Ein neues Klassiker und dieses mal musste ich zwar kurz überlegen aber dann fiel die Entscheidung doch sehr leicht: Broilers – „Vanitas“ aus dem Jahr 2007.

Die Broilers begleiten mich fast mein halbes Leben lang. „Verlierer sehen anders aus“ mit 18 – 19 Jahren noch im EMP Katalog bestellt und vermutlich per Nachnahme bezahlt. Das erste Broilers Konzert folgte dann Mitte der 2000er im Tower in Bremen. Zuschauerzahl vermutlich um die 200. Was ich definitiv noch weiß, damals wurde noch „Weg von den Straßen“ gespielt…

Und heute 2017, „sic!“ auf Platz eins der Chart und ich habe die Broilers just in der Sporthalle Hamburg, vor schätzungsweise 7000 Leuten gesehen. Das Publikum natürlich nicht mehr so „szenig“ wie vor 10 – 15 Jahren und die Musik ist definitiv weicher geworden, aber eins ist gleich geblieben, die Broilers schreiben einfach klasse Songs und entfachen insbesondere live eine wahnsinnige Energie.

Alle ihre Veröffentlichungen heben sich voneinander ab: „Verlierer sehen anders aus“ noch stark von Streetpunk und Oi! geprägt, „Lofi“ die erste deutliche musikalische Öffnung, „sic!“ das vermutlich beste Songwritting. Aber insgesamt ist für mich die „Vanitas“ das beste Album der Broilers. Warum? Es ist das kompletteste Album, die besten Hymnen und die stärksten Einzelsongs.
„Vanitas“ startet mit einem der coolsten Intros ever und jeder aber auch wirklich jeder der einmal auf einem Broilers-Konzert war wird mir hier zustimmen. „Bro-Hym“, „Gotta Go“, „If the Kids are united“ (ich hoffe in richtiger Reihenfolge), das „Preludio“ der „Vanitas“ und dann „Zurück zum Beton“ – besser geht’s nicht.
Der zweite Track der „Vanitas“ ist vermutlich mein absoluter Favorit der Broilers. Es ist natürlich das absolute Klischee, aber der Song hat mir wirklich geholfen manche Probleme gut zu überstehen. Viele Leute werden vermutlich das Gefühl kennen, dass man Probleme, die man hat einfach nicht teilen kann. Selbst wenn man es will, man kann einfach nicht. Es gibt Dinge, die muss man, so schwer es ist, erst mit sich selbst ausmachen bevor man die Hilfe anderer annehmen kann – Pathos und Klischee, aber absolut auf den Punkt.

Was ich mit mir trage
Kann ich mit Niemandem teilen
Nicht mit dir, mit meiner Liebe
Und nicht in diesen Zeilen […]
Meine Sache, mein Problem
Ich werd nicht untergehen
Statt der weißen Fahne, werdet ihr
Meinen Mittelfinger sehen!

„Ruby Light & Dark“ ist der nächste Song, den ich hervorheben möchte. Das erste mal gehört „Nee, so ein Scheiss, das war’s mit den Broilers für mich.“ Das zweite mal gehört „Okay, gar nicht so schlecht“ bis es dann irgendwann hieß „Hammer, was für ein geiler Song.“ Elektro-Alternativ-Punkrock, keine Ahnung was, geiler Sound, läuft hoffentlich inzwischen in diversen alternativen Diskos.

„Das Verdikt heißt Rache“ – die irgendwie fröhliche Musik steht im krassen Widerspruch zum harten Text. Das Klavier kommt sehr gut zum tragen, ein wenig erinnert das Ganze an The Clash und einfach so als Statement auch aus diesem Lied noch eine Textzeile:

Von dem Moment, als du
den Weg gewählt hast,
gefangen im geistigen Exil.
Propagierst den heiligen Rassenkrieg,
Erreichst nicht mal das Klassenziel.
Dir erkenne ich das Menschsein ab,
du verdienst weder Lobby noch Sprache.
Eine Antwort kann nur hart sein,
das Verdikt heißt Rache!

Der nächsten Song der Scheibe ist auch wieder ein sehr besonderer für mich. „Lost Souls.“ Eines der schönsten Liebeslieder, das ich kenne und da der Text auch in der Einladung meiner Hochzeit stand auch hier einmal:

Mit etwas Glück fand eine weitere Reise ihr Ende hier,
ich möchte jeden Tag leben und genießen mit dir.
Könnte es ertragen, Falten, Leiden und Beschwerden.
Könnte es lieben, an deiner Seite alt zu werden.

Und direkt danach folgt gleich der nächste Lovesong. Für die meisten Leute wird es schwer nachvollziehbar sein, dass eine Musikrichtung so viel mehr sein kann als eben nur eine Musikrichtung. Aber genau das ist Punkrock für mich – soviel mehr als nur drei Akkorde, Tattoos oder Klamotten. Punkrock ist eine Art Lebenseinstellung. DIY, mach dein eigenes Ding. Toleranz, akzeptiere die Mensche so wie sie sind. Offenheit, mach das was du in deinem Leben machen willst. Unangepasstheit, hinterfrage und nimm nicht einfach alles hin was dir vorgesetzt wird. Und genau deshalb verdient diese geile Musik einen geilen Song – „Punkrock Lovesong.“

„Hast du heute schon gelebt?“ Broilers untypische, ruhige Musik mit einer schönen Mandoline. Einfach mal runterkommen und überlegen was wirklich wichtig ist im Leben. Wer oder was zählt und für was lohnt es sich wirklich zu leben.
Dann haben wir da noch „Weisses Licht“ – für mich Social Distortion auf deutsch, gewollt? Denkbar. Eine Interpretation meinerseits? Ebenso denkbar.
So, das war’s mit meinem Classic und beim Korrekturlesen merke ich, dass ich kaum über die Musik geschrieben und dafür ein Zitat nach dem anderen rausgehauen habe – ich hoffe es gefällt dennoch.
Zum Ende das kurze Fazit voller Pathos und Klischee: Broilers – „Vanitas“, großartiger Punkrock plus X mit Texten die mich schon lange in meinem Leben begleiten.

1. Preludio: Vanitas
2. Zurück Zum Beton
3. Meine Sache
4. Held in unserer Mitte
5. Vanitas
6. Ruby light & dark
7. Alles, was ich tat
8. Das Verdikt, Rache
9. Lost soul
10. Punkrock love song
11. Werdet Ihr Folgen
12. Heute schon gelebt
13. Weisst du es schon
14. Sicherheit
15. Wir Gehen Schonmal Vor
16. Hexenjagd
17. Schönheit, das Biest
18. Weisses Licht
19. Halt den Sommer fest