„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“, ist ein bekanntes Zitat des Komponisten Gustav Mahler und so etwas wie das inoffizielle Motto der Künstler und Bands, welche Christoph Bühring-Uhle unter dem Banner „Bavaria Vista Club“ um sich geschart hat. Eine Art Alternative zum musikalischen Mainstream, die eines verbindet: das Bekenntnis zum eigenen Dialekt und zur Traditionen sowie der Wille diese musikalisch aktualisiert und auf eigene Art und Weise weiterleben zu lassen. Und das kann man nur unterstützen. Denn „Bavaria Vista Club“ ist kein verkrusteter Musikantenstadl, sondern hier bekommt man stets lebendige und meist ziemlich ungewöhnliche Acts vorgesetzt, die weit davon entfernt sind, irgendetwas mit Volkstümelei zu tun tu haben.

Dieses Mal haben sich die Veranstalter etwas Größeres ausgedacht und die Landeshauptstadt München heimgesucht. Mal sehen, ob man die an dem Abend abrockenden Gruppen hier noch versteht. Denn man hört es in „Monaco“ nicht mehr allzu oft: Bairisch. Aber selbst wenn man diesen Dialekt nicht spricht bekam man mit Zwoastoa, Oansno und IRXN dreimal absolutes Spitzenentertainment vorgesetzt.

 

 

Nach einem unterhaltsamen Jodelkurs (so viel Lokalkolorit muss sein!) von Horst Biewald und den unterhaltsamen Ansagen von Max Hadersbeck gab es mit Zwoastoa gleich mal den ersten Kracher. Die bunte Truppe bezeichnet sich selbstironisch als „G’stanzl Sound Orchestra“ und spielt eine eigenwillige Mischung aus Reggae, Ska, Pop, Afrika- und Balkan-Beats sowie elektronischer Musik. Hinzu kommen die Texte, die zu mehr Gelassenheit und freiheitlichem Eigensinn aufrufen und stets ihre Wirkung nicht verfehlen. Zwoastoa sind als feine Festivalband bekannt und sie brachten auch an diesem düsteren Herbsttag die Sonne in die Herzen des Publikums zurück. Slogans wie „Du mi a“ oder „Scheiß da nix“ wurden auf einen fruchtbaren Acker gesät, die Hüften (im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten) wild geschwungen oder zumindest sanft im Takt mitgewippt. Irgendwo innen drin ist doch jeder ein kleiner Revoluzzer und genau diese emotionale Region spricht die Band an. Daneben schaffen es Zwoastoa auch noch die verschiedensten Arten von Musikfans hinter sich zu versammeln. Vom Normalo, über Reggae-Hippies und feschen Madl’n im Dirndl, bis zum langhaarigen Metalfan hatte irgendwie jeder seinen Spaß. Tolle Sache!

Setlist Zwoastoa:
Schee is
Dadiwiariwoid
Danndengima
Woidrand
Da Sammler
Da Revoluzzer
Dumia
Gemma gemma
Da Bauer
Da Dokta
Lizenz zum Fliang

Nicht nach Hause

 

 

Die folgenden Oansno haben nicht viel weniger Crossover-Potenzial. Liegen ihre Wurzeln zwar eindeutig in der Wirtshausmusik, bietet man am Ende doch wilde Partymucke, die auf Genrekonventionen oder Stilbeschränkungen herzlich pfeift. Volksmusik-Instrumentarium (Trompete, Tuba, Akkordeon, Schlagzeug) trifft auf Weltmusik-Beats, Sauflied auf Csárdás und Walzer, rockiges Flair auf Techno-Stampfen. Irgendwie irre, irgendwie verdammt cool. Dabei sind die Texte rotzfrech, die Melodien einprägsam. Auf ihre Art sind Oansno damit genauso euphorisierend wie ihre Brüder im Geiste, LaBrassBanda. Eine Menge Power trifft dabei auch auf viel Gefühl, was nicht zuletzt die emotionale Abschlussnummer „Menyas Csárdás“ beweist. Beim mitreißenden „Musikanten Techno“ bleibt einem dagegen fast die Luft weg. Kein Wunder, dass das Publikum die Herren am liebsten gar nicht gehen lassen möchte. „Oane moan i pack i no“ ist nicht nur der größte Burner der Truppe, sondern am Ende auch das Motto ihrer Fans. In diesem Sinne: Prost!

Setlist Oansno:
Oansno
Liaba dad i dadian
Genau mei Weda
A Liad im Englischen Garten
Am Stachus um hoibe Drei
500 Jahr (Hymne fürs Reinheitsgebot)
Oa moi bloß gseng
Isarkiesel
De Bruckn brennt
Musikanten Techno
Oane moan i pack i no
Menyas Csárdás

 

 

Der Auftritt der abschließenden IRXN war nicht nur ein normales Konzert, sondern auch ein Jubiläumsauftritt. Das Quintett feierte anlässlich des Clubs sein 10-jähriges Bestehen. Kein Wunder, dass es da von den treuesten Fans Kuchen und personalisierte T-Shirts für die Bandmitglieder gab. Unter lautem Applaus des mittlerweile mit rund 500 feierwütigen Leuten gefüllten Zelts betraten Trixi, Berni, Reinhold, Peter und Axel breit grinsend die Bühne und legten mit ihrem Highlight-Song „Schatten hinter Dir“ los. Das Publikum war sofort drin und es wurde getanzt und gesungen, als gäbe es kein Morgen. Immer wieder schön, zu welchem Leben die Songs von IRXN auf der Bühne erwachen. Die Band spielt aber auch einen kraftvollen bayerischen Folkrock mit starken keltischen und mittelalterlichen Einflüssen. Egal ob mitreißender Rocksound, leichte, emotionale Balladen oder absolut ausgelassene Instrumentalstücke: im Repertoire findet jeder seine persönlichen Highlights. Dass Frontmann Bernie Maisberger in seinem Heimatdialekt singt, ist hier kein Hindernis, sondern Teil der Faszination des Ganzen. So kommt der teils archaische Sound noch eindringlicher und authentischer rüber. Man geht einfach mit, wenn der Mann seine Texte voller Freiheitsliebe, Wilderer-Romantik und der Freude am Leben singt. Für den Rest sorgt seine instrumentale Hintermannschaft, die einen mit zackigen Rock-Rhythmen und leidenschaftlichen Geigenmelodien mitreißt – pure Spielfreude inklusive. „Pfiad’s Eich“ hieß es am Ende zur Melodie von „Sieben Tage lang“ und die Truppe wurde euphorisch gefeiert. Diese Geburtstagsparty werden Band wie auch Publikum sicher nicht so schnell vergessen!

Setlist IRXN:
Schatten hinter Dir
Die Angst geht um
Leichtigkeit des Seins
Saltatio Ignis
Herzenstod
Hias
Yggdrasil
Vogelfrei
Selber macha
Danz!
Wuids Luida
Wuiderer
Tanz mit mir
Alle Manner
Spinn
Schlafende Maid
Irgendwo und irgendwann

D’Liabe
Pfiad’s Eich