Das Plattenlabel eOne hat kürzlich den kompletten Backkatalog von Black Label Society lizensiert. Das bedeutet, dass die Alben der Band vom Debüt bis zu „Shot To Hell“ von 2006 über kurz oder lang neu veröffentlicht werden. Den Anfang macht natürlich „Sonic Brew“ aus dem Jahr 1999. Versehen mit einem weißen Cover und zwei Bonustrack als „20th Anniversary Blend 5.99 – 5.19“. Bandkopf Zakk Wilde spricht von einer Abhübschung. Was konkret am Sound gemacht wurde, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Ein oberflächlicher Vergleich offenbart keine wirklichen Unterschiede.

„Sonic Brew“ ist auch anno 2019 noch ein fetter Brocken. Schwerer, riffgetriebener, testosterongeschwängerter, haariger Heavy Rock, der bei Black Sabbath wurzelt, aber auch bei Nachfolgegruppen wie Soundgarden andockt. Mit tonnenschweren, dicken Eiern, aber auch Gefühl. Besonders, wenn die Southern-Wurzeln etwas durchscheinen. Im Endeffekt war Black Label Society Wyldes eine Fortführung des Projekts Pride & Glory mit metallischer Aufladung. Etwas Filigranes braucht man jedenfalls nicht erwarten, wenn man eine Platte der Band auflegt. Dafür lässt man zu mächtig und mit zu großer Inbrunst die Axt kreisen.

Dementsprechend grobschlächtig sind auch die Songs selbst. Straight auf die Fresse – aber immerhin trotzdem mit einer Portion Lässigkeit aus den Ärmeln geschüttelt. Fette Grooves dominieren Titel wie „Mother Mary“, das quietschige „Low Down“, „The Rose Petealled Garden“ oder das überraschend eingängige „World Of Trouble“. Die Gitarre schwitzt, die Drums pumpen und die vom Whiskey getränkte Stimme röhrt effektvoll. Auf den Gesang legte Zakk Wylde noch nicht so großen Wert. Aber in den spärlich besetzten ruhigen Momenten punktet er mit einem coolen und doch emotionalen Vortrag. Besonders beim etwas an „Simple Man“ von Lynyrd Skynyrd erinnernden „Spoke In The Wheel“.

Jenes ist auch als etwas weichere Pianoversion als Bonustrack enthalten. Genauso wie eine akustische Version des düsteren „Black Pearl“, welches im Gegensatz zum Original definitiv gewinnt. Das war’s dann auch schon im Bonusprogramm. Allerdings ist die Platte mit knapp 70 Minuten auch lang genug. Die erste Version war ja schon ein ganz schönes Pfund, bei dem sich aufgrund der Hook- und Melodienarmut doch immer wieder etwas Leerlauf einschlich.

Denn ein Klassiker der jüngeren Musikgeschichte ist „Sonic Brew“ jetzt nicht unbedingt. Aber ein dickes Ausrufzeichen einer beileibe doch recht coolen Band. Um in das Universum eines Zakk Wylde einzusteigen sicher nicht verkehrt. Spannender sind allerdings die genannten Pride & Glory oder das Soloalbum „Book Of Shadows“.

 

Trackliste:
1. Bored to Tears
2. The Rose Petalled Garden
3. Hey You (Batch of Lies)
4. Born to Lose
5. Peddlers of Death
6. Mother Mary
7. Beneath the Tree
8. Low Down
9. T.A.Z.
10. Lost My Better Half
11. Black Pearl
12. World of Trouble
13. Spoke in the Wheel
14. The Beginning… at Last
15. Black Pearl (Bonus Track)
16. Spoke In The Wheel (Bonus Track)