich gesagt weiß ich bei den meisten Song auch heute noch nicht, worum es Silla und Julius gehen mag – aber so lange sie da selber noch durchblicken, mir soll es recht sein. Themen wie Selbstzweifel und Liebeskummer der einen auf Dauer zermürbt und auffrist, werden hier genauso angesprochen wie das genaue Gegenteil davon, nämlich die absolute Lebensfreude und die Leichtigkeit des Seins. Auf schwarze Tage folgt halt auch immer wieder ein kleiner Sonnenstrahl.

So richtig wuschig war ich übrigens nach “Dónakallalagið“… der Google-Übersetzer nennt das Ganze “Das unhöfliche Lied“. Schaue ich in die Tiefen meines durchgedrehten Hirns, dann weiß ich glaube ich was damit gemeint sein könnte – Leute macht doch nicht sowas mit mir, ich glaube ich werde langsam zu alt für den Sch… 😉

Was mich auf jeden Fall nachhaltig begeistert hat ist der Titel des Albums… denn “manchmal depressiv” bin ich auch und das mit dem “But Always Antifascist” kann ich so nur unterschreiben!

BSÍ sprechen sich in diesem Zusammenhang für den Kampf gegen Sexismus, Rassismus, Misogynie, Ableismus, Homophobie, Transphobie, und alle andere sozialen Systeme, die auf unterdrückenden, hierarchischen und patriarchalischen Strukturen basieren aus – womit sie mir und dem Rest der Redaktion aus der Seele sprechen!

Titel:
1. My Lovely
2. TAL 11
3. Old Moon
4. Uncouple
5. 25Lue
6. Vesturbæjar Beach
7. Feela Það
8. My Knee Against Kyriarchy
9. Dónakallalagið
10. Alltaf Alltaf Stundum Alltaf

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3.5