Das nenne ich mal eine lange Zeit… Geschlagene 17 Jahre sind seit dem letzten Album von Boss Hog vergangen. Kein Wunder, dass einem da der Name nicht mehr so geläufig ist. Deshalb hier zur Info:

Boss Hog ist das Baby von Sängerin Cristina Martinez und ihrem Mann Jon Spencer (von der gleichnamigen Blues Explosion). Gegründet hat sich die Truppe 1989 und man veröffentlichte bis 2000 drei Studioalbum sowie diverse EPs und Singles. Lange war es still um sie, bis im letzten Jahr eine EP namens „Brood Star“ erschient. Jetzt folgt die Platte „Brood X“.

Musikalisch bietet man nach wie vor räudigen, punkinfizierten Blues oder bluesinfizierten Punk mit einer Ladung Lo-Fi-Garagenflair. Das wirkt heute schon irgendwie etwas altmodisch und man muss auch sagen, dass die Band früher auch etwas schärfer und bissiger klang. Was aber nicht heißen soll, dass Boss Hog auch anno 2017 nicht ziemlich angriffslustig sein können.

Die teils reichlich schrägen Songs brauchen aber meist ihre Zeit bis sie kommen… falls sie es denn letztlich tun. Dabei ist der Sound ziemlich lässig. Eben genau dasselbe Phänomen wie bei der Jon Spencer Blues Explosion, die auch mehr vom Sound, als von richtig guten Liedern lebt. Aber so einige gute Momente gibt es auch hier. Das laszive Duett „Rodeo Chica“ oder der nervöse Garage-Rock von „Elevator“ zum Beispiel. Immer wieder brechen auch lässige Funk-Momente durch oder man stürzt sich unverhohlen in düstere Sphären, wie bei „Shh Shh Shh“. Manchmal schafft man auch den Spagat zwischen rabiatem Sound und richtiger Lässigkeit („Signal“).

Insgesamt nicht ganz uninteressante mit rund 34 Minuten recht kompakte Platte, die allerdings etwas kurzweiliger klingen dürfte.

Trackliste:
1. Billy
2. Black Eyes
3. Ground Control
4. Shh Shh Shh
5. Signal
6. Rodeo Chica
7. Elevator
8. Formula X
9. Sunday Routine
10. 17

Boss Hog - Brood X (Bronzerat, 24.03.2017)
3.3Gesamtwertung