Bochum Total 2017

Zum nunmehr 26. mal fand das Strassenfestival Bochum Total im Kneipen- und Szenenviertel Bermuda3eck statt. Wie üblich gab es hier Programm auf verschiedenen Bühnen bei freiem Eintritt. Die Hauptbühnen ist hier die 1Live-Bühne mit dem Schwerpunkt der Popmusik. Alternativ-Musik findet man an der Heinz-Bühne, benannt nach einem Bochumer Veranstaltungsmagazin, die praktischerweise auch am nähesten am Bochumer Hauptbahnhof liegt. Mein Programm war aufgrund privater Termine im Vergleich zum Vorjahr doch sehr verkürzt.

 

Donnerstag

 

Auf der Heinz-Bühne gab es zunächst einen Fremdsprachenkurs in Österreichisch. Hier spielte eine dreiviertelstunde lang die Jungs von Turbobier, die allerhand Faxen auf der Bühne machten. Musikalisch sicherlich schon vielen bekannt, machen die Jungs aus Wien-Simmering schönen Punkrock, der jedoch aufgrund des Dialektes nicht vom jedem Verstanden wird – ist auch wurscht, textlich geht’s um Bier. Die Bands findets lustig und fragt zudem noch ab, wer sie denn verstehen würde. Auch außerhalb der Bühne ist die Band aktiv, denn nach eigener Aussage steht dort nicht nur die berühmteste Rockband aus Wien-Simmering auf der Bühne, sondern auch der Führungszirkel der österreichischen Bierpartei. Durch selbst mitgebrachte Fahnen wurde hier das Publikum zur Choreo aufgefordert – auch die selbst mitgebrachte Währung mit dem Conterfait von Sänger Marco Pogo fehlte hier nicht. Ein Auftritt, der Spaß machte.

 

Hauptact der Heinz-Bühne waren dann die Jungs von Montreal. Wie üblich pflegt die Band einen regen Austausch mit dem Publikum. So fällt beispielsweise der Zuschauer auf, der nahezu das gesamte Konzert per Camcorder aufnahm – „ein Akku-Angeber“. Die Jungs um Frontmann und Schlagzeuger Max Power namen es mit Humor. Gespielt wurde ihre größten Hits wie U-Bahnlinie 2 oder Max Power, der wie immer tierisch abgefeiert wurde. Aber auch ein paar Songs vom neuen Album Schackilacki durften nicht fehlen, die dem Großteil des Publikums bereits bekannt war. So machte es dann der Band große Freude zu sehen, wie jemand im Freiwild-T-Shirt die „Idioten der Saison“ absurderweise mitsingen kann. In Anspielung auf die Neonazi-Szene im benachbarten Dortmund durfte die Frage nicht fehlen, ob denn daher komme. Ein weiterer Höhepunkt neben der Musik war auch die Live-Verkostung von Turbobier, dem Bier der vorigen Band. Mittlerweile ist dieses Bier im österreichischen Einzelhandel angekommen und nun auch auf der Bochumer Bühne.

Aufgrund der Anwohner (Bochum-Total findet nun mal mitten in der Innenstadt statt), war dann um 22 Uhr nach 1:15 Stunden Schluß. Die Band kam noch zum Merchstand vor der Bühne, um CDs zu signieren und Kontaktpflege mit den Fans zu halten – auch das ist bei Bochum-Total üblich. Für meine Tochter zur ganz großen Freude, hängt nun ein von allen signiertes Schackilacki-Poster im Kinderzimmer. Das Konzert, wieder einmal große Klasse – Montreal liefert immer hohe Unterhaltung und tollen Punkrock!

 

Freitag

 

Da sich für den Freitag kein Babysitter fand, kam mein fünfjähriger Sohn zu seinem ersten Konzert. Erneut wurde zunächst die Heinz-Bühne angesteuert, wo die schwedische Metalcore Band Imminence auftrat. Als fünfjähriger ist man sicherlich nicht wählerisch und freut sich über Live-Musik, der erfahrene Konzertgänger konnte sich nicht allzu sehr an diesen Auftritt erfreuen. Musikalisch alles gut produziert, wird vieles durch Play-Back Passagen überspielt. Die Band selbst wirkt irgendwie zusammengecastet und die Typen aufeinander abgestimmt, hier „der Schönling“ am Gesang, der eher androgyne langhaarige Typ an der Gitarre, sowie der Bad-Boy im schwarzen Kapuzzenpulli am Bass. Die Band kommt so wie eine Boygroup daher und es wird der Eindruck erweckt, das die Zielgruppe hier eher bei jungen Mädchen im Teenageralter zu suchen ist. Eine solche hatte ich mit meiner Tochter dabei, aber auch die fand die gekünzelten und vor allem zahlreichen Posen der Band eher uncool. Stillistisch hat man den Eindruck, man versucht das neuere Bring me the Horizon zu kopieren. Ein paar nette Songs sind dabei, aber  insgesamt sprang der Funke aufs Publikum verständlicherweise nicht rüber.

 

Also kurz noch mal rüber zur 1Live-Bühne, dort geht es melodisch zu mit dem Auftritt von Heisskalt, den ich jedoch dann auch nur in der Schlussphase erlebe.

 

Hauptact der Heinz-Bühne war Any Given Day. Dessen Auftritt anzusehen muss ich jedoch auf das Olgas-Rock-Festival verschieben, da dann doch mein fünfjähriger Sohn müde und gleichzeitig fasziniert von den vielen Eindrücken ins Bett wünschte,

 

Zu guter Letzt noch ein Aufruf: Es ist toll, dass es ein Festival wie Bochum-Total im Jahr 2017 gibt. Hier sind alle Bühne frei zugänglich, ohne Einlasskontrollen. Man könnte sich sogar sein eigenes Bier mitbringen, was auch viele Besucher tun. Aber auch unser Appell lautet: Unterstützt dieses Festival und kauft an den Ständen, besorgt euch Festivalbändchen – es nicht Selbstverständlich, dass es ein solches Festival gibt. Ich jedenfalls habe mir den Zeitraum ab 18. Juli 2017 bereits im Kalender notiert und freue mich auf Ausgabe Nr. 27!

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