Ach du meine Güte, ist das echt schon wieder zwölf Jahre her – also dass ich zum ersten Mal mit den Londonern von Bloc Party in Verbindung kam? Wie die Zeit vergeht!

Damals gerade dabei mich von einer schmerzhaften Trennung zu erholen, habe ich „Silent Alarm“, das erste Album der Briten um Kele Okereke entdeckt und bis zum Auskotzen gehört – eigentlich so lange, bis kurz darauf im Februar 2007 „A Weekend in the City“ auf den Markt kam. Zum Debüt-Album hat sich unser Redakteur Björn übrigens fast genau vor einem Jahr im Rahmen unserer Classics-Rubrik schon einmal Gedanken gemacht… schaut hier.

Wochenlang drauf gefreut stand ich bereits am Morgen vor dem Laden des Plattendealers meines Vertrauens in Dortmund und hielt Minuten später das Objekt meiner Begierde in meinen schweißnassen Händen. In den darauffolgenden Tagen habe ich mich dann in meiner Bude verbarrikadiert und jede Nummer quasi gefressen – ich glaube ich kann behaupten, dass „A Weekend in the City“ zu einem der von mir meistgehörten Alben ever gehört.

Schon bei den ersten Tönen vom Opener „Song For Clay“ wusste ich damals, dass hier etwas ganz Großes vor mir lag und ich stellte Bloc Party schon auf eine Stufe mit Bands, denen es gelungen war Alben für die Ewigkeit geschrieben zu haben. Okay, leider haben mir die Briten eigentlich schon bei der nächsten Scheibe bewiesen, dass es oftmals auch wieder mindestens genauso schnell bergab geht, wie man den Weg an die Spitze erklommen hat – heute sind Kele, Russell, Justin (kam 2014 für Basser & Keyboarder Gordon) und Louise (die den Gründungs-Drummer Matt 2015 ersetzt hat) eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst… versuchen aber ab Oktober auf ihrer „Silent Alarm“ Tour – wo sie für einen Gig auch nach Berlin kommen – wieder an die alten Erfolge anzuknüpfen.

Nach einer langen und intensiven Tour ging es 2006 zurück ins Studio und Kele verarbeitet in „A Weekend in the City“ seine Erfahrungen, die er als junger Mann in seiner Londoner Heimat in Bethnal Green erlebte, wo Rassismus, Gewalt, Drogen und andere negative Einflüsse an der Tagesordnung waren – gepaart mit seiner Energie und seinem positiven Lebensgefühl entstanden zwölf Nummern, die einen hervorragend beim täglichen (Über)lebenskampf begleiten.

Besonders diese Kombination aus rockig verzerrten Gitarren-Riffs, eingängigen Schlagzeug-Beats und den bis dahin noch eher ungewöhnlichen Synthie-Parts machte die Songs so herrlich frisch… und dank Kele`s einzigartiger Stimme besteht bei mir die Bewunderung von Nummern wie „Hunting For Witches“, „The Prayer“ oder „Uniform“ bis heute.

Das Ganze Album wirkt wie ein ekstatisch abgefeiertes Wochenende… mit Euphorie und Vorfreude auf die kommenden Tage am Freitag-Abend, bis hin zur Ernüchterung und dem Hangover am „Sunday“ morning – das sollte uns doch allen irgendwie bekannt vorkommen, oder?!

Ich denke „A Weekend in the City“ ist zur richtigen Zeit, am richtigen Ort – und genau in der richtige Bandphase entstanden, denn „Waiting For The 7.18“ oder „Kreuzberg“ hätte es einige Jahre später aus Kele´s Feder garantiert so nicht mehr gegeben. Wo wir auch direkt beim einzigen Kritikpunkt des Albums angekommen sind, denn nach meiner persönlichen Über-Nummer „I Still Remember“ (die ich selbst später noch bandtechnisch ausgeschlachtet habe 😉 ) ließ sich mit „Flux“ eigentlich erahnen in welche Richtung die Reise in den Folgejahren – leider – gehen sollte… weg vom geilen Indie-Rock mit Synthie-Einflüssen und hin zu abgedrehter Synthie-Mucke mit ein wenig Stromgitarren Support.

Bloc Party waren die europäische Indie-Band des frühen neuen Jahrtausends und haben zumindest von 2005 bis 2008 Geschichte geschrieben bzw. für ordentlich Furore gesorgt. Auf jeden Fall haben sie mich persönlich in einer abgedrehten Lebensphase hervorragend begleitet, getröstet, motiviert… und wieder ein klein wenig glücklicher gemacht – ein größeres Kompliment kann man einer Band doch eigentlich gar nicht machen, oder?!

 

Titel:
1. Song For Clay (Disappear Here)
2. Hunting For Witches
3. Waiting For The 7.18
4. The Prayer
5. Uniform
6. On
7. Where Is Home?
8. Kreuzberg
9. I Still Remember
10. Flux
11. Sunday
12. SRXT

 

„Silent Alarm“ Tourdaten
15.10.18 Amsterdam, AFAS Live
16.10.18 Paris, Le Zénith
18.10.18 Berlin, Columbiahalle
20.10.18 Brüssel, Forest National
22.10.18 Dublin, 3 Arena
24.10.18 London, Alexandra Palace

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