50 Millionen Platten weltweit können, zumindest was den kommerziellen Erfolg angeht, nicht lügen. Wer in den 90ern/2000ern musikalisch sozialisiert wurde, kam nicht um „All the Small Things“ und „What’y my age again“ herum. Auch wenn man sein besten Stück nicht in einen Apfelkuchen gesteckt hat und eigentlich in der damals noch sehr vom Punkrock/Indie/Alternative abgespaltenen elektronischen Musik zuhause war, kannte man mindestens einige Songs von blink 182 und hat vermutlich dazu auch schon gekotzt, gesoffen und geknutscht. Das ist einfach so.

Diese Band hat eine ganze Generation in Sachen Pop-Punk verrückt gemacht, sich selbst nicht so ernst genommen und war Vorreiter für eine ganze Reihe anderer erfolgreicher Pop-Punkbands, die meistens das „Punk“ irgendwann an den Nagel gehängt haben und wie Simple Plan komplett nur noch Pop gemacht haben.

Nun sind sie wieder da. Und zwar mit einem Mitglied weniger und einem neuen Mitglied. Nach einigem Hin und Her in den letzten Jahren ist Herr DeLonge nun also raus und Matt Skiba von den großartigen Alkaline Trio ist für die Gitarre und den Gesang mit eingestiegen. Das hat mich im Vorfeld schon hoffen lassen.

Dass blink 182 nie die großen „Fäuste in die Luft“-Politpunks waren, ist wohl jedem klar. Aber dafür lieferten die drei Stooges immer den perfekten Soundtrack für die nächste Party und das nächste Dosenbierstechen auf dem Festivalcampingplatz. Und das wird sich auch mit „California“ nicht ändern!

Soundtechnisch haben wir hier einen Hit nach dem anderen. Bester blink 182-Sound und natürlich fett produziert. Ecken und Kanten hat man bei blink schon immer vergebens gesucht, aber wer den schnorrenden Straßenpunk sucht, der kauft sich sowieso kein blink-Album.

Schnelle Gitarren, großartiger Gesang (auch und vor allem von Matt Skiba) und Melodien, die zwischen Pop-Punk und Stadion hin- und herpendeln und genau dazwischen hingehören. Spätestens nach dem ruhigen Intro vom Opener „Cynical“, dem einsetzenden Stirnrunzeln und dem anschließenden Grinsen wenn der Song richtig startet und abgeht wie Schmidts Katze, weiß man wo der Hase lang läuft.

Nach den ersten Durchgängen bin ich fest davon überzeugt hier ein Hitalbum vor mir liegen zu haben. Leider weiß ich nicht mehr wie schnell die „alten Hits“ bei mir zündeten. Daher und weil jetzt wenig als besonders heraussticht, würde ich für die Tour doch anraten den einen oder anderen alten Hit zu spielen.

Sollte ich hier Kritik äußern müssen, würde ich mich an die Texte machen. Dabei ist ein positives Beispiel ein Song wie „Built this Pool“, der sich auf

 

„I want to see some naked dudes

That’s why i built this pool

Bei „Kings of the Weekend“ und gleichlautendem Textbeispiel muss ich schon ein wenig schmunzeln, wenn solche Texte von Menschen in meinem Alter geschrieben werden. Wobei man einfach weiß, dass wir hier liebende Familienväter vor uns haben und keine angesoffenen Teenies wie damals.

Insgesamt haben wir hier auf jeden Fall ein mit 16 Nummern vollgepacktes Pop-Punkalbum, dass einfach von vorne bis hinten perfekt durchgeplant ist und zwar keine Überraschungen, aber dafür das lange gesuchte „Ich bin 16 und der König der Welt“-Feeling wieder im Gepäck hat. Geil!

blink-182_California_Album

  1. Cynical
  2. Bored to death
  3. She’s out of her mind
  4. Los Angeles
  5. Sober
  6. Built this pool
  7. No Future
  8. Home is such a lonely place
  9. Kings of the weekend
  10. Teenage Satellites
  11. Left Alone
  12. Rabbit Hole
  13. San Diego
  14. The only thing that matters
  15. California
  16. Brohemian Rhapsody
blink 182 - California (BMG, 01.07.2016)
4.5Gesamtwertung