So, schauen wir mal in Richtung unserer nördlichen Nachbarn. Big Mess aus Kopenhagen legen mit „Try To Enjoy It“ ihr zweites Album vor. Ein ziemlich persönliches. Die Texte beschäftigen sich mit den traurigen Schattierungen von Liebe, Bedrängnis und Genderbewusstsein und heben sich wohltuend von Punkklischees ab.

Punk – da möchte man Big Mess auch verorten. Schludrig gespielt, ungehobelt im Vortrag, aber stets sehr melodisch, mit irgendwie poppigen Anklängen. Der Rock’n’Roll-Faktor ist hoch und der Sound klingt doch reichlich oldschool und lässt sich nicht in eine Form pressen. Irgendwie erinnert das an Bands der späten 70er / frühen 80er, Marke Buzzcocks. Und wieder auch nicht. Das Quintett scheut sich nämlich auch nicht mal Bläser, ein Piano und weiche Background-Gesänge in seine Songs zu integrieren.

So hat das Ganze schon Charme. Die Songs sind meist kurz und knackig arrangiert und machen Laune. Der kräftige Midtempo-Titel „Double-edged“, der schmissige Punkrocker „Kill ‘Em All“, das schwungvolle „Leasve This Scene“ oder der deftige Mitgröler „Still S.A.D.“ haben was und bieten zünftigen, etwas schrägen Punkrock.

Ungewöhnlicher wird’s mit der Bossa-Akustiknummer „Bridesmaid“, dem walzerhaften „Nobody’s Favorite“ und den beiden schon fast epischen (Spielzeiten von knapp 5 Minuten!) Abschlusstiteln „Stay With My Friends“ und „Ny Kold“. Ersterer ist eine schon fast kitschig klingende Power-Ballade (!) und letzterer sorgt für einen euphorischen, sich fast überschlagenden Abschluss. Der manchmal etwas an Robert Smith (The Cure) erinnernde Gesang stößt dabei auch mal an seine (Gefühl-)Grenzen.

Big Mess kann man durchaus als smarten Geheimtipp für Punkfans abseits des Mainstreams einordnen.

Trackliste:
1. Pick Ur Queen
2. Leave This Scene
3. Counting on U
4. Double-edged
5. Still S.A.D.
6. Bridesmaid
7. 2 of U
8. Nobody’s Favorite
9. Kill ’Em All
10. Montage Feeling
11. Stay With Ur Friends
12. Ny Kold

Big Mess - Try To Enjoy It (Indisciplinarian, 29.09.2017)
4.0Gesamtwertung