1992 ist mit „Body Count“ ein Album in der Musiklandschaft eingeschlagen. Und zwar im warsten Sinne des Wortes. Eine Mischung aus Rap und Metal, die bis dahin kaum bis gar nicht zu hören war ballerte uns „CopKiller“ und „Bodycount’s in the House“ um die Ohren und noch heute kursieren die Erstpressungen auf diversen Vinylportalen für den Wert einer 2 Wochenreise in die Karibik.

Auch bei mir waren ICE-T und Bodycount mit diesem ganzen Gangsterding immer irgendwie dabei. Zwar sind sie wie Rage Against The Machine und Clawfinger eine Band, die die ganzen Jahre nur im besoffenen Kopf immer wieder bewusst gefeiert habe, aber sie waren zumindest immer irgendwie da. Und an dieser Stelle verweise ich auf meinen Classicbeitrag zu Rage Against The Machine , wo ich von meinem besonderen Moment mit Bodycount berichte. Egal. Jetzt haben wir 2017 und ICE-T und Co. treffen mit dieser Platte genau den Zahn der Zeit. Und zwar den vereiterten Zahn mit Wurzelentzündung. Ein Album voller Wut im Bauch. Ein Album über Polizeigewalt und Rassismus. Von Menschen erzählt, die diese Themen zwar mit gewohnt dicker Hose anpacken, aber auch zeitgleich zu den Wenigen gehören, die das genau so dürfen und müssen.

 

 

Ich habe mich gerade vor einem Konzert mit Freunden über Musik aus den 90ern unterhalten und berichtet, dass ich so mega gerne nochmal ein Konzert von Such A Surge sehen würde, da ich bei der einzigen Möglichkeit viel zu betrunken war und mich an nichts mehr erinnern kann. Und da diese ganze Rap, Metal, Crossoversache für mich so unbedingt mit den 90ern verbunden ist, freute ich mich umso mehr über dieses Album, das für mich nicht nur alle Erwartungen erfüllt, sondern noch übertrifft.

Spätestens als in „This is why we ride“ die Polizeisirenen einsetzen, bin ich wieder voll dabei. Die Faust in der Luft, die gerunzelten Stirnfalten wie ein altes Sofakissen und Wut auf so ziemlich alles und jeden. Wobei in Songs wie „No Lives Matters“ zwar mit Parolen um sich geworfen wird, aber so glaubhaft Wut in Audioform gepresst wird, dass wir hier wohl die Hymnen für tausende zornige Menschen auf Amerikas Straßen erleben dürfen.

Außerdem erleben wir auf diesem Höllenritt ein Klassentreffen von Metalgrößen wie Dave Mustaine, Randy Blythe und Max Cavalera. Und genau das bringt mich zu meiner Frage. Waren Bodycount schon immer so eine Hitgranate? Klar. Mit den oben angesprochenen Songs und Sachen wie „Born Dead“ gab es einiges was in den 90er Metalclubs für volle Tanzflächen gesorgt hat, aber bei „Bloodlust“ finde ich einfach keine Lückenfüller oder langweiligen Scheiß. Selbst wenn ich weder Headbanger, noch großen Rapfreund bin. Diese gewaltige und gewalttätige Mischung und das inflationäre Nutzen von dem Wort „Motherfucker“, was irgendwie auch nur hier cool klingt, hat mich am Sack. Echt.

 

 

 

Da bleibt mir nicht mehr viel zu sagen, außer das wir hier wohl ein Hitalbum des Jahres vor uns haben und jeder Freund von lauter Musik mit Aussage auf jeden Fall zugreifen sollte. Kaufempfehlung! Prost!

(Das Cover ist übrigens auch sehr 90er. Bei jeder anderen Band würde ich es scheiße finden, aber hier ist es halt rough. Verrückt.)

 

 

01. Civil War (ft. Dave Mustaine)

02. The Ski Mask Way

03. This Is Why We Ride

04. All Love Is Lost (ft. Max Cavalera)

05. Raining In Blood / Postmortem

06. God, Please Believe Me

07. Walk With Me… (ft. Randy Blythe)

08. Here I Go Again

09. No Lives Matter

10. Bloodlust

11. Black Hoodie

Bodycount - Bloodlust (Century Media, 31.03.2017)
5.0Gesamtwertung