2005 ist noch nicht so unglaublich lang her. Gerade einmal 12 Jahre. Immerhin über eine Dekade. Doch die Musikindustrie, viele Bands und viele Musikszenen haben sich seit den 2000er-Jahren spürbar verändert. Bloc Party zum Beispiel. Von der ursprünglichen Besetzung sind heute nur noch Sänger Kele Okereke und Gitarrist Russell Lissack übrig und auch der Sound der Band hat sich über die Jahre merklich verändert.

Aber zurück zum Anfang: Als die Band in ihrer Ursprungsbesetzung inklusive Bassist Gordon Moakes und Schlagzeuger Matt Tong 2005 ihr Debüt-Album „Silent Alarm“ vorlegte, kochte die Indie- und Post-Punk-Revival-Szene der 00er-Jahre gerade so richtig hoch. Bloc Party propellierten sich mit dem Release mit an dessen Spitze und sahen sich in der Gesellschaft von Großkarätern wie Franz Ferdinand (von denen sie entdeckt und gefördert wurden), Arctic Monkeys, Mando Diao oder The Wombats. Die beiden unfassbar erfolgreichen Singles „Banquet“ und „Helicopters“ bescherten dem Londoner Quartett vor allen Dingen einen Ruf als Indie-Disco-Tanzband.

Und als Tanzmusik auf diversen Alternative-Parties in den gängigen Großraumdiscos lernte ich Bloc Party als Teenager dann auch kennen – und habe sie zu diesem Zeitpunkt dafür gehasst. Zu zizzelig, zu zappelig, zu stylish, zu cool waren mir die erwähnten Megahits. Ich stempelte die Band als belanglose Spaß- und Partymusik, die zu allem Unglück auch noch ständig auf 1LIVE gespielt wurde und somit ein breites Publikum an Ahnungslosen und Idioten anlockte, ab.

Doch ich sollte unrecht behalten. Ich weiß nicht mehr wann genau, wie und warum, aber irgendwann viel mir dann doch einmal das gesamte Album außerhalb den trostlosen Tanzflächen der Großraumdiscos in die Hände und ich bekam den Opener „Like Eating Glass“ zu hören. In diesem Moment begriff ich, wie sehr ich mich getäuscht hatte. Plötzlich erschloss sich mir zum ersten Mal die unglaublich intensive, dichte, emotionale Atmosphäre, die diese Band kreiert und dass die vier Londoner musikalisch doch mehr mit Bands wie den Editors, Interpol oder The National gemein haben, denn mit den Mando Diaos oder Arctic Monkeys der 00er-Jahre.

Das gilt insbesondere für die unverwechselbare Stimmung, die besonders in den ruhigeren, traurigeren, zurückhaltenden Songs ihre volle Wirkung entfalten kann und meiner Ansicht nach den wahren Kern der Band ausmacht. Die heimelig-schaurige Atmosphäre, die sich mit dem Einsatz der Gitarrenflächen in „Like Eating Glass“ einstellt, in „Positive Tension“ wieder aufgenommen und in „This Modern Love“ durch brillantes Songwriting zu einer wunderschönen Ballade aufblüht, nur um in „Luno“ mit treibender Energie versetzt zu werden. Dabei lebte der damalige Sound von Bloc Party durch die unverwechselbare Kombination der vier Bandmitglieder, die alle auf ihre eigene Weise etwas Unikates zum Klangbild hinzufügten.

Die britische Re-Release-Version schließt das Kapitel „Silent Alarm“ mit „Two More Years“ als letztem Bonus-Track außerdem so bedrückend und gleichzeitig hoffnungsvoll, so friedvoll wie auch energetisch ab, wie es begonnen hat. Grund genug, es einen Klassiker zu nennen.