Vor mittlerweile sieben Jahren wurde die Band Baroness in einen schweren Busunfall verwickelt, welcher quasi ein Wendepunkt in der Bandgeschichte war, der bis heute noch nachwirkt. Mit „Purple“ kämpfte man sich 2015 in neuer Besetzung zurück und setzte ein starkes Ausrufezeichen. Mit der neuen Gitarristin Gina Gleason mittlerweile noch einmal umgekrempelt, ist nur noch Gitarrist und Sänger John Baizley aus Gründungstagen übrig.

Das verschafft ihm wohl auch genügend Raum endgültig seine Vorstellungen durchzusetzen. „Weg vom stromlinienförmigen, unmittelbaren Gitarrenrock“ soll der neue Weg führen. Breit gefächerte Musik, weit entfernt vom ursprünglichen Sludge Metal. Und so klingen Baroness auf ihrem neuen Album „Gold & Grey“ bunter, vielfältiger als je zuvor und mittlerweile mehr wie eine experimentierwillige Alternative-Rock-Band.

Dabei bewegt mich sich mit den ersten Songs gar nicht mal so weit von „Purple“ weg. Metalsongs mit Hang zum Classic Rock, an manchen Stellen dezent progressiv und ruppig, nur um dann wieder mit großen Melodien zu verwöhnen. Ganz besonders gut funktioniert das bei „Seasons“ (inkl. Blastbeasts!) und „Torninquet“, welches als verhuschte Akustiknummer startet und später Richtung knarzender Metal abbiegt.

 

 

Aber bereits die psychedelische Klarvierüberleitung „Sevens“ zeigt: hier werden auch andere Töne angeschlagen. Abgesehen davon, dass die Rhythmusgruppe verstärkt in den Vordergrund gestellt wird, experimentiert man teils wild mit Klängen und Geräuschen. Vor allem in den vielen Zwischensequenzen, die nicht selten an den Nerven zerren, ohne dass sie dem Album wirklich etwas geben. Aber auch in vermeintlich einfach strukturierten Songs wie dem hymnischen „Throw Me An Anchor“ verstecken sich unorthodoxe Prog-Einschübe.

Das Spiel mit Klangschichten und Melodien ist hörenswert. Leider ist die Produktion genauso schlecht, wenn nicht sogar noch schlimmer als beim zu Recht kritisierten Vorgänger. Komplett übersteuert mit Hang zum Clipping, tut man sich nicht so einfach die eingespielte Vielfalt zu würdigen. Dafür gibt es definitiv einen fetten Punktabzug!

Gerade die leiseren Töne, welche man in der zweiten Albumhälfte verstärkt vorfindet, verlieren dadurch. Denn die latent psychedelisch, balladesken Nummern, bei welchen Baizley gesanglich von Gitarrist Gina Gleason unterstützt wird, klingen interessant. Exemplarisch seien „I’d Do Anything“ und „Emmet – Radiating Light“ genannt.

 

 

„Gold & Grey“ ist eine Herausforderung, beim ersten Hördurchgang gar nicht so einfach zu fassen. Teilweise sogar ziemlich nervig. So manches hätte durchaus dem Rotstift zum Opfer fallen dürfen. Aber am Ende ist Baroness immer noch eine besondere Band und die Platte hat einige wirklich großartige Momente und Songs zu bieten, die man nicht missen möchte. Das bereits genannte „Throw Me An Anchor“ ist so einer, das abwechslungsreiche „Borderlines“ ein anderer.

 

Trackliste:
1. Front Toward Enemy
2. I’m Already Gone
3. Seasons
4. Sevens
5. Tourniquet
6. Anchor’s Lament
7. Throw Me an Anchor
8. I’d Do Anything
9. Blankets of Ash
10. Emmett – Radiating Light
11. Cold-Blooded Angels
12. Crooked Mile
13. Broken Halo
14. Can Oscura
15. Borderlines
16. Assault on East Falls
17. Pale Sun

 

 

Photo-Credit: Pam Strohm

 

Baroness - Gold & Grey (Abraxan Hymns, 14.06.2019)
3.6Gesamtwertung