Recht düster und schleppend knallt der Titelsong aus den Boxen. Die Stimme von Eric Wagner, Ex-Sänger der legendären Doom-/Stoner-Truppe Trouble, erkennt man sofort – sie ist einmalig und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es stellt sich sofort das wohlige Gänsehautgefühl an, das man von etlichen Songs seiner ehemaligen Band kennt. Black Sabbath lässt mehr als grüßen, hier werden einige Tony-Iommi-Gedächtnisriffs vom Stapel gelassen. Ganz in diesem Sinne ist auch das CD-Cover gestaltet. In düsteren Farben ist der Innenraum einer leeren Kapelle abgebildet.

„Can I Get Witness“ überrascht mit positiven Tönen – im Gegensatz zum Titelstück. Sehr lässiger Schlagzeug-Groove am Anfang des Songs, den ich so nicht erwartet hätte. „All My Sorrow“ kommt zu Beginn eher unspektakulär rüber und bleibt bei mir nicht sofort im Gedächtnis haften. Doch der Mittelteil hat definitiv etwas! Wagner liefert hier eine sehr beeindruckende Gesangsleistung ab, die unter die Haut geht.

Die Band rotzt während des kompletten Albums trocken und bombastisch – ein fantastischer Sound und die düstere Grundstimmung tun ihr übriges, um das Album an Wagners ursprüngliche Band Trouble zu erinnern. Die beiden Gitarristen spielen sich die Bälle gegenseitig zu. Vor allem Lead-Gitarrist Terry Weston verdient sich Bestnoten.

Tiefer wie bei „My Old Soul“ kann Wagner definitiv nicht mehr singen. In solchen Sphären habe ich ihn selten gehört. Intensiv ist auch das – wobei mir seine höheren Passagen schon besser gefallen. Die Kopfstimme meidet er weitestgehend, wobei er auch niemand mehr etwas beweisen muss. „Afternow“ hat wie etliche Songs einen ordentlichen Vintage-Rock-Touch, dem man sich nicht entziehen kann. „Waiting For The Sun“ ist übrigens keine Doors-Coverversion, sondern eine Eigenkomposition mit sehr coolem Psychedelic-Touch. Typisch Wagner – so was kennt man zur Genüge von der späten Trouble-Phase. Für mich der beste Song der Scheibe – aber das ist natürlich immer Geschmackssache!

Nach ein paar Mal hören hat man sich die Lieder drauf geschafft. Insgesamt muss man die Songs öfters anhören, bevor sie zünden. Einige Stücke sind etwas sperriger, was jedoch keinesfalls schlecht ist! Das typische Wagner- / Trouble-Feeling ist jedoch bei allen Stücken definitiv vorhanden. Soundtechnisch und musikalisch ist die komplette Scheibe auf sehr hohem Niveau. Man merkt, dass hier Könner und Überzeugungstäter am Werk sind! Wagner singt insgesamt tiefer wie früher, aber auch das ist aufgrund des fortschreitenden Alters eine logische Sache.

Für Freunde der Musik von Trouble und Doom-Fans generell dürfte hier alles passen. Wer die Stimme von Eric Wagner mag, kann bedenkenlos zuschlagen. Der Typ ist klasse und hat’s definitiv noch drauf!

Das Album ist als CD-Variante und in der farbigen Vinyl-Ausgabe zu haben.

Trackliste:
1. When Colors Fade Away
2. Can I Get A Witness
3. All My Sorrow
4. My Old Soul
5. Afternow
6. Crossing The River Turmoi
7. Beside Still Water
8. Waiting For The Sun
9. Till We Meet Again

Text von Gastautor STEFAN GRASSL

 

Blackfinger - When Colors Fade Away (M-Theory/Soulfood, 15.09.2017)
4.0Gesamtwertung