Oh je, so eine seltsame Platte wie „Broken Limbs Excite No Pity“, das zweite Soloalbum von Bruce Lamont, habe ich schon lange nicht mehr gehört. Ihr kennt Bruce Lamont nicht? Nicht so schlimm. Klären wir mal kurz auf: Der Multiinstrumentalist war einst Mitglied der Jazz-Metaller Yakuza und betätigt sich heute bei der avantgardistischen Krachcombo Corrections House (zusammen mit Neurosis-Mann Scott Kelly, Eyehategods Mike IX Williams und Sanford Parker), dem Jazz-Prog-Hardcore-Trio Brain Tentacles sowie zahlreichen anderen Projekten. Man sieht, der Mann hat einen Sinn für außergewöhnliche Klänge.

So richtig weiß man auch gar nicht, wo man dieses Werk einordnen soll. Drone- und Ambientsounds? Gothic-Songwriter-Musik? Musikalische Avantgarde? Oder einfach nur seltsamer Krach? Irgendwie von allem ein bisschen. „Broken Limbs Excite No Pity“ hat auf jeden Fall etwas Künstlerisches und ist pure Selbstverwirklichung ohne jegliche Schranken.

Der Anfang ist zuerst einmal recht einnehmend. Ein simpler, eintöniger Drone, später abgelöst durch einen warmen Keyboardteppich und sanft betörende Saxophonklänge. Spätestens als der sonore, schlichte Gesang einsetzt, wird es geheimnisvoll. Das hat was Unheimliches und Schamanenhaftes. Doch dann wird es ziemlich beklemmend bis ekelhaft. Pure Kakophonie und wilde, verzerrte Schreie zerren einen aus der Lethargie und man weiß nicht, ob man sich mitreißen oder angewidert abschalten soll. Zumindest hat einen Bruce Lamont ziemlich wachgerüttelt.

Auch das folgende, instrumentale „8-9-3 4:14“ schlägt in eine ähnliche Kerbe und verstört mit seinen seltsamen Sounds. Dafür lässt „Maclean“ dann aufhorchen. Der Titel klingt wie recht eigenwillige Songwriter-Mucke. Die Akustikgitarren-Schleifen und der hallende Gesang ziehen an. Ein harmonischer Chor rundet das Ganze angenehm ab. Hat was von Ruhe im Sturm. „Neither Spare Nor Dispose“ und „Moonlight And The Sea“ schlagen in eine ähnliche Kerbe, mit ihrem Gothic-Songwriter-Flair. Während ersteres allerdings mit seinem metallenem Sound und zahlreichen Effekten etwas eintönig durch die Lautsprecher scheppert, bildet letzteres tatsächlich einen tollen und atmosphärisch stimmigen Abschluss. Man ist glatt geneigt, der Nummer etwas Versöhnliches zu attestieren.

Auffällig ist auch noch „Goodbye Electric Sunday“, das wie ein nervöser, seltsamer Soundtrack für einen schäbigen Western-Soundtrack wirkt. Nervenzerrend ist dagegen „The Crystal Effect“ mit seinen wabernden Synth-Flächen und verzerrten Keyboard-Sounds. Ein düster rauschendes Horror-Ambient-Stück.

Wie gesagt: das Album ist alles andere als „Easy Listening“. Statt handelsüblicher Musik eher exzentrische Klangkunst, bei der Stimmungen und Effekte einen stets fordern. Objektiv zu beurteilen ist in diesem Fall extrem schwierig. Deswegen lasse ich das mal lieber.

Trackliste:
1. Excite No Pity
2. 8-9-3
3. Maclean
4. Goodbye Electric Sunday
5. Neither Spare Nor Dispose
6. The Crystal Effect
7. Moonlight And The Sea