„Die Blut-Hirn-Schranke, auch Blut-Gehirn-Schranke genannt, ist eine bei allen Landwirbeltieren im Gehirn vorhandene physiologische Barriere zwischen dem Blutkreislauf und dem Zentralnervensystem.“

So sagt es zumindest Wikipedia… aber zugegebenermaßen interessiert mich die Düsseldorfer Hardcore-Band selbigen Namens um einiges mehr, denn veröffentlichen diese doch am Freitag ihr Debüt-Album „Blut Hirn Schranke“!

Auf die Scheibe gekommen bin ich wieder einmal eher zufällig, hatte ich doch erst vor einigen Tagen das neue Album der Jungs von NO°RD rezensiert, weswegen die Herrschaften von Kidnap Music mir liebenswürdigerweise einfach mal die Vinyl von Blut Hirn Schranke mit eingepackt hatten… vielen Dank noch einmal hierfür!

Nachdem wir das dann nun auch geklärt haben geht es direkt an das Album der Düsseldorfer… wo ich beim Blick auf das Cover direkt verharren und erst auf den zweiten Blick erkenne, dass es sich hier um eine riesige Ansammlung von Ameisen handelt – mal gut das ich keine Phobie habe!

Ich ziehe das Ganze heute mal von hinten auf, daher kommt von mir direkt die Ansage, dass man sich die Scheibe erstens merken und zweitens schnellstmöglich käuflich erwerben sollte, denn schon die erste Rotation in meinem virtuellen Plattenspieler – der richtige passt so schlecht in meinen Wagen und das Wechseln der Seiten ist während der Fahrt laut StVO sowieso nicht regelkonform, denke ich… oder weiß da jemand etwas anderes – zeigt mir, dass Blut Hirn Schranke genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufgetaucht sind und sich direkt in die eindrucksvolle Riege deutschsprachiger Hardcore-Bands einreiht, die uns nun bereits seit einigen Monaten eine feine Scheibe nach der anderen präsentieren!

Raue derbe Gesangslinien, die zwar aggressiv und aufwühlend, aber dennoch nicht aufgesetzt und kopiert wirken, erwarten uns bei den zwölf Songs… textlich immer den Nerv treffend, ohne allzu anprangernd zu wirken. Besonders ansprechend erlebe ich direkt die Gitarrenriffs, die noch beim Intro recht smart und rockig aufspielen, dann bei „Obenauf“ aber direkt mal klar machen, dass man in den nächsten Minuten mit einigem zu rechnen hat.

Neben dem Gesang und den Gitarren hämmert sich das Schlagzeug innerhalb kürzester Zeit in jede kleine Hirnwindung und „Stadt Land Schluss“ gibt mir einen Schlag nach dem Anderen, wobei die Einschläge immer schneller kommen und mich fasziniert verstört mit meinem eigenen Hirn-Krampf stehen lassen!

Die „Menschensammelstelle“ fängt ebenso entspannt und gitarrenverliebt an, wie es dann nach kürzester Zeit ver- und zerstörend an den Nerven kratzt und die Ausweglosigkeit schonungslos herausschreit… dank dem Filmemacher Kay Özdemir ist den Jungs hier auch noch ein wunderbar düsteres Video gelungen!

So manches Mal ist alles „Überflüssig“, denn wie immer besteht alles aus „More Than Music“ und wenn man „Angekommen“ ist, gibt`s auch was für den „Hohlen Zahn“!

„Schein/Matt“ erinnert mich an meine persönlichen Freunde von Heisskalt und bekommt daher einen „extra“ Daumen nach oben, bevor „Hineingeträumt“ einen fulminanten und hervorragenden Abschluss bietet!

Nach drei Jahren gemeinsamer musikalischer Sache, den beiden selbst veröffentlichten 7“s und unzähligen Auftritten trifft uns die „Blut Hirn Schranke“ also keineswegs unvorbereitet!

Wer also Bock auf die eine oder andere musikalische Tracht Prügel hat und sich sowieso bei Bands wie Callejon oder Fjørt wohl fühlt, der kann an Blut Hirn Schranke nicht guten Gewissens vorbei gehen… also los, ran da!

Ach so, kurze Anmerkung am Rande: Das Album erscheint als Vinyl mit einem schicken Karton-Cover… zusätzlich liegt der LP das komplette Album als CD bei und einen Download-Code gibt es auch noch – also mehr geht wirklich nicht!

Bevor ich`s vergesse: für Leute ohne Plattenspieler empfiehlt sich dann noch die digitale Version!

 

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Titel:
1. Intro
2. Obenauf
3. Stadt Land Schluss
4. Vorwärts Nimmer
5. Was Weiß Ich
6. Menschensammelstelle
7. Überflüssig
8. More Than Music
9. Angekommen
10. Hohler Zahn
11. Schein/Matt
12. Hineingeträumt

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Blut Hirn Schranke – s/t (Kidnap Music/Cargo Records, 25.11.2016)
4.5Gesamtwertung